Samstag, 04. November 2017, 9:17 Uhr

Regisseur verteidigt Dustin Hoffman: "Er ist kein Raubtier"

Nachdem vor wenigen Tagen auch Dustin Hoffman zugab, Frauen sexuell belästigt zu haben (wir berichteten), äußerte sich nun auch der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff („Death of a Salesman“) in einer schriftlichen privaten Erklärung zu den Vorwürfen gegen den Schauspieler. „Dustin Hoffman ein Raubtier zu nennen, geht einfach zu weit“.

Regisseur verteidigt Dustin Hoffman: "Er ist kein Raubtier"
Foto:Becher/WENN.com

Hoffman soll 1985 die damals erst 17-jährige Anna Graham Hunter am Set des Films ‚Tod eines Handlungsreisenden‘ massiv mit sexuellen Anspielungen und anmaßenden Sprüchen belästigt haben. Schlondorff verteidigt den Hollywood-Star allerdings in einem aktuellen Statement. Er behauptet sogar, dass die Frau das Verhalten des Schauspielers falsch gedeutet hätte.

Running Gag am Set zur Begrüßung

„Damals war die Standardfrage, wenn man morgens ans Set kam: „Hattest du am Wochenende guten Sex?“ berichtete Schlondorff in einer Erklärung. „Ein Scherz, ein Running Gag, über den alle gelacht haben.“ Hunter gestand die erschreckenden Details ihrer Zeit am Set in ihrer eigenen Kolumne im „Hollywood Reporter“. Darin gestand sie auch, dass sie dem Schauspieler angeblich öfters eine Fußmassage geben musste, so wie auch andere Frauen am Set. Schlondorff sagte dazu: „Jeder hat ihm ab und zu eine Fußmassage gegeben, mittem im Chaos. Daran war doch nichts Zweideutiges!“ Hoffman sei „täglich 16 Stunden am Set und deswegen natürlich müde gewesen“.

Der Schauspieler soll Hunter auch an den Hintern gegrapscht haben. Auch dazu äußerte sich Schlondorff mit verteidigenden Worten. „Kann sein, dass er ihr auf dem Weg zum Auto mit lauter Managern, Fahrern und Securityleuten drumherum, einen Klaps auf den Hintern gegeben hat, aber eher auf eine lustige Art und Weise, nicht mit Hintergedanken. Er war ein Clown.“ Und der Regisseur setzt sich noch vehementer für den Schauspieler ein. „Er hat die jungen, nervösen Praktikantinnen geneckt, meistens um sie am Set zu integrieren, um sie im Team derjenigen aufzunehmen, die schon lange dabei waren.“

Hunter spielte selbst gerne Spielchen

Anna Graham Hunter soll sehr selbstbewusst gewesen sein und soll außerdem gerne Spielchen gespielt haben, so Schlondorff. „Innerlich muss sie eigentlich gewusst haben, dass seine Neckereien sie nicht herabsetzen sollten, sondern sie zwischen den ganzen Berühmtheiten einfach entspannter sein sollte.“ Laut Schlondorff hätte Hoffman so etwas nie getan, wenn er gewusst hätte, wie sehr es die junge Frau aufregte. „Er war und ist da einfach nicht so sensibel.“

Hoffman gab am Mittwoch zu, dass er möglicherweise falsch gehandelt hätte gegenüber Anna Graham Hunter. „Ich habe den größten Respekt vor Frauen und fühle mich schrecklich, dass alles was ich getan habe, sie in eine unangenehme Situation gebracht habe. Es tut mir leid.“

Ob sich Regisseur Volker Schlondorff inmitten des Hollywood-Sex-Skandals einen Gefallen getan hat, sich auf die Seite des Schauspielers zu schlagen, bleibt abzuwarten. Seit Wochen melden sich immer mehr Frauen, die zugeben, von Schauspielern, Regisseuren und Produzenten sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt worden zu sein. (SV)