Mittwoch, 01. November 2017, 22:50 Uhr

Prada Meinhoff: Elektrische Chansons aus Berlin

Elektrische Chansons, Punk-Attitüde, noch Drama, Schnaps-Schorle, Synapsen in Flammen. Dieses Duo aus Berlin stellt nicht nur Tanzflächen auf den Kopf.

Prada Meinhoff: Elektrische Chansons aus Berlin
Foto: Christoph Neumann

Die Hauptstadt hat mal wieder einen überaus spannenden neuen Act hervorgebracht! Das Duo Prada Meinhoff machte bereits durch explosive Liveshows (u.a. mit Peaches und DAF) sowie der ersten Single „Maske“ von sich reden.

Hinter dem attraktionsbeladenen Erstkontakt verbirgt sich bei Prada Meinhoff ein Act, der es bei allem Feuerwerk nie nötig hat, sich mühsam interessant zu machen – sondern der tatsächlich genau das einlöst, wofür Pop einfach viel zu selten steht: Ekstase, Phantasie und Abriss. Mund auf, Augen zu!

Christin Nichols singt, ihre Performance ist eine Mischung aus Inszenierung und Intuition. René Riewer spielt dazu elektrischen Bass, während Beats den Raum füllen. Viel Schweiß, viel Euphorie, darum geht es – und wenn man es sieht und hört, kann man sich kaum vorstellen, dass das alles Mal ganz harmlos angefangen haben soll. Und doch ist es wahr.

Multikulturelle Wurzeln

So Berlin ein Act wie Prada Meinhoff wirken mag, so wenig urban beginnt diese Geschichte. Christin ist halb britisch, halb deutsch, wuchs auf in Spanien, in Norddeutschland machte sie die Schule fertig, für René kam es sogar noch ländlicher, von der Eifel zog es ihn erstmal ins betuliche Mannheim. Die haltlose Zeit in der Provinz prägt, doch es ist ihre Begegnung in Berlin, die das Match perfekt machen wird, oder wie es bei René heißt: „Chrissi bringt den Vibe, die Story, das Feuer, um meine musikalische Rakete zu zünden – klingt irgendwie versaut, egal, ist es ja auch.“

Gemeinsam liefern Prada Meinhoff ein Pulverfass aus Zeichen. Hier ist einfach so viel drin, diese Band läuft über. Man hat Bock, an Joan Jett zu denken, an Karen O von den Yeah Yeah Yeahs, an DAF, an eine wilde Nacht im Club, an Brecht, Wilhelm Busch und Donkey Kong – oder man kommt einfach zu dem Schluss: die Eurythmics sind wohl komplett verrückt geworden.

Prada Meinhoff: Elektrische Chansons aus Berlin
Foto: Christoph Neumann

Und live? Sind Prada Meinhoff als Support von Peaches, Fisher- Z oder DAF in großen Hallen anzutreffen, die sie gleichermaßen zum tanzen bringen und für sich vereinnahmen wie das Publikum in der Volksbühne, oder an der Kneipe in der Ecke. Die Band Milliarden, mit denen Prada Meinhoff auf Tour waren, bestätigt das übrigens. Und die Crew der TV Show SWR Late Night auch.
„Express“ ist die zweite Single die nach „Maske“ auf Freudenhaus Recordings erscheint.

Die Nacht ist fast vorbei, der Abend darf nicht aufhören und die Reste des Exzess sind allgegenwärtig. Die Verwundbarkeit am „morgen danach“, die Lichter die angehen und der Mensch, der sich nicht mehr verstecken kann. Mit „Express“ schaffen Prada Meinhoff ein kleines Stück Sehnsucht, in leiseren Tönen als sein Vorgänger, und dennoch nicht minder treibend und in ihrem ganz eigenen Sound aus Renes Bass, Synth und Chrissis Gesang.

Wichtig ist allerdings wie schon erwähnt, dass das Vordergründige niemals Selbstzweck bleibt. Es gibt trotz des unmittelbaren Look and Feel, das diesen Act ausmacht, immer auch eine zweite Ebene. Wer will, ist eingeladen, hier mehr zu finden als atemlosen Hedonismus. Prada Meinhoff muss man erlebt haben. Einzige Ausrede: Man ist bereits tot. Dann ist man entschuldigt. Der Rest ist allerdings eingeladen, mit diesen beiden extraterrestrischen Vögeln die Mittelmäßigkeit abzuschaffen. Come as you are.

Aktuelle Tourtermine:
11.11. Hamburg – Markthalle (mit DAF)
05.12. Dresden – Ostpol (mit Barrenstein)
06.12. München – Orangehouse (mit Barrenstein)