Sonntag, 01. Oktober 2017, 20:11 Uhr

Hurts sind wieder da: Das große Interview zum neuen Album

Mit „Desire“ veröffentlichte das britische Pop-Duo Hurts gerade sein brandneues, viertes Album – und darauf wimmelt es nur so voller toller Melodien.

Hurts sind wieder da: Das große Interview zum neuen Album
Foto: Bryan Adams

Warum mancher Song an Prince erinnert, wie sie Harry Styles finden, wieso sich Theo neuerdings mit Hollywood-Aktrice Sharon Stone im Bett wälzt und was in osteuropäischen Hotelzimmern nachts vor sich geht, erzählten Sänger Theo Hutchcraft und Keyboarder Adam Anderson klatsch-tratsch.de-Reporterin Katja Schwemmers beim Interview im Berliner Soho-House.

Theo, Sie waren zu Noel Gallaghers 50. Geburtstag eingeladen. Können Sie von dem Ex-Oasis-Frontmann in Sachen Rock’n’Roll noch etwas lernen?
Theo Hutchcraft: Auf jeden Fall. Seine Party war eine der besten, die ich je in meinem Leben besucht habe! Einfach brillant! Die Feier hatte alles, was du dir vorstellen kannst. Mehr Rock’n’Roll geht nicht. Da fällt mir ein, er kriegt immer noch ein Geschenk von mir.

Treiben Sie es selbst immer noch so wild auf Tour?
Adam Anderson: Ich habe mit dem Trinken aufgehört. Also ist es weniger extrem als noch im Jahr 2011, wo wir jeden Tag alles gemacht haben, was Spaß bringt. Den Spaß haben wir immer noch. Nur nicht mehr an der Bar. Und wenn dann nur, wenn der Tag danach ein spielfreier Tag ist. Das hat auch den Vorteil, dass ich nicht mehr über meinem Keyboard einschlafe. (lacht)
Theo Hutchcraft: Unsere Shows sind körperlicher als früher, wo wir eigentlich nur in der Kulisse rumstanden. Sie sind länger und energetischer. Da braucht man schon eine Weile, um sich davon zu erholen. Außerdem haben wir uns angewöhnt, auf Tour Songs zu schreiben. Wir haben also ein mobiles Studio dabei. Wir wachen morgens auf, arbeiten den ganzen Tag an unserer Musik und machen Pause, um die Show zu spielen. Unser Tourleben ist sehr viel strukturierter als früher, aber das ist auch gut so.

Mädchen stand plötzlich vorm Hotelbett

Ihre Fans in Ost-Europa sind sehr leidenschaftlich. Haben Sie dort auch merkwürdige Momente erlebt?
Adam Anderson: Mein merkwürdigster Moment war, als ich 2011 bei einem Konzert in Kiew für sechs Sekunden über meinem Keyboard eingeschlafen bin. Es hat keiner gemerkt, außer Theo. (lacht)
Theo Hutchcraft: Ich bin mal in einem Hotel in Kiew aufgewacht, und da stand jemand im Dunkeln neben meinem Bett.

Hurts sind wieder da: Das große Interview zum neuen Album
Foto: SonyMusic

Herrje.
Theo Hutchcraft: Ja, tatsächlich. Ein Mädchen war in mein Zimmer eingebrochen. Als ich aufwachte, dachte ich erst, es sei ein Geist. Aber sie stand da und hatte mir einfach beim Schlafen zugesehen. Ich habe geschrien, und sie ist rausgerannt. Ich weiß nicht, was das Mädchen erwartet hat. Hat sie gedacht, ich sage: „Oh, gut, dass du hier bist. Du bist in mein Hotelzimmer eingebrochen, nun komm in mein Bett.“ Natürlich war ich stinksauer. Das ist eine Überraschung, die ich echt nicht brauche.

Haben Sie ein Trauma davon getragen?
Theo Hutchcraft: Nun ja, das war schon echt krass. Aber es passieren jeden Tag in unseren Leben komische Dinge, und man vergisst es dann auch wieder. Und es zeigt auch eine Passion für unsere Musik. Das ist das Positive, was ich daraus ziehe.
Adam Anderson: Ich hätte mich über die Überraschung gefreut, um ehrlich zu sein. Wie romantisch ist das auf einer Skala von 1 bis 10? (lacht)

Beide Musiker sind immer noch Singles

Was gibt es denn Neues an der Liebes-Front bei Ihnen?
Adam Anderson: Ich habe keine Freundin.
Theo Hutchcraft: Ich auch nicht. Wir sind beide Singles. Schnief.

