Donnerstag, 02. November 2017, 17:28 Uhr

"Der Nobelpreisträger": Kino-Satire mit schwarzem Humor

Zum ersten Mal seit 40 Jahren kehrt der Literaturnobelpreisträger Daniel Mantovani in seinen Heimatort in der argentinischen Provinz zurück, um die Ehrenbürgerwürde anzunehmen. Doch was als nostalgische Reise an die Quelle seiner literarischen Inspiration beginnt, wird für den berühmten Autor bald zum allzu realen Höllentrip.

"Der Nobelpreisträger": Kino-Satire mit schwarzem Humor
Foto: CineGlobal

Mit Erfolg und Ruhm verändert sich das Leben für viele Menschen deutlich. Oft ziehen sie auch von ihrem Heimatort weg, haben sie doch nur noch wenig Bezug zu dem Alltag dort. Ähnlich ist es auch in der bereits mehrfach ausgezeichneten Tragikomödie „Der Nobelpreisträger“.

Darin kehrt ein gefeierter Autor nach langjähriger Abwesenheit endlich wieder in eine argentinische Kleinstadt zurück – doch die Freude schlägt bald in Aggressionen und Wut um.

Foto: CineGlobal
Foto: CineGlobal

Daniel Mantovani ist einer der größten Autoren seiner Zeit. Als Gewinner des Literaturnobelpreises ist er international berühmt. Kein Wunder, dass die Freude seiner Verehrer in der Heimat groß ist, als es ihnen gelingt, den Star für eine Preisverleihung nach Hause zu holen. Doch das geht von Anfang an schief: Zuerst bleibt das Auto des Schriftstellers irgendwo in der Pampa liegen und er muss zu Fuß weiterlaufen.

Pointierte Dialoge

Vor allem aber empfangen nicht alle den erfolgsverwöhnten Mann mit offenen Armen – immerhin verarbeitete Daniel in seinen Werken auch gern Erlebnisse aus seiner Heimatstadt und offenbarte dabei Schwächen seiner einstigen Nachbarn. Dass genau dieser Mann nun mit allen Ehren willkommen geheißen und auch noch einen Preis überreicht bekommen soll, gefällt daher vielen nicht. Und als dann noch eine junge Frau in seinem Bett landet, eskaliert die Situation richtig.

"Der Nobelpreisträger": Kino-Satire mit schwarzem Humor
Foto: CineGlobal

„Der Nobelpreisträger“ unterhält dabei mit viel schwarzem Humor und pointierten Dialogen. Die Regisseure Mariano Cohn und Gastón Duprat kreieren eine bitterböse Satire auf den Kulturbetrieb und den Umgang mit Prominenten. Besonders aber überzeugt in der Hauptrolle Oscar Martínez, der für seine Leistung beim Filmfestival Venedig 2016 auch schon als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Wie schon in dem gefeierten Film „Wild Tales“ verkörpert er seine Figur hier so nuanciert und mit einer solch passenden Mischung aus kluger Bourgeoisie und unsympathischem Opportunisten, dass es ein Vergnügen ist, ihm bei dieser Tour de Force zuzuschauen. (Aliki Nassoufis, dpa)