Mittwoch, 11. Oktober 2017, 20:36 Uhr

Hippie-Gepardenmann Matto Barfuss über seinen Kinofilm "Maleika"

Der Tierfilmer, Maler und Naturschützer Matto Barfuss (47) hat früher viele Monate mit Geparden in Afrika gelebt. Für seinen ersten Spielfilm „Maleika“, der ab Donnerstag im Kino läuft, nahm er vier Jahre die externe Kameraposition ein und erzählt in fantastischen Bildern die dramatische Geschichte einer Geparden-Mutter.

Hippie-Gepardenmann Matto Barfuss über seinen Kinofilm "Maleika"
Foto: Camino

Bei den Filmfestspielen in Cannes und in Los Angeles wird der Film auch gezeigt. klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers hat den Mann, der anmutet wie ein Hippie, gesprochen.

Wie geht es dem Star Ihres Films?
Sehr gut! Maleika wird dieses Jahr 15. Aber sie ist unglaublich fit dafür, dass sie jetzt eine Geparden-Oma ist. Man merkt das Alter allerdings an ihren unteren Reißzähnen, die ordentlich an Substanz verloren haben.

Leidet man da mit?
Ja, das war auch das Schwierige am Film. Maleika hatte sich während der Dreharbeiten schlimm verletzt und ein tiefes, schmerzendes Loch in der Brust. Sie hatte auch keinen Jagderfolg mehr und musste ihre fünf Babys alle zwei Stunden säugen. Wir waren uns fast sicher, dass sie das nicht überlebt. Auch für uns hinter der Kamera waren das Höllenqualen! Aber man darf nicht in die Natur eingreifen. Ich konnte nur hoffen, dass sie es aus eigener Kraft schafft.

Ein Tierfilm mit Spielfilmcharakter

Hat Sie dann ja auch.
Das ist das Tolle daran: Hätte ich vorher ein Drehbuch für den Film verfasst, dramatischer, emotionaler und schöner hätte ich es gar nicht schreiben können.

Aber Sie haben es drauf ankommen lassen?
Ich bin ein Freigeist. Ich wollte einen Film mit Spielfilmcharakter machen, wo die Natur die Regie führt. Durch die Stimme von Max Moor haben wir ein bisschen Disney-Stil mitreingebracht. Der Klassiker wäre gewesen: Gepardin kriegt Junge mit Happy End. Aber die Extremsituationen und der unglaubliche Kampf dieser Mutter, das hat mich tief beeindruckt. Die Quintessenz des Films ist daher: Egal, was auf dieser Welt passiert, es gibt keinen vernünftigen Grund aufzugeben.

Hippie-Gepardenmann Matto Barfuss über seinen Kinofilm "Maleika"
Foto: Camino

Wie sind Sie überhaupt auf Maleika gestoßen?
Ich habe viele Monate mit Geparden als Familie zusammen gelebt. Ich bin in den Busch zurückgegangen. Von der ersten Begegnung war da ein ganz vertrautes Verhältnis zwischen Maleika und mir, so dass ich das Gefühl hatte, sie könnte eine tolle Geschichte erzählen. Ein Print-Star beim Jagen war sie nämlich schon.

Maleika war meist ganz entspannt

Gab es auch Annährungen?
Wir waren vier Jahre mit ihr unterwegs, da lässt sich das nicht unterbinden. Wir haben anfangs immer versucht, wenn sie zu nah zu uns kam, wegzufahren. Das ging dann irgendwann nicht mehr. Maleika hat sich ab und zu aufs Filmauto gelegt. Manchmal schlief sie dann ein, und ihr Kopf fiel auf meinen Arm. Sie war dann einfach nur happy.

Wann ist ein Tierfilmer glücklich?
Wenn es dem Protagonisten gut geht. Wenn Maleika entspannt und zufrieden dalag, hat sich das auch auf mich übertragen. Der Zustand darf natürlich nicht zu lange andauern, sonst fehlen spannende Szenen. Aber ich bin ein sehr geduldiger Mensch, das war auch wichtig.

Hippie-Gepardenmann Matto Barfuss über seinen Kinofilm "Maleika"
Foto: Camino

Was ist Ihre Mission?
Etwas in den Köpfen der Menschen zu verändern! Wir haben u.a. eine Stiftung in Botswana. Wir haben ein Schulbuch entwickelt für afrikanische Kinder, damit sie ihre Tiere lieben und schützen lernen. Es gibt nur noch 7000 Geparden in der freien Natur. Wild Life ist mittlerweile eine sehr knappe Ressource auf der Erde.

Im Dezember geht es zurück zu Maleika

In dem Zusammenhang wird oft die Trophäenjagd thematisiert.
Aber die Hauptprobleme sind neben Lebensraumverlust und Straßenbau die Mensch-Tier-Konflikte! Wenn der Farmer sieht, der Löwe hat sein Rind gekillt, dann legt er Giftköder aus und tötet ganze Löwenrudel. Dabei gibt es Sichtschutzzäune, die das verhindern. Da setzen wir an, auch wenn es schwieriger ist, für Bildungsprojekte Spenden zu bekommen.

Hippie-Gepardenmann Matto Barfuss über seinen Kinofilm "Maleika"
Foto: AEDT/WENN.com

Sehen Sie Maleika wieder?
Im Dezember zu Maleika zurückzukehren, steht ganz oben auf meiner Weihnachtswunschliste. Ich habe ein Team vor Ort, die schicken mir ab und zu mal ein Bild von ihr, wenn sie sie sehen. Wo sie jetzt ein großer Filmstar ist, bringe ich ihr vielleicht mal einen Braten mit. Oder wir richten ihr gleich einen Altersruhesitz ein.

Haben Sie den besten Job der Welt?
Auf jeden Fall. Es ist immer mein Traum gewesen, Geschichten zu erzählen und diese vielen Menschen zugänglich zu machen. Allerdings geht das mit einem gewissen Frust einher, dass es Geschichten sind, die vielleicht irgendwann nicht mehr erzählt werden können.

Brauchen Sie vielleicht noch eine Praktikantin?
Da gibt es eine lange Warteliste! Vom Kofferträger bis zum Kameraassistent bewerben sich viele bei mir. Sogar ein Michelin-Koch würde gerne mal mitkommen und für uns kochen, aber das passende Umfeld dafür könnte ich ihm ja gar nicht bieten.

Hippie-Gepardenmann Matto Barfuss über seinen Kinofilm "Maleika"
Matto-Barfuss in der Premierenkulisse des Modelabels Marc Cain. Foto: Marc Cain.

Wer ist Matto Barfuss?

Regisseur Matto Barfuss ist der breiten Öffentlichkeit als der „Gepardenmann“ bekannt, lebte zwischen 1996 bis 2002 in Tansania über 25 Wochen lang mit einer wilden Gepardenfamilie zusammen. Er ist Fotograf, Maler, Autor und leidenschaftlicher Tierfilmer. Seine Berichte und Bildbände über die Zeit in der Wildnis machten ihn weltweit bekannt. Matto Barfuss ist UNESCO-Fotopreisträger, er ist UN-Botschafter für biologische Vielfalt und Tierschützer.
2013 sollte erneut ein Raubtier sein Leben verändern: Matto Barfuss traf auf die Gepardin Maleika, die im darauf folgenden Jahr sechs Jungen das Leben schenkte … ab sofort wich der Filmemacher nicht mehr von ihrer Seite.