Mittwoch, 08. November 2017, 15:50 Uhr

"World Dog Show": 31.000 Hunde überrennen Leipzig

Leipzig wird diese Woche zum Zentrum des Hunde-Jetsets. Ehrgeizige Herrchen und Frauchen pilgern mit Tausenden Rassetieren nach Sachsen zu einem riesigen Wettbewerb, der World Dog Show. Mit im Tross: Hunde-Stylisten und professionelle Jury-Bezirzer.

"World Dog Show": 31.000 Hunde überrennen Leipzig
Vor dem Wettbewerb: Der Hund ruht sich auf einem Samtkissen aus. Foto: Sergei Ilnitsky

Wer mit seinem Rassehund hoch hinaus will, den trifft man mit ziemlicher Sicherheit diese Woche in Leipzig. Denn hier soll die entscheidende Frage geklärt werden: Wer ist der beste Hund der Welt? Und das gleich Hunderte Male: für je 280 Rassen und noch mal in verschiedenen Hunde-Kategorien. In den Hallen der Leipziger Messe müffelt und winselt es, Putztrupps wischen „Aufregungspfützen“ weg. Knapp 25 000 Hunde sind für die größte Hundeausstellung der Welt angemeldet – die World Dog Show. Und noch einmal mehr als 6000 sind bei der vorgeschalteten German Winner Show dabei, die am Mittwoch begonnen hat.

Wozu der ganze Aufwand?

Für „Ruhm und Ehre“. So formuliert es Udo Kopernik, Vorstandsmitglied im Verband für das deutsche Hundewesen (VDH), der die Schau ausrichtet. Weltbester Rüde einer Rasse zu sein – das könne den Sieger als „Deckpartner“ begehrt machen, sagt Kopernik. „Da ist natürlich die Crème de la Crème dabei. Wer extra aus Russland anreist, der hat auch was vor.“ Der Besitzer eines Champion-Rüden bekommt schon mal mehrere Hundert Euro „Decktaxe“ für einmal Paaren.

Bei der Schau wird von 280 Rassen in verschiedenen Kategorien der weltbeste gekürt: Rüden treten gegen Rüden an, Hündinnen gegen Hündinnen. Es gibt eine Juniorliga, mit Hunden nicht älter als 15 Monate. Und dann sind da noch die „Veteranen“, die schon acht Jahre oder älter sind.

Wie werden die Hunde schick gemacht?

Unterschiedlich. Manche Halter machen ihren Vierbeiner selbst zurecht, so wie Afghanen-Frauchen Kristy Bello aus Schweden. Sie hat ihren Langhaar-Rüden am Vortag mit Shampoo und Spülung gebadet, heute toupiert sie dem Tier kurz vor dem Auftritt eine Tolle und kleine Bausche an den Hinterläufen – typisch skandinavischer Stil, wie sie sagt. „Er hat schönere Haare als ich.“

Für die perfekte Vorbereitung setzen andere auf Spezialisten, sogenannte Groomer. Diese Hundestylisten maniküren die Krallen, säubern die Zähne und frisieren das Fell. Und dann sind da noch die Handler – englisch ausgesprochen -, die das Tier professionell dem Juror präsentieren.

Was passiert auf dem Hundelaufsteg?

Der Laufsteg ist in Wahrheit eine Art Wettkampfring – ausgelegt mit strapazierfähigen Teppichfliesen. Dorthinein kommen alle Hunde, die in ihrer Klasse gegeneinander antreten. Bei den Dackeln wollen bei der World Dog Show in zig Durchgängen ganze 914 Hunde bewertet werden. Bei der Steirischen Rauhaarbracke ist hingegen nur ein Tier angemeldet.

Der Juror schaut zunächst auf das Benehmen der Tiere. „Es haben nur Hunde eine Chance, die sich gesittet verhalten“, sagt Kopernik, selbst Juror. Beim Einzelcheck werden die Zähne begutachtet und der Körper des Hundes abgetastet. Auch Fellfarbe und Körpergröße müssen stimmen. Am Ende muss der Hund ähnlich wie ein Model schaulaufen, im Hundetrab. Dabei zählen „Raumgriff“ der Vorderbeine und „Schub“ der Hinterhand.

In die Endauswahl kommen die Hunde, die die Bestnote „vorzüglich“ erhalten. Unter ihnen werden die Plätze eins bis vier vergeben. Herrchen und Frauchen brechen schon mal in Jubelschreie aus, wenn ihr Liebling gewinnt. Dann wird er durchgestrubbelt – die Frisur scheint für einen Moment egal zu sein.

Was geschieht mit den vielen Hundehaufen?

Die naheliegende Antwort von Hundeverbands-Vorstand Kopernik: „Die muss man wegmachen.“ Auf dem Messegelände stehen Spender mit Kotbeuteln bereit, Eimer voller Sägespäne sollen die Rutschgefahr von Urin-Pfützen bannen. Putztrupps patrouillieren. Weil auch Edel-Hunde gern mal das Bein heben, sind Säulen und Schilder mit Folie abgeklebt. Für das normale Geschäft gibt es zwischen den Messehallen „Löseplätze“, eine Art überdimensionierter Sandkasten mit Rindenmulch und Rollrasen.

Welche Attraktionen bietet die Messe sonst?

Da ist die Fressmeile für Hunde. An zig Ständen werden Snacks angeboten, zum Beispiel gestückelter Rinderkehlkopf, „Trainingshappen“ aus Pferdelunge oder behaarte Rinderohren für 70 Cent das Stück. Außerdem gibt es weitere Wettkämpfe: Hunde treten im „Dog Dancing“ und im „Dog Diving“ gegeneinander an. Dabei müssen sie von einem Sprungbrett aus so weit wie möglich in ein Wasserbecken springen.

Wo schlafen Zehntausende Hunde ihren Schönheitsschlaf?

Es gibt Vierbeiner, die mit ihren Herrchen im Hotelzimmer nächtigen. Aber seit Anfang der Woche entsteht auf dem Messegelände auch eine Art Hunde-Wagenburg aus Caravans. „Das sieht ein bisschen aus wie eine Reihenhaussiedlung“, sagt Udo Kopernik. Manche Herrchen stellten sogar einen Jägerzaun vor ihrem Wohnwagenanhänger auf, in denen die Tiere dann herumtollen können. „Das hat eine ganz eigenartige Idylle.“ (Violetta Kuhn, dpa)