Montag, 13. November 2017, 22:40 Uhr

Rossy de Palma: Einzigartige Muse, Stilikone & Charakterdarstellerin

Ab dem 30. November geht’s zur wohl unterhaltsamsten Dinnerparty des Jahres: Mit „Madame“ erzählt die französische Erfolgsautorin und Filmemacherin Amanda Sthers die Geschichte der spanischen Hausangestellten Maria (Rossy de Palma), die schlagartig in die Rolle einer Grande Dame inmitten der Pariser High Society schlüpfen muss.

Rossy de Palma: Einzigartige Muse, Stilikone & Charakterdarstellerin
Foto: Oscar Gonzalez/WENN.com

Ziel des Rollentauschs: Den 14. Platz an der großen Dinnertafel einnehmen. Initiiert wird der spontane Einsatz durch die perfektionistische Hausherrin Anne (Toni Collette), die nach dem unangekündigten Besuch ihres Stiefsohns (Tom Hughes) schnell eine Lösung für die ungerade Zahl von 13 Gästen am Tisch finden muss. Somit wird Maria kurzerhand umgestylt, unterhält die piekfeine Dinner-Runde mit ihrer erfrischenden Art und verdreht obendrein Kunsthändler David (Michael Smiley) den Kopf.

Die Ereignisse inklusive einer turbulenten Amour fou nehmen ihren Lauf …

Für die Rolle hätte Amanda Sthers kaum eine bessere Besetzung als die spanische Charakterdarstellerin Rossy de Palma finden können: Klug, mitreißend und mit dem Herz am rechten Platz bringt sie als Maria in „Madame“ die Fassade einer nur dem Anschein nach höflichen, schicken und toleranten Gesellschaftsschicht zum Bröckeln. Und damit ist sie mit ihrer Rolle ganz nah dran an ihrem eigenen Charakter, der von unglaublicher Stärke und Authentizität gekennzeichnet ist!

Die Frau mit der wohl berühmtesten Hakenase im Showbiz strahlt geradezu von innen heraus und war schon auf den Catwalks der großen Modedesigner unterwegs. Wir werfen hier mal den Blick auf ein vielseitiges und kreatives Leben.

Rossy de Palma: Einzigartige Muse, Stilikone & Charakterdarstellerin
Rossy de Palma in „Madame“. Foto: Studiocanal

Goldstück und Muse von Pedro Almodóvar

Eine so präsente Schönheit wie Rossy de Palma konnte sich den Einstieg ins Filmbusiness durch Castings schlicht sparen: Mit ihrer Leuchtkraft sorgte sie Ende der achtziger Jahre von ganz allein dafür, dass die spanische Avantgarde von Madrid auf sie aufmerksam wurde.

Allen voran der Regisseur Pedro Almodóvar – heute einer der international bekanntesten Regisseure des zeitgenössischen spanischen Kinos. Zu damaliger Zeit etablierte er sich gerade als Nachwuchsregisseur. Und entdeckte Rossy de Palma in einer Bar, in der sich die gebürtige Mallorquinerin in Madrid ihr Geld verdiente.

Rossy de Palma: Einzigartige Muse, Stilikone & Charakterdarstellerin
Rossy de Palma in „Madame“. Foto: Studiocanal

Somit war sie mittendrin im Nachtleben, in dem sich die Künstler-Szene samt Almodóvar tummelte. Er besuchte auch regelmäßig ihre Konzerte, durch die sie mit der eigenen Band aktiv in der Gegenkultur des postfaschistischen Spaniens mitwirkte. Ihn überwältigte vor allem Rossy de Palmas außergewöhnliche Schönheit und Charisma, das durch so viel gekennzeichnet ist: prägnante und kubistische Gesichtszüge, den Gemälden Picassos ähnlich, schiere Lebensfreude, weibliche Kurven – und ein tolles Gespür für Stil und Fashion.

