Freitag, 27. Oktober 2017, 22:29 Uhr

John Boyega über seine Rolle im Kriegsdrama "Detroit"

Kathryn Bigelow ist eine der visionärsten und intelligentesten Thriller- und Action-Regisseurinnen unserer Zeit. Ihre Filme sind so hautnah an den Ereignissen, dass dem Zuschauer der Atem stockt: Die Ex von James Cameron erzählt Geschichten, die bewegen, erschüttern, nachdenklich machen – und vor allem in jeder Hinsicht fesseln.

John Boyega über seine Rolle im Kriegsdrama "Detroit"
Foto: Concorde Filmverleih

Mit ihren letzten beiden Filmen „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (6 Oscars u.a. für „Bester Film“ und „Beste Regie“) und „Zero Dark Thirty“ (5 Oscar-Nominierungen) fühlte sie unserer politischen Gegenwart auf den Zahn, mit ihrem neuen Bürgerkriegsdrama „Detroit“ begibt sie sich nun auf historisches Terrain, das zwar Jahrzehnte zurückliegt, aber dennoch bestürzende Parallelen zu unserer Gegenwart erkennen lässt.

Unterstützt von einem erstklassigen Ensemble versetzt uns Bigelow in ihrem neuen, im Dokumentarstil gedrehten Film zurück in den Sommer des Jahres 1967 und damit in den brodelnden Kessel der Bürgerunruhen, die damals die titelgebende Stadt vor eine Zerreißprobe stellten.

John Boyega spielt einen Wachmann

Für die Rolle des Melvin Dismukes – eines Wachmanns, der einen kleinen Lebensmittelladen vor Plünderern bewachen soll und eher zufällig in die Vorgänge im Algiers Motel verwickelt wird – wählte Bigelow den britischen Shootingstar John Boyega, den das Publikum natürlich vor allem als Finn aus den neuen Star-Wars-Filmen kennt.

„Melvin Dismukes ist eine interessante Figur“, meint der Schauspieler. „Ein anständiger Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Er ging zum Algiers Motel, um dort unaufgefordert eine Art Beschützer für diese jungen Männer zu sein. Er dachte, dass seine Anwesenheit dort etwas Gutes bewirken könnte, doch letztlich machte er sich trotz seiner guten Absichten schuldig, nicht nur in den Augen der Justiz, sondern auch in denen seiner Community.“

John Boyega über seine Rolle im Kriegsdrama "Detroit"
Foto: Concorde Filmverleih

Ein Zeitzeuge von damals stand als Berater zur Seite

Genau wie Schauspielkollege Algee Smith (der Larry Reed spielt, den Sänger der aufstrebenden R&B-Gruppe The Dramatics), begeisterte sich auch Boyega schnell für Bigelows Ansatz, diese Geschichte umzusetzen und zu drehen.

„Durch die Eindringlichkeit der Geschichte und die Sorgfalt und den Respekt, den alle Beteiligten ihr entgegenbrachten, war für uns jeder einzelne Take von Bedeutung“, sagt er. „Das war so von dem Moment an, an dem wir erstmals das Set betraten, bis zur allerletzten Einstellung. Die Geschichte verfolgte uns sogar bis nach Hause.“

John Boyega über seine Rolle im Kriegsdrama "Detroit"
Foto: Concorde Filmverleih

Auch Boyega traf den Mann, den er auf der Leinwand verkörpert. Die Begegnung mit Melvin Dismukes, der genau wie andere Überlebende dem Film als Berater zur Seite stand, war für den Schauspieler etwas ganz Besonderes. „Ich hatte zuvor noch nie eine reale Person gespielt“, sagt Boyega. „Melvin hat sehr ausführlich und eindringlich von seinen Erfahrungen berichtet. Er ließ mich teilhaben an seinen Gefühlen damals, daran, wie er in welchen Situationen reagierte und welche inneren Widersprüche er erlebte. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie er sich falsch wahrgenommen fühlt, sowohl von der Justiz als auch von seinen eigenen Leuten. Er ist ein Mann, der vor eine Aufgabe gestellt wurde, der er eigentlich nicht gewachsen war, wofür er am Ende verurteilt wurde.“

Kinostart ist am 23. November 2017.