Mögen Sie Harry Styles? Theo, Sie haben über ihn getwittert!
Theo Hutchcraft: Stimmt, eine Textzeile seines Songs „Kiwi“: „I am having your baby, it’s none of your business.“ Ich fand das lustig. Ich finde, er hat eine großartige Platte gemacht. Er war mutig und selbstbewusst, und er ist auf dem Weg, eine interessante Solokarriere zu haben. Er ist ein sehr kluger, cooler Typ. Für jemanden, der vorher in einer Boyband war, ist das nicht selbstverständlich, sich so schnell zu finden und immer noch Spaß an dem Ganzen zu haben. Und gut finde ich auch, dass er immer noch One Direction und den Fans sehr viel Respekt entgegen bringt. Ich liebe das. Denn es zeigt eine Reife, die über sein Alter hinausgeht. Deshalb glaube ich auch, dass wir noch lange was von ihm haben werden.

Hurts sind wieder da: Das große Interview zum neuen Album
Foto: Haze Alieu Yama

Viele Musiker sind verstorben seit dem letzten Album der Hurts. Hat Sie ein Tod besonders berührt?
Adam Anderson: Bei mir war das der von Prince, denn das kam wirklich unerwartet. Die Sache mit Bowie war tragisch, aber da existierten bereits Gerüchte, dass es ihm schon eine Weile nicht gut ging. Darauf war ich mental etwas besser vorbereitet. Prince hat mich schockiert. Auf unserer neuen Platte gibt es einige Songs, die nach Prince klingen. Das ist wohl unterschwellig unsere Hommage an ihn.
Theo Hutchcraft: Wir haben Bowie und Prince rauf und runter gehört. Und alles, für was sie stehen, ist das, was wir als Band auch anstreben. Sie sind beide sehr visuell und künstlerisch. Sie machen Popmusik, aber gehen Risiken ein. Und sie haben immer wieder unterschiedliche Sachen gemacht und versucht, einzigartig zu sein. Es war merkwürdig, sie starben so dicht hintereinander. Ich glaube, wir haben erst in dem Moment verstanden, wie wichtig sie für uns sind. Auch was ihre Attitüde betraf: Sie haben die Dinge einfach gemacht. Dann blickst du auf dich selbst und denkst: OK, wir müssen jetzt auch aus der Bequemlichkeitszone raus. Dorthin, wo es aufregend ist. Ihr Erbe ist also unsere Inspiration.
Theo Hutchcraft: Auch von George Michael haben wir übrigens etwas mitgenommen. Den Soul, der auf der Platte ist.
Adam Anderson: Sein Tod war furchtbar, und das auch noch an Weihnachten!

Statements für mehr Toleranz

Als das Video zur Vorab-Single „Beautiful Ones“ herauskam, hatten Sie innerhalb einer Woche viele Millionen Klicks auf Youtube und wurden besonders von der LGBT-Szene für das Statement gegen Homophobie gefeiert. Denn Sie, Theo, sind für den Clip in die Rolle einer Drag-Queen geschlüpft, die von Männern verprügelt wird.
Theo Hutchcraft: In der Drag-Queen-Szene gibt es kaum jemanden, der nicht die Erfahrung gemacht hat, attackiert zu werden. Es ist einfach, das zu vergessen, wenn man selbst aus dem Haus gehen kann und nicht Scheiße fressen muss, weil man ist wie man ist. Für andere Menschen ist das weniger problemlos. Und das ist schändlich. Warum lässt man Menschen nicht ihr Leben leben, wie sie es möchten?

Sie treten im vermeintlich homophoben Osteuropa mitunter vor 20.000 Leuten auf. Wie haben Ihre Fans dort auf das Statement für mehr Toleranz reagiert?
Theo Hutchcraft: Großartig! Da gab es nicht eine negative Reaktion. Ich denke, da existiert auch ein Missverständnis! In den meisten osteuropäischen Ländern sind die jungen Leute sehr aufgeschlossen. Und in Großbritannien und Deutschland sind wiederum auch nicht alle liberal. Diese Art des Mobbing passiert also überall auf der Welt: in London und Berlin genauso wie in Moskau. Es ist nicht an bestimmte Länder gebunden.

Hurts sind wieder da: Das große Interview zum neuen Album
Foto: Bryan Adams

Am Anfang haben die Hurts die Mädchen beeindruckt, nun auch in der Schwulenszene.
Theo Hutchcraft: (lacht) Wir hatten immer viele Fans in der LGBT-Community. Sie sorgen bei unseren Konzerten für die Party-Atmosphäre. Viele unserer Fans sind Außenseiter der Gesellschaft. Es sind sehr schöne Menschen, die auf ihre Art einzigartig oder anders sind. Wir sind unglaublich stolz, sie als Fans zu haben. Und die LGBT-Community ist quasi der verlängerte Arm von ihnen. Es ist großartig, dass der Song in der Szene so viel bewirken konnte.

Hollywoodfilm mit Sharon Stone

Sie sehen übrigens auch als Frau sehr gut aus, Theo. Adam, wäre er Ihr Typ?
Adam Anderson: Darüber muss ich noch mal nachdenken. Theo und ich sind jetzt seit zwölf Jahren befreundet. Es ist zumindest die längste Beziehung, die ich jemals hatte.
Theo Hutchcraft: Adam steht eigentlich eher auf Mädels mit dunklem Haar. Macht ja nichts. Aber für unseren Manager Matt war es hart, dass ich so unglaublich sexy aussah. Ich sah ja nicht mehr wie Theo aus, sondern mit Make-up dann wirklich wie eine Frau. Ich weiß noch, dass ich mich jedes Mal erschrocken habe, wenn ich am Spiegel vorbeiging. Denn ich hatte oftmals vergessen, wie anders ich aussah. Aber es hat Spaß gemacht.

Hat Ihr Kumpel Bryan Adams Sie dazu inspiriert, für Ihr Video auch mal selbst Regie zu führen?
Theo Hutchcraft: Ach, nein, er ist einfach nur ein guter Freund. Er hat Fotos von mir für sein Magazin gemacht und Regie geführt für unseren Clip zu „Wish“ vom letzten Album. Wir waren immer schon sehr in unsere Videos involviert. Da ist es nur logisch, dass der Lernprozess darin mündet, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das ist zwar ein mutiger Schritt nach vorne. Aber die Idee war schon so geformt in meinem Kopf – Szene für Szene. Und gerade bei diesem sensiblen Thema war es wichtig, genau den richtigen Ton zu treffen. Also habe ich es gleich selbst gemacht.

Haben Sie sich mit Ihrem Schauspiel für Hollywood empfohlen?
Theo Hutchcraft: Na ja, in den Videos bleib ich stumm, da gibt es keinen Dialog, du spielst einfach. Und du verwendest dann einfach nur die besten Szenen. Im Film hast du manchmal nur eine Chance – dafür muss dann alles sitzen. Film ist also viel schwieriger.

Sie spielen in dem Hollywood-Streifen „A Little Something For Your Birthday“ mit Sharon Stone mit, der im nächsten Jahr in die Kinos kommt. Wie kam es dazu?
Theo Hutchcraft: Ich habe Sharon bei einer Dinner-Party in Los Angeles kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb prächtig verstanden und wurden Freunde. Sie erzählte mir, dass sie selbst gerne Musik schreibt, was ich gar nicht wusste. Ich besuchte sie in ihrem Haus, um einen Song mit ihr am Piano zu schreiben. Als wir fertig waren, kamen ihre Freunde vorbei, und eine davon war die Regisseurin Susan Walter, in deren Film sie aktuell mitspielte. Ich spielte ihren Freunden unseren Song vor, was witzig war, aber auch ziemlich peinlich. Und plötzlich fragte mich Susan, ob ich nicht nächste Woche vorbeikommen will, um in ihrem Film mitzuspielen. „Sei einfach du selbst“, sagte sie. Da konnte ich nicht nein sagen. Ich musste dann den Liebhaber von Sharon spielen, ich lag also die ganze Zeit im Bett mit ihr. (lacht)

Haben Sie sie nackt gesehen?
Theo Hutchcraft: Klar, aber haben wir das nicht alle? (lacht) Es hat Spaß gemacht. Am Set haben mich alle sehr unterstützt. Ich musste mir auch keinen anderen Akzent zulegen und so tun, als wäre ich Amerikaner. Das hat es einfacher gemacht.

Hurts gehen auf Tournee

Hurts auf „Desire“-Tour:
14.11.17 Hamburg, Mehr! Theater
15.11.17 Berlin, UFO im Velodrom
27.11. 17 Wien, Gasometer
03.12.17 München, TonHalle
04.12.17 Köln, Palladium