Samstag, 18. November 2017, 16:57 Uhr

Culcha Candela über ihr neues Album und viele beschissene Dinge

Culcha Candela gehören zu den erfolgreichsten Bands Deutschlands. Seit nun mehr 15 Jahren sind die mittlerweile vier Jungs am Start und ihre Hits wie „Hamma“, „Ey DJ“ oder auch „Monsta“ unvergessen.

Culcha Candela über ihr neues Album und viele beschissene Dinge
Foto: I AM JOHANNES

Mit ihrem neuen Album „Feel Erfolg“ wollen die Berliner an alte Erfolge anknüpfen. Auch hier gilt wieder: Gute Laune – ja, aber bitte mit Inhalt. Warum das so ist, haben Culcha Candela klatsch-tratsch.de im Interview verraten.

Mit welcher Frage könnte ich das Interview versauen, bevor es überhaupt angefangen hat?
Mateo: So ganz allgemeine Dinge, die man nach 15 Sekunden bei Wikipedia herausfinden könnte wie beispielsweise die Bedeutung des Bandnamens. Oder seit wann gibt’s euch?
Don Cali: Sehr schön ist auch: Wie viele seid ihr eigentlich? (lacht)

Seit 15 Jahren seid ihr jetzt am Start. Was ist euer absoluter Lieblingsbandmoment?
Mateo: Jetzt gerade vor 15 Sekunden, als du reingekommen bist … (lacht)

Ok, und der Zweitbeste?
Don Cali: Die Erfolge wie „Hamma“ damals auf Nummer eins in den Charts war, aber auch die Tourneen. Momentan sind wir ja auf einer Club-Tournee. Die sind dann etwas kleiner, aber dafür viel intimer und das mögen wir sehr.

Aus alt mach nigelanagelneu

Euer neues Album „Feel Erfolg“ ist draußen. Wie kam es zu diesem Namen?
Mateo: Wir wollten schon immer mal ein Wortspiel im Titel haben. Wir hatten einen Song, der so hieß und da hat sich das einfach angeboten. Wir haben den Sound etwas an den aktuellen Zeitgeist angepasst, aber man hört trotzdem, dass wir das sind. Das haben wir erreicht, weil wir dieses Mal mit vielen jungen Produzenten zusammengearbeitet haben. Wir sind ja noch jung geblieben, aber die in unserem Alter hatten nicht so Bock auf diese Art von Musik und da mussten wir mit den jungen zusammenarbeiten. Ich denke, das ist ganz gut gelungen.

Euer Song „In meiner City“ ist an euren 2004er Hit „In Da City“ angelehnt …
Don Cali: Das ist richtig. Mr. Reedoo, einer der Jungs, der ausgestiegen ist, kam für diesen Song wieder zurück. Hat die Hook eingesungen und ist wieder gegangen. (Alle lachen)
Mateo: 15 Jahre – Das Album hat Jubiläumscharakter und wir wollten da auch alte Songs in neuem Gewand erstrahlen lassen und einer davon war „In Da City“. „In meiner City“ ist zwar daran angelehnt, aber soll trotzdem nach heute klingen. Es war sehr cool, dass Reedoo an dem Song mitgemacht hat und das schlägt ja auch wieder die Brücke zu damals.

Culcha Candela über ihr neues Album und viele beschissene Dinge
Foto: I AM JOHANNES

Auf eurer Single „Cool mit mir selbst“ habt ihr mit Ela von Elaiza zusammengearbeitet. Das war jetzt auch die allererste Zusammenarbeit von euch mit einer Frau. Warum erst jetzt?
Chino: Da wir früher schon innerhalb der Band so viele Stimmen hatten, die gefeaturet werden wollten, war gar kein Raum für andere Zusammenarbeiten.
Mateo: Mit Ela waren wir zum Songschreiben im Studio verabredet. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und innerhalb einer halben Stunde stand die Idee. Sie hat das Demo dann eingesungen und das war dann schon von der ersten Sekunde an so gänsehautmäßig geil, dass wir sie gefragt haben, ob sie das nicht als Feature machen will. Sie war jetzt auch die ganze Tour mit uns als Support unterwegs gewesen.

Krasse Gesamtabrechnung

Zeitweise wart ihr ja mal zu siebt. Mittlerweile seid ihr nur noch vier …
Mateo: 2012 haben wir eine Pause eingeläutet und in der ist einigen der Jungs bewusst geworden, dass sie eigentlich nicht mehr aus der Pause in die Band zurückkommen wollen.
Don Cali: Larsito hat ein Soloprojekt gestartet und der andere wollte studieren. Wenn man die ganze Zeit auf Tour ist, dann hat man immer Abstand zu seiner Stadt, den Freunden und allem. Damals waren wir schon seit 12 Jahren zusammen unterwegs und das ist eine Zeit, bei der man sich dann irgendwann fragen kann, ob man das weiter so machen möchte oder lieber einen anderen Weg einschlagen möchte. Reedoo hört man ja auf dem Album und Lars war mit seinem Projekt so beschäftigt, dass er leider keine Zeit hatte.

Aber ihr seid alle noch cool?
Don Cali: Absolut.

Eure Texte sind größtenteils sehr positiv – ab und an mit einem Augenzwinkern oder auch mal sozialkritisch – aber so richtiges Gehate gibt es von euch eigentlich nie. Worüber kotzt ihr euch privat so richtig aus?
Mateo: Rassismus, Homophobie, Sexismus …
Chino: AfD an sich, Trump …
Mateo: Aber dazu haben wir uns immer schon geäußert, auch schon damals, als uns nur 50 Leute gehört haben. Message, gute Laune und tanzbare Beats schließen sich unserer Meinung nach nicht aus. Man muss nicht immer depri sein, um ernste Songs zu machen. Ich finde es geiler, wenn es fröhlich mit Humor ist. Beispielsweise „Schöne neue Welt“ ist eine krasse Gesamtabrechnung, über alle beschissenen Dinge, die eingetroffen sind: Erderwärmung, Atomunfälle und so weiter – alles ist eingetreten, nachdem der Song draußen war. Fukushima ist passiert, Trump ist passiert, die NSA-Affäre auch. Wir haben das alles thematisiert und wenn man will, kann man auch dazu feiern. Wenn man auf den Text achtet, ist da eine krasse Kritik.

Wieso liken uns diese Leute?

Eure Prognosen waren ja schon ganz gut. Dann spielt mal Orakel und erzählt mir, wie ihr euch die Zukunft so vorstellt …
Don Cali: Überall wird es Coffeeshops geben und du kannst überall Brownies kaufen. Ich denke, es wird alles entspannter, was das angeht.
Mateo: Ich als Orakel vom Görli würde sagen: Schwierig. Ich kann es nicht verstehen, aber eigentlich geht es den Leuten – in Europa zumindest – sehr gut. Wir haben seit dem Zweiten Weltkrieg in der EU keinen größeren Konflikt mehr gehabt. Es gab in den Neunzigern das Ding in Jugoslawien und da ist mittlerweile auch Frieden. Statistisch gesehen geht es den Leuten gut auf der Welt, aber die Menschen hören nicht auf Statistiken. Die breite Bevölkerung hat so viel Geld wie noch nie, Frieden wie noch nie, aber trotzdem ist jeder mega unzufrieden. Das ist unerklärlich, aber die Schuld wird ständig bei anderen gesucht und das ist ein Riesenproblem. Ich kann dir nicht sagen was passiert, aber es passiert in kurzer Zeit eine ganze Menge und das macht einem schon irgendwie Angst, wenn man darüber nachdenkt. Ich finde es eben nicht geil, wenn Leute sagen: „Der Erdogan ist doch ein toller und starker Führer“ oder der Putin, oder Trump oder wie diese ganzen Populisten alle heißen. Wenn ich mir vorstelle, dass so ein Spacko in Deutschland an die Macht kommt, wo soll ich dann hinziehen? Diese Vorstellung ist sehr unschön. Ich finde, viele Menschen haben hier verlernt für Demokratie zu kämpfen und einzustehen und ich hoffe, dass sie es nicht irgendwann mal mit einer Waffe in der Hand machen müssen. Diese Vorstellung finde ich sehr beängstigend.

Culcha Candela über ihr neues Album und viele beschissene Dinge
Foto: I AM JOHANNES

Ihr habt euch sicher schon mal selbst gegoogelt. Was sind so die dümmsten Sachen, die ihr über euch gelesen habt?
Don Cali: Nervig finde ich, wenn wir uns politisch zu etwas äußern und Kommentare kommen wie: „Ihr habt da nichts zu melden. Macht mal lieber Musik!“ Auch sehr seltsam finde ich, wenn man in Kommentaren merkt, dass Leute sehr rechts gepolt sind, etwas gegen Asylbewerber oder Ausländer im Allgemeinen haben, aber gleichzeitig Fans von Culcha Candela sind. Da merkt man echt die Ignoranz und denkt sich: „Geht’s euch noch gut?!“
Mateo: Dagegen kann man aber nichts machen. Das ist halt das Internet, wo jeder seinen Scheiß in eine Timeline oder unter Kommentare blasen kann. Das geht bei mir da rein und da wieder raus, aber was mich richtig nervt: Leute, die schreiben, wenn wir uns gegen die AfD positionieren: „Ich fand euch mal gut. Was fällt euch ein etwas gegen die AfD zu sagen? Denkt ihr wir sind Nazis und so? Wie könnt ihr euch dazu überhaupt eine Meinung bilden?“. Da denke ich mir dann auch: Warum liken diese Leute unsere Seite? Das macht doch gar keinen Sinn: Hören die nicht zu was die sagen? So eine Partei wählen und denken, dass wir da nicht zu sagen? Das geht doch gar nicht. Ich finde das ein Paradoxon uns zu hören und gleichzeitig die AfD zu wählen. Das passt einfach nicht zusammen.

Was steht dieses Jahr noch an?
Chino: Nach der Tournee gehen wir im Dezember auf Tour mit the Night of Proms. Das ist ein sehr geiles Projekt mit einem Symphonieorchester und anderen musikalischen Gästen und man spielt das jeweilige Best of des Künstlers. Das ist für uns ganz spannend unsere Musik mal in einer Orchesterversion zu hören. Ich habe noch nie „Monster“ mit echten Streichern gehört und freue mich schon sehr darauf zu hören, wie das klingt.
Mateo: Im nächsten Jahr sind wir auf jeden Fall wieder auf einigen Festivals dabei und mal gucken vielleicht gibt es noch eine Nachschlags-Tour von der „Feel Erfolg“-Tour. Die hat uns wieder tierisch Spaß gemacht.