Freitag, 24. November 2017, 21:55 Uhr

Der Pilot der Papstes packt aus

Wenn der Papst fliegt, soll er in besonders sicheren Händen sein. Bei seiner Stammfluglinie ist ein Papst-Flug das Highlight eines jeden Piloten. Alberto Colautti ist der, der bisher die meisten Stellvertreter Christi fliegen durfte.

Alberto Colautti kommt dem Himmel oft ein Stückchen näher als andere Menschen. Nicht nur, weil er Chefpilot bei der italienischen Fluglinie Alitalia ist. Sondern auch, weil er regelmäßig Päpste rund um den Globus fliegt. Auch bei der anstehenden Reise von Papst Franziskus nach Myanmar und Bangladesch, die diesen Sonntag beginnt, sitzt der 56-jährige Italiener im Cockpit. „Es ist ein sehr besonderer Flug. Natürlich ist das ein großes Privileg“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

Bisher habe er zehn Papst-Flüge absolviert. „Die erste Reise habe ich mit Papst Benedikt XVI. nach Benin in Afrika gemacht…“ Da sei am Vorabend schon ein wenig Aufregung dagewesen. Mittlerweile ist der Mann aus dem norditalienischen Gorizia allerdings nicht mehr nervös – alles verläuft nach einem strengen Protokoll. Drei bis vier Monate dauere es in der Regel, einen Papst-Flug zu organisieren.

Extrawürste für den  Heiligen Vater, aber…

Eine Sonderbehandlung bekommt der „Heilige Vater“ natürlich schon, aber es gebe nicht viele Unterschiede zu normalen Flügen. „Wir garantieren maximale Sicherheit und maximalen Komfort, ob es ein normaler Passagier oder ein Staatsoberhaupt oder ein Papst ist“, so Colautti, der selbst gläubiger Katholik ist.

Allerdings muss der Papst nicht durch die herkömmliche Sicherheitsschleuse und er darf als letzter an Bord, wenn die Maschine schon startklar ist. Anders als die meisten Staatsoberhäupter oder Regierungschefs hat der Pontifex kein eigenes Flugzeug zur Verfügung wie zum Beispiel die deutsche Regierung oder der US-Präsident mit der Air Force One.

Traditionell fliegt der Papst auf dem Hinweg seiner Auslandsreisen immer Alitalia, in einer herkömmlichen und nicht extra umgebauten Maschine. Zurück geht’s dann meistens mit der Linie jenes Landes, das er gerade besucht hat. Im Falle der Reise nach Myanmar und Bangladesch fliegt er zurück nach Rom mit der Staatslinie von Bangladesch, Bimam.

Der Pilot der Papstes packt aus
Foto: IPA/WENN.com

Ausgewählt wird für ein „volo papale“ stets eine andere Crew. Katholisch sein, sei keine Voraussetzung, so Colautti, der ehemals Hubschrauberpilot bei der Marine war und bei Alitalia mittlerweile 14 000 Flugstunden gesammelt hat. Erfahrung hilft natürlich. Den Titel „Pilot der Päpste“ mag Colautti nicht, denn bei Alitalia seien alle Piloten in der Lage, Päpste zu fliegen.

Ein Papst ohne Flugangst

Auch durch Turbulenzen wurde bisher jedes Katholiken-Oberhaupt sicher gesteuert. Flugangst habe der 80-jährige Franziskus nicht. Aber in der Vatikan-Entourage gebe es natürlich schon den ein oder anderen, dem es mulmig werden kann, sagt Colautti, der auch Training gegen Flugangst anbietet. Er selbst behalte einen kühlen Kopf: „Im Flugzeug bin ich wesentlich ruhiger, als wenn ich ein Interview geben muss.“

Maximale Diskretion ist das A und O, daher verrät Colautti auch nicht, was Franziskus an Bord isst oder ob er auch Filme guckt. Der Papst sitzt vorne in der Maschine. Genauso wie seine Entourage aus dem Vatikan, darunter meist sein „Außenminister“, Kardinal Pietro Parolin, oder sein Pressesprecher. Hinten sitzen die begleitenden Journalisten, die Franziskus stets einzeln mit Handschlag und ein paar Worten begrüßt. Billig ist der Flug für die Presse nicht: Nach Myanmar und Bangladesch kostet das Hin- und Rückflug-Ticket etwa 4700 Euro. Mit Kanzlerin Angela Merkel fliegt man also billiger als mit dem Papst.

Für Alitalia sind die Papst-Flüge ein mächtiger Imagegewinn. Doch trotz allem strauchelt die Airline seit Jahren und musste dieses Jahr sogar Insolvenz anmelden. Derzeit fliegt sie noch mit einem Brückenkredit der italienischen Regierung. (Annette Reuther, dpa)