Mittwoch, 13. Dezember 2017, 21:37 Uhr

Anke Engelke probiert es hier mit der Angst

Angst in allen Varianten – als krankhafte Phobie, diffuses Gefühl der Bedrohung, panische Angst vor Katastrophen. Anke Engelke geht dem Thