Sonntag, 26. November 2017, 18:15 Uhr

"Dark"-Regisseur Baran bo Odar: Serien müssen in Nischen spielen

Baran bo Odar hat was gegen den Mainstream. Der Schweizer Regisseur und Drehbuchautor („Who Am I – Kein System ist sicher“) schwärmt von Serien wie „Breaking Bad“, die so ganz anders und speziell sind.

"Dark"-Regisseur Baran bo Odar: Serien müssen in Nischen spielen
Hauptdarsteller Louis Hofmann, Joerdis Triebel mit Baran bo Odar. Foto: WENN.com

Für den Regisseur der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“, hängt der Erfolg von Serien damit zusammen, dass sie in Nischen spielen. „In Deutschland wird zu wenig in Nischen gedacht“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Das Fernsehen versucht immer, so viel abzudecken, statt zu sagen, lass uns ganz speziell sein, am Anfang nur wenige anzusprechen und darauf zu vertrauen, dass es sich, wenn’s gut ist, schon rumsprechen wird.“

Alle erfolgreichen Serien seien Nischenserien, sagte der 39-Jährige, der im März mit „Sleepless – Eine tödliche Nacht“ (u.a. mit Jamie Foxx) seine erste Hollywood-Produktion an den Start brachte, „Mad Men“ etwa spiele im Milieu der New Yorker Werbebranche in den 60er Jahren. „Breaking Bad“ sei „wahnsinnig nischig“. Dagegen sei es das Grundproblem bei deutschen Filmprodukten, „dass sie nie nischig genug denken“.

„Du hältst die Leute nur mit guten Sachen“

„Dark“ läuft am 1. Dezember an. Über die Zusammenarbeit mit Netflix schwärmte der Regisseur, er habe in seinem ganzen Arbeitsleben noch nie so gute Erfahrungen gemacht. „Das einzige Kriterium, an dem sie festhalten – und manchmal scheitern sie auch -, ist Qualität. Die haben diesen Druck, die Leute zu halten. Und du hältst die Leute nur mit guten Sachen.“

ARD und ZDF dagegen hätten diesen Druck überhaupt nicht. „Wenn die Quoten mal runtergehen, machen sie sich auch Sorgen. Aber es wird nie existenziell: Oh Gott, was machen wir nächsten Monat? Bequemlichkeit ist der Killer jeglicher Kreativität.“

"Dark"-Regisseur Baran bo Odar: Serien müssen in Nischen spielen
Foto: Netflix

Darum geht’s in der Netflix-Serie „Dark“

Im Zentrum von Dark stehen vier Familien in einer typischen deutschen Kleinstadt. Als zwei Kinder auf mysteriöse Weise verschwinden, wird die vermeintlich heile Welt dieser Familien aus den Fugen gerissen und ein Blick hinter die Fassaden offenbart die dunklen Geheimnisse aller Beteiligten. Im Verlauf der zehn einstündigen Folgen bekommt die Tragweite der Ereignisse eine neue Dimension, als die Ermittlungen zurück ins Jahr 1986 führen und die Schicksale der vier Familien auf tragische Weise durch Raum und Zeit verknüpft werden. (dpa/KT)