Montag, 06. November 2017, 15:08 Uhr

"Die schützende Hand" mit Tom Wlaschiha: Ein Fest für Verschwörungstheoretiker!

In dem ZDF-Krimi heute Abend um 20.15 Uhr geht es um die beiden NSU-Mörder Mundlos und Böhnhardt. Die erschossen sich selbst. So lautet jedenfalls die offizielle Version. Absurd, sagen Insider. Für Verschwörungsfanatiker öffnet der Film wieder mal Tür und Tor!

"Die schützende Hand" mit Tom Wlaschiha: Ein Fest für Verschwörungstheoretiker!
Dengler (Ronald Zehrfeld), Marius Brauer (Tom Wlaschiha). Foto: ZDF/ Julia Terjung

Detektiv Dengler braucht die in Amsterdam untergetauchte Hacker-Aktivistin Olga Illiescu, um an entscheidende NSU-Akten auf dem Server des BKA zu kommen.

Zum dritten Mal spielt Ronald Zehrfeld den eigenwilligen Detektiv Georg Dengler. Diesmal führt ihn ein gefährlicher Auftrag tief hinein in den deutschen Rechtsterrorismus. Sie sind schon ein ungewöhnliches Pärchen in der deutschen Krimilandschaft: Der Ex-Polizist und Privatdetektiv Georg Dengler (Ronald Zehrfeld) und die Hacker-Aktivistin Olga Illiescu (Birgit Minichmayr) passen so gar nicht ins Schema der oft glatt gebügelten TV-Ermittler.

Am Rande der Legalität

Der bullige Einzelgänger Dengler agiert gern einmal am Rande der Legalität, und seine Freundin Olga wird wegen ihrer Hacker-Aktivitäten sogar polizeilich gesucht und ist in Amsterdam untergetaucht.

Dort beginnt der dritte Fall dieses unkonventionellen Duos, das nicht unbedingt um die Sympathien der Zuschauer buhlt. Trotzdem sahen den letzten „Dengler“-Film vor einem Jahr immerhin 5,06 Millionen Menschen (15,2 Prozent Marktanteil). In dem neuen, hochkarätig besetzten Thriller „Dengler – Die schützende Hand“ führt die Reise für den impulsiven Ex-Bullen und die kühl-analytische Computerexpertin mitten hinein in den jüngsten deutschen Rechtsterrorismus.

Dengler hat von einer unbekannten Person den Auftrag erhalten, die nur mangelhaft aufgeklärten Selbstmorde der NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neu aufzurollen und etliche Widersprüche und Ungereimtheiten zu untersuchen. Olga ist entsetzt: „Denkst Du ernsthaft, dass ich Dir bei einem solchen Kack helfe“, kontert sie genervt, aber lässt sich dann doch auf die gefährlichen Ermittlungen ein.

"Die schützende Hand" mit Tom Wlaschiha: Ein Fest für Verschwörungstheoretiker!
Dr. Schweikert (Jürgen Prochnow), Dengler (Ronald Zehrfeld). Foto: ZDF/ Julia Terjung

Pannen und Versäumnisse

Zunächst kontaktiert Dengler seinen Ex-Chef Dr. Schweikert (Jürgen Prochnow), dann bekommt er vor Ort in Thüringen Hilfe von dem jungen LKA-Mann Marius Brauer (Sahneschnittchen Tom Wlaschiha, „Game of Thrones“). Die beiden inspizieren den Tatort in Eisenach und fragen sich, warum die Spuren am Wohnmobil der Terroristen kriminaltechnisch nicht gesichert wurden. Die schier endlose Reihe der Pannen und Versäumnisse führt Dengler zu den Polizeibossen und grauen Eminenzen Müller (Rainer Bock) und Jäger (Leonard Lansink), die gemeinsam alles tun, um die Ermittlungen Denglers zu behindern. Selbst vor Gewalt schrecken sie nicht zurück.

"Die schützende Hand" mit Tom Wlaschiha: Ein Fest für Verschwörungstheoretiker!
Hackerin Olga (Birgit Minichmayr) wurde aufgegriffen und festgenommen. Kann Dengler sie befreien? Foto: ZDF/ Julia Terjung

„Dengler“-Regisseur und Grimmepreisträger Lars Kraume („Guten Morgen, Herr Grothe“; „Der Staat gegen Fritz Bauer“) stellt glücklicherweise keine unhaltbaren Hypothesen auf, sondern entfaltet ein temporeiches Lehrstück über Polizeiarbeit, Terrorismus, verdeckte Ermittler und falsche Hypothesen. Wieso waren die Polizeibehörden nach den ersten NSU-Morden jahrelang auf dem rechten Auge blind? Diese bis heute nicht ausreichend geklärte Frage stellt der sehenswerte Film zurecht.

Auch der neue „Dengler“-Fall basiert wieder auf einem Kriminalroman des Autors Wolfgang Schorlau, dem schon wiederholt vorgeworfen wurde, dass er in seinen Büchern Fakten und Fiktion unzulässig vermische. Zudem kann man sich die Frage stellen, ob die Schicksale der NSU-Terroristen, die für eine Vielzahl von Morden aus niedrigsten Motiven verantwortlich sind, einen geeigneten Stoff für einen TV-Krimi darstellen. (Johannes von der Gathen, dpa)