Mittwoch, 25. Oktober 2017, 19:54 Uhr

Paul van Dyk im Interview: "Das war die schwerste Zeit meines Lebens"

Eineinhalb Jahre ist es her, dass Paul van Dyk bei einem Auftritt in Utrecht sechs Meter in die Tiefe stürzte: Ein Teil der Bühne war nicht solide abgesichert, sondern zu Dekozwecken bloß mit schwarzem Stoff überspannt.

Paul von Dyk im Interview: "Das war die schwerste Zeit meines Lebens"
Foto: Dirk Schaper

Der Berliner DJ zog sich einen doppelten Bruch der Wirbelsäule und ein Schädel-Hirn-Trauma zu, fiel ins Koma und saß nach dem Aufwachen mehrere Wochen im Rollstuhl. Essen, Laufen und Sprechen musste er neu lernen. Inzwischen steht der 45-Jährige wieder im Leben und veröffentlicht mit „From Then On“ sein erstes Album nach dem Unfall. Im Interview spricht er über schwere Zeiten und neue Lebensfreude. (Und weiter unten verlosen wir sein neue Album!)

Paul, mit welchen Gefühlen denken Sie heute an den Unfall zurück?
Das lässt sich so einfach nicht beantworten, denn es ist ja nicht vorbei, ich habe nach wie vor Schmerzen. Andererseits habe ich im Nachhinein viel Positives erfahren und Zuspruch von der Welt da draußen bekommen. All die Ärzte, Professoren, Krankenschwestern und das Pflegepersonal haben mir auf meinem Weg geholfen, aber am allerwichtigsten war natürlich meine Frau Margarita. Dank ihr hatte ich einen Grund zu kämpfen und nie aufzugeben.

Paul von Dyk im Interview: "Das war die schwerste Zeit meines Lebens"
Foto: Dirk Schaper

Anfangs ist er in Tränen ausgebrochen

Die Ärzte machten Ihnen anfangs nicht viel Hoffnung. Essen, Laufen und Sprechen mussten Sie neu lernen.
Das war hart. Ich bezeichne mich nicht als intellektuell, aber ich bin schon am großen Ganzen interessiert und versuche komplexe Zusammenhänge zu begreifen. Wenn man das plötzlich nicht mehr kann, wenn man sich nicht mehr artikulieren kann und Dinge, die einem vorher völlig klar waren, nicht mehr versteht, ist das zutiefst frustrierend.

Wie haben Sie sich zurück gekämpft?
Das ist eine Begrifflichkeit, die ich oft zu hören bekommen. Ich habe mich nicht zurück gekämpft. Wenn überhaupt bin ich mit Hilfe der Unterstützung, die ich erwähnte, und dank viel Physiotherapie langsam zurück gekrochen. Das war die schwerste Zeit meines Lebens.

Hat Ihnen Musik in dieser Zeit geholfen?
Erst mal gar nicht. Anfangs bin ich in Tränen ausgebrochen, wenn Margarita mir Musik vorgespielt hat. Vielleicht hatte ich unterbewusst Panik, dass das nicht mehr geht. Doch vier Monate nach dem Unfall hatte ich meinen ersten Auftritt. Das war zwar ambitioniert, aber genau die richtige Entscheidung. Ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, auf das man hinarbeitet, ist sehr wichtig. Kurz nach dem Konzert entstand dann der erste neue Song: „I Am Alive“.

Neues Album „From Then On“ ist da

Mit „From Then On“ erscheint nun Ihr erstes Album seit dem Unfall. Titel wie „I Am Alive“ spielen direkt auf den Unfall an, andererseits versprühen die Songs viel Liebe und Lebensfreude. Eine Art Thema?
Vielleicht unterbewusst. Um weiterzumachen, muss man sich auf die positiven Sachen konzentrieren. Wenn ich mir jeden Morgen das Horrorszenario von dem Unfall vorstelle, komme ich überhaupt nicht aus dem Bett. Für mich haben die Songs mit einem intensiveren Wahrnehmen von allem zu tun.

Paul von Dyk im Interview: "Das war die schwerste Zeit meines Lebens"

Leben Sie seit dem Unfall anders als vorher, bewusster?
Schon, ja. Zum Beispiel im menschlichen Miteinander. Ich verschwende meine Zeit nicht mehr mit Streitereien. Wenn dann bin ich kurz stinkig und sauer, drehe mich ein- bis zweimal um die eigene Achse und dann ist wieder gut. Oder auch, was die Arbeit betrifft: Ich bin zwar immer noch ein Workaholic bin, aber ich nehme mir die Auszeiten, die ich brauche. Ich werde oft gefragt, ob es sich leichter lebt, wenn man so etwas Schlimmes erlebt hat. Aber das ist ehrlich gesagt nicht so. Dir wird eher klar, wie schnell es gehen kann.

Sie haben im März dieses Jahres geheiratet. Waren Sie eigentlich schon verlobt, oder haben Sie nach dem Unfall beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen?
Wir waren vorher schon verlobt. An dem Montag nach dem Unfall wollten wir das eigentlich verkünden. Jetzt fand die Hochzeit halt ein Jahr später als geplant statt, aber es war trotzdem toll. Wir haben auf einer Festung in Cartagena gefeiert, mit ganz vielen Freunden.

Für die Veröffentlichung Ihres Albums sind Sie nun eine Kooperation mit der Automarke KIA eingegangen. Wie wichtig ist es als Künstler heutzutage, sich solchen Deals zu öffnen?
Wenn ich den Preis für meine Bühnenproduktion eins zu eins auf die Tickets umschlagen würde, könnten manche Fans sie wahrscheinlich nicht mehr bezahlen. Durch Sponsoring und finanzielles Engagement von Unternehmen ist es mir möglich, meine Kunst noch mal ganz anders darzubieten. Bei der KIA Kampagne fand ich die ganze Herangehensweise einfach super, ich musste mich da nie verbiegen. Es ging immer darum, mich in den Clips authentisch dazustellen. (Interview: Nadine Wenzlick)

klatsch-tratsch.de verlost 3 Alben von Paul van Dyk

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