Mittwoch, 06. Dezember 2017, 18:17 Uhr

Moritz Bleibtreu: "Ich habe mich für die andere Seite entschieden"

Schauspieler Moritz Bleibtreu ist unter die Produzenten gegangen. Seine Filme „Nur Gott kann mich richten“ und „Familiye“ kommen 2018 ins Kino.

Moritz Bleibtreu:  "Ich habe mich für die andere Seite entschieden"
Foto: Becher/WENN.com

Der 46-jährige TV- und Kinostar setzt als Produzent auf ein neues Migranten-Kino. „Diese Filme sind nicht mit dem Blick von außen gemacht“, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag) über die von ihm mitproduzierten Filme „Nur Gott kann mich richten“ und „Familiye“. Beide Streifen, die 2018 ins Kino kommen, spielen im kriminellen Migrantenmilieu in Deutschland. „Wir erzählen von der Minderheit mit der Minderheit für die Minderheit, also, es ist Kino von Immigranten mit Immigranten für Immigranten in Deutschland.“

Sohn einer „Punkrockerin“

Bleibtreu, der seit 1982 Filme dreht, wuchs im damals stark von Einwanderern geprägten Hamburger Stadtteil St. Georg auf. Weil er den Lebensstil seiner Mutter, der 2009 verstorbenen Schauspielerin Monica Bleibtreu, als „Punkrockerin“ ablehnte, habe er sich als Kind den Familien seiner türkischen Nachbarskinder zugewandt, erzählte er in dem Interview.

„Der Deutsche oder der Kanake – ich habe mich damals für die andere Seite entschieden. Während ich mit meinen türkischen Jungs aufwuchs, lehnte ich die konventionellen deutschen Familien ab.“

Über seine neuen Filme sagte er weiter: „Dieses Kino transportiert auch ein Ideal von Familie und Zusammenhalt, das in unserer Gesellschaft etwas verloren gegangen ist.“ Die Regeln und Gesetze des migrantischen Milieus seien sehr direkt. Begriffe wie Ehre, Würde und Stolz hätten eine konkrete Bedeutung. Den Vorwurf, dass seine Filme frauenfeindlich seien, weist er jedoch zurück: „Es ist halt wirklich ein vollkommener Quatsch.“ Das Frauenbild von Einwanderern aus dem Irak, aus Kurdistan oder der Türkei sei zwar ein gänzlich anderes, aber deshalb nicht frauenfeindlich. „So einfach ist das nicht.“ (dpa/KT)

Moritz Bleibtreu:  "Ich habe mich für die andere Seite entschieden"
Mit Edin Hasanovix in „Nur Gott kann mich richten“. Foto: Constantin

Moritz Bleibtreu: Seine 10 besten Kinofilme

1997: Knockin’ on Heaven’s Door
1998: Lola rennt
2000: Im Juli
2001: Lammbock – Alles in Handarbeit
2006: Elementarteilchen
2008: Der Baader Meinhof Komplex
2012: Die vierte Macht
2013: Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt
2015: Die dunkle Seite des Mondes
2016: Das kalte Herz