Keinerlei Erfahrungen im Filmgeschäft

So war es auch Almodóvar, der ihr die erste Rolle in seinem Film „Das Gesetz der Begierde“ verschaffte. Dabei hatte Rossy de Palma vorher gar keine Erfahrung im Bereich Film und Kino gesammelt und keine Ambitionen gehegt, Schauspielerin zu werden. Der Einstieg geschah spontan. Almodóvar brachte ihr alles Elementare bei. Doch das sollte nur der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit sein: Er war so begeistert von ihrer außergewöhnlichen Schönheit und Schauspielkraft, dass er sie auch für seine folgenden Filme engagierte, wie beispielsweise „Fessle mich!“ aus dem Jahr 1989.

Almodóvar liebt es, starke Frauen in den Mittelpunkt seiner Dramen zu setzen – Paraderollen für Frauen im Stile von Rossy de Palma. Sie gehörte zu seinen Lieblingen und inspirierte ihn ungemein. Somit war und ist sie bis heute seine persönliche Muse. Genauso bezauberte sie Modedesigner Jean Paul Gaultier und Thierry Mugler mit ihrer Picassoesque und dem gewissen Etwas. Für Gaultier, heute ebenfalls ein langjähriger Freund von Rossy de Palma, durfte sie mehrere Male als Model über den Laufsteg der Fashionweeks dieser Welt flanieren. Auch Christian Louboutin holte sie vor die Kamera (siehe Video).

Übrigens: Sie ist derzeit auch das Werbegesicht für die eigens kreierte Kosmetiklinie „Rossy de Palma“ von MAC Cosmetics (siehe Clip ganz unten).

Rolle neben Julia Roberts

Zurück zum Film: Anfang der neunziger Jahre wurde das französische Kino auf die markant schöne Rossy aufmerksam. So bereicherte sie 1994 das Star-Ensemble von Robert Altmans Fashion-Satire „Prêt-à-Porter“ neben u.a. Julia Roberts. Und war damit in ihrer Rolle wieder mittendrin in einer Welt voller Mode.

Nun war Rossy de Palma mehr als nur eine gefragte spanische Darstellerin, sondern auch international bekannt. Ihrem „Entdecker“ Almodóvar blieb sie dennoch immer in enger Freundschaft treu und arbeitete beispielsweise 2009 im Filmprojekt „Zerrissene Umarmungen“ mit ihm zusammen.

Rossy de Palma in der Oper 'Le Chanteur de Mexico'. Foto: Oscar Gonzalez/WENN.com
Rossy de Palma in der Oper ‚Le Chanteur de Mexico‘. Foto: Oscar Gonzalez/WENN.com

2015 wurde Rossy de Palma, inzwischen schmückten ihre Vita so einige Filme, in die Jury der Filmfestspiele Cannes berufen. Ihr letzter Film stammt wieder aus der Feder von Altmeister Almodóvar: In „Julieta“, der inzwischen siebte gemeinsame Film und Oscar-nominiert, spielt sie 2016 neben Emma Suárez eine geheimnisvolle Haushälterin.

Als cleveres Hausmädchen in „Madame“

Ab dem 30. November nimmt sie nun abermals die Rolle einer Hausangestellten ein: dieses Mal spielt sie in einer starken Hauptrolle das spanische Hausmädchen Maria in „Madame“. Und muss sich der egozentrischen und kontrollsüchtigen Hausherrin Anne stellen. Obendrein dann auch gleich noch einer ganzen Gruppe von Upper Class Mitgliedern in Paris.

Rossy de Palma sagt selbst über die hinreißende und offenherzige Rolle der Maria: „Sie ist eine sehr positive Frau und leuchtet quasi von innen heraus. Sie fühlt sich nicht minderwertig, weil sie den Dreck anderer Leute wegräumen muss. Sie ist ein Dienstmädchen, und sie ist stolz darauf! Eine einfach, ganz normale Person. Ich habe viel mit ihr gemeinsam, die Art der Weltanschauung, die Neugierde auf andere Menschen.“

Foto: Studiocanal
Foto: Studiocanal