Dienstag, 28. November 2017, 18:45 Uhr

TV-Kritik "Das Nebelhaus": Viel Regen - und viel gerannt wird auch

Fünf Freunde trafen sich einst auf einer Insel, um dort zu feiern. Dabei geschah Fürchterliches – und die Vergangenheit holt sie nun Jahre später wieder ein. Zumindest in einem Sat.1-Thriller.

TV-Kritik "Das Nebelhaus": Viel Regen und viel gerannt wird auch
Wiedersehen nach zehn Jahren. © SAT.1 / Stephanie Kulbach

Der Sturm tost, das Gewitter tobt, das alte Haus knarzt bedrohlich im Blitzlichtgewitter. Unter der knarrenden Haustür kommt eine Blutlache zum Vorschein. So atmosphärisch beginnt der TV-Thriller „Das Nebelhaus“.

Er ist heute ab 20.15 Uhr auf Sat.1 zu sehen. Szenenwechsel: In einem Berliner Büro will Redakteurin Doro Kagel (Felicitas Woll) endlich Feierabend machen, als sie auf alte Artikel stößt und einen unverhofften Anruf erhält. Sie eilt daraufhin ans Krankenbett ihrer ehemaligen Klassenkameradin Leonie Korn (Jasmin Schwiers), die im Sterben liegt. Von der Anruferin, Leonies Mutter (Lina Wendel), erfährt sie, dass ihre Tochter einst im „Nebelhaus“ auf einer Insel in der Nordsee war, das Philipp (Matthias Weidenmüller) gehörte und wo sie mit anderen Freunden gefeiert hat.

Dazu gehörten auch Yasmin (Oona von Maydell), Timo (Lucas Prisor) und Philipps Freundin Vev (Nadeshda Brennicke). Sie schlief damals mit Timo, in den Leonie heimlich verliebt war. Mit ihrer Waffe wurden schließlich drei Menschen getötet und Leonie als amoklaufende Mörderin beschuldigt. Seit der Tatnacht vor fünf Jahren liegt sie im Koma.

Verwirrende Handlung ohne große Spannung

Das Drehbuch für die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellerromans von Eric Berg schrieben Sven Poser und Britta Stöckle; Regisseurin Claudia Garde (51, „Eine gute Mutter“, „Bankraub für Anfänger“) hat den Film inszeniert. Zwar knarren einige Türen, oder schlagen ganz plötzlich zu, und gerannt wird auch viel.

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Zwei Jahre nach der Bluttat im Nebelhaus macht sich Doro (Felicitas Woll) am Tatort selbst ein Bild. © SAT.1 / Stephanie Kulbach

Allein, für atemlose Spannung reicht das leider nicht aus – dazu ist zum einen die Handlung zu verwirrend, denn es geht auch um ungesühnte Gräueltaten der Familie von Yim Nan (Hyun Wanner) aus Kambodscha. Und zum anderen agieren die Schauspieler (abgesehen von Lucas Prisor) nicht überzeugend genug – da wird zu viel chargiert, und die Ab- und Beweggründe der von ihnen gespielten Figuren bleiben im Dunkeln.

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Durch Neid und Eifersucht spitzt sich die angespannte Situation im Nebelhaus immer weiter zu und eskaliert. © SAT.1 / Stephanie Kulbach

Felicitas Woll (37, „Nackt. Das Netz vergisst nie“, Sat.1; „Ein Taunuskrimi“, am 2./3.1. im ZDF) sagte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Doro handelt so gewissenhaft und mutig, weil sie selbst involviert ist, oder sich zumindest mitschuldig fühlt. Das treibt sie an. Für mich ist guter Journalismus, wenn man kritisch ist und doch klar und neutral bleibt. Wenn man kluge und phantasievolle Fragen stellt und weder die Wahrheiten noch die Köpfe versucht zu verdrehen, nur weil es die bessere Schlagzeile ergibt.“

TV-Kritik "Das Nebelhaus": Viel Regen und viel gerannt wird auch
Selbst zwei Jahre später merkt die Journalistin Doro Kagel (Felicitas Woll), dass der Schrecken der Tatnacht im Nebelhaus noch immer zu spüren ist … © SAT.1 / Stephanie Kulbach

Immerhin sorgen verschiedene Zeitebenen, mit denen das Geschehen nacherzählt wird, für einige spannende Momente – insbesondere zum Ende hin. Doch es gibt so manchen nicht logischen Sprung in der Handlung, die viel zu spät richtig in Gang kommt. Da nützt auch der viele Regen nichts, in dem das Haus mehr steht als im Nebel. (Klaus Braeuer, dpa)