Mittwoch, 08. November 2017, 22:15 Uhr

Filmkritik "Simpel": Tragikomödie mit David Kross und Frederick Lau

Vor zehn Jahren gelang der französischen Autorin Marie-Aude Murail mit „Simpel“ ein Riesenerfolg. Jetzt kommt die Geschichte zweier ungleicher Brüder mit David Kross und Frederick Lau in die Kinos.

Filmkritik "Simpel": Tragikomödie mit David Kross und Frederick Lau
Foto: Universum Film

Schauspieler David Kross ist Herausforderungen gewöhnt. Seit seiner Hauptrolle in „Der Vorleser“ neben Schauspielstar Kate Winslet kennt man ihn sogar in Hollywood. Doch die Rolle des geistig behinderten Barnabas, genannt Simpel, nach dem gleichnamigen Roman der französischen Autorin Marie-Aude Murail, war auch für den 27-Jährigen, der in Bargteheide bei Hamburg aufwuchs, etwas Besonderes. „Simpel sieht die Welt ganz anders, ist wahnsinnig offen für alles; er geht offen auf die Leute zu und ist sich seiner Außenwirkung nicht bewusst“, erklärt Kross die Faszination für diese Rolle.

Geistig stehengeblieben

Der 22 Jahre alte Simpel ist wegen Geburtskomplikationen geistig auf dem Stand eines dreijährigen Kindes geblieben. Zusammen mit seinem älteren Bruder Ben (Frederick Lau), der sich liebevoll um ihn kümmert und seiner Mutter (Anneke Kim Sarnau) lebt er in einem Dorf in Norddeutschland direkt hinterm Deich.

Die beschauliche Idylle wird je zerstört, als die Mutter unerwartet stirbt und Simpel in ein Heim eingewiesen werden soll. Die einzige Person, die das verhindern kann, ist der Vater (Devid Striesow), zu dem die beiden seit langem keinen Kontakt mehr haben. Es beginnt eine abenteuerliche Odyssee in die Großstadt Hamburg, die die beiden auf eine harte Probe stellt.

Mit viel Empathie und ohne falsches Pathos erzählt Regisseur Markus Goller („Friendship“) die ungewöhnliche (Liebes-)Geschichte der ungleichen Brüder. Bei David Kross ist Simpel ein herzensguter Mensch, der den Augenblick genießt und bei einem Ausflug ins Watt mit Unterhose und Moonboots „mit den Ureinwohnern“ tanzen will. Als seine Mutter stirbt, wünscht er ihr am Totenbett „Gute Verreisung“ und verspricht ihr, auf seinen Bruder aufzupassen. Sein großer Bruder Ben schwankt dagegen zwischen Verständnis und Verantwortungsbewusstsein – der Zuschauer spürt aber auch, wie ihn diese Aufgabe fast an den Rand der Verzweiflung führt.

Filmkritik "Simpel": Tragikomödie mit David Kross und Frederick Lau
Foto: Universum Film

Großartige Besetzung

Rückhalt erfahren die beiden von den Sanitätern Enzo (Axel Stein) und Aria (Emilia Schüle), die sie auf ihrem Weg nach Hamburg kennenlernen und mit denen sie so manches Abenteuer – samt abgebrannter Küche – erleben. Dort trifft Simpel auch auf die Prostituierte Chantal, die Annette Frier herrlich lakonisch spielt. Weniger Verständnis zeigt dagegen der Vater, der längst wieder eine neue Familie hat und der nie zu seinem behinderten Sohn stehen konnte. Am Ende des turbulenten Großstadtabenteuers steht Ben vor der wohl wichtigsten Entscheidung seines Lebens: Schaffen die beiden es, einander loszulassen, damit jeder sein eigenes Leben führen kann? (Carola Große-Wilde, dpa)

Filmkritik "Simpel": Tragikomödie mit David Kross und Frederick Lau
Foto: Universum Film

Simpel, Deutschland 2017, 113 Min., FSK ab 6, von Markus Goller, mit David Kross, Frederick Lau, Emilia Schüle, Devid Striesow