Samstag, 07. Oktober 2017, 12:56 Uhr

Der Fall Harvey Weinstein: Warum schweigen die Hollywood-Elite-Ladies?

Harvey Weinstein (65) gehört zweifelsfrei zu den Dinosauriern in Hollywood. Bereits in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Gerüchte darüber, dass der Regisseur und Mega-Produzent Frauen sexuell belästigt haben soll (wir berichteten).

Der Fall Harvey Weinstein: Warum schweigen die Hollywood-Elite-Ladies?
Foto: KIKA/WENN.com

Doch nun wird es erneut ernst für den Hollywood-Mogul. Schauspielerin Ashley Judd machte jetzt laut ‚Daily Mail‘ in der ‚New York Times‘ öffentlich, dass er sie immer wieder mit sexuellen Sprüchen und Anmachen belästigt haben soll. Unter anderem soll er sie gefragt haben, ob sie ihn nackt massieren würde. Die Schauspielerin soll ihn nun sogar verklagt haben – wegen sexueller Belästigung.

Ashley Judd allein – Hollywood-Elite schweigt

Unterstützung anderer Hollywood-Stars kann Judd allerdings bislang nicht erwarten. Stars wie Meryl Streep, Nicole Kidman und Gwyneth Paltrow, die alle Oscars erhielten für ihre Rollen in Weinstein-Filmen stehen hinter „ihrem“ Regisseur und wollten sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der einflussreiche Hollywood-Produzent hatte sich in einer öffentlichen Erklärung am Donnerstag für sein Verhalten gegenüber seinen Kolleginnen entschuldigt. Er würde eine Therapie machen und sich erst einmal eine Auszeit nehmen. Er wolle „seine Dämonen in den Griff bekommen“. Die Vorwürfe Ashley Judds dementierte er allerdings.

„New York Times“ steht zu Behauptungen

Weinstein will sich gegen einen Bericht der „New York Times“ über angebliche sexuelle Belästigungen zur Wehr setzen. Der Artikel sei voller „falscher und verleumderischer“ Angaben, basiere hauptsächlich auf Gerüchten und Fehlinformationen, hieß es in einer Erklärung von Weinsteins Anwalts Charles J. Harder. Wie Harder der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag (Ortszeit) weiter mitteilte, will der Filmmogul gerichtlich gegen das renommierte Blatt vorgehen. Eine Sprecherin der „New York Times“ teilte mit, die Zeitung stehe zu ihrer Berichterstattung.

Der am Donnerstag veröffentlichte Artikel beruft sich auf Schauspielerinnen und frühere Mitarbeiterinnen des Moguls die dem Produzenten vorwerfen, sie sexuell belästigt zu haben. Der „New York Times“ zufolge soll Weinstein sich mit mindestens acht Frauen außergerichtlich auf Entschädigungen geeinigt haben.

Weinstein taucht erstmal ab

Weinstein ist inzwischen auf unbestimmte Zeit verreist und mache erst einmal Urlaub, teilte sein Management mit. Sein Bruder Bob Weinstein, der auch im Vorstand der Produktionsfirma sitzt, erklärte, dass Harvey dringend „professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müsste“. Er hätte das Unternehmen vorerst auf unbestimmte Zeit verlassen. Unklar sei, wie lange er wegbleiben würde. Die nächsten Schritte seien aber „sein therapeutischer Fortschritt, Untersuchungen der Vorwürfe und seine eigenen persönlichen Entscheidungen“. Zwischenzeitlich wurde der Verdacht laut, dass Bob Weinstein es selbst gewesen sei, der die brisanten Informationen an die „New York Times“ gegeben hätte und so den Skandal um seinen Bruder auslöste. Doch ist dem wirklich so?

Zu den Frauen, die bisher ausgepackt haben, gehört auch Schauspielerin Rose McGowan. Die bekam nämlich angeblich eine Summe von 100.000 Dollar nach einem Übergriff Mitte der 90er Jahre. Nun empörte sich McGowan öfentlich darüber, dass sich die Grand Damen Hollywoods, die sich normalerweise für die Rechte von Frauen einsetzen, sie ermutigen und unterstützen wollen, nichts zu sagen haben. Auf Twitter schrieb sie: „Ja, Ladys von Hollywood, wo seid ihr?“ Und: „Euer Schweigen ist beschämend.“

Bei Trump gingen sie noch auf die Barrikaden

Statt auf der Seite ihrer Kolleginnen zu stehen, gaben Kidman, Streep und Paltrow in den letzten Tagen noch Interviews, in denen sie Weinstein euphorisch für seine Arbeit lobten. Die Tatsache, dass Nicole Kidman sich dem anschließt, scheint sehr ironisch zu wirken. Schließlich setzt sich die Schauspielerin seit Jahren für die Opfer von Missbrauch ein.

Stumm gegenüber den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein blieben unter anderem auch: Kate Hudson, Julianne Moore, Renee Zellweger, Angelina Jolie, Salma Hayek, Penelope Cruz und Uma Thurman. Als US-Präsident Donald Trump damals sexuelle Anspielungen gegen Frauen machte, ging nämlich die weibliche Hollywood-Elite fast geschlossen auf die Barrikaden. Dieses Mal herrscht seltsame Stille. Möglicherweise verbieten aber auch Vertragsklauseln, dass die Schauspielerinnen verraten, was wirklich hinter den Kulissen des Weinstein-Imperiums auf privater Ebene ablief.

Neue Missbrauchsvorwürfe

Einige Schauspielerinnen – nicht ganz aus der A-Liga – machten ihrem Ärger dann doch Luft über die sozialen Netzwerke und zeigen Schauspielerin Ashley Judd, dass sie sie unterstützen. Darunter Patricia Arquette (Foto oben) oder Amber Tamblyn. Letztere schrieb auf Twitter: „Steht Ashley Judd bei. Was sie tut ist schmerzvoll, aber triumphal.“

Nun tauchen immer mehr Missbrauchsvorwürfe gegen den Produzenten auf. Immer mehr Details kommen nun offenbar ans Licht. Einige davon veröffentlichte jetzt die „Huffington Post“. Unter anderem soll er eine Journalistin gewaltsam dazu gezwungen haben, ihm beim Masturbieren zuzusehen.

Eine andere Journalistin erzählte der „HuffPost“, dass Weinstein sie damals in einen Club eingeladen hätte. Dann sei er mit ihr in der dortige Küche verschwunden und hätte angeblich versucht sie zu küssen. Als sie sich wehrte, hätte er gesagt: „Gut, dann bleibt hier stehen und halt die Klappe“. Den Rest ersparen wir uns hier. (S/dpa)

Harvey Weinstein: Seine 10 bekanntesten Produktionen

Pulp Fiction (1994)
Der englische Patient (1996)
Good Will Hunting (1997)
Shakespeare In Love (1998)
Scary Movie (2000)
Gangs Of New York (2002)
Aviator (2004)
Sin City (2005)
The Kings Speech (2011)
Django Unchained (2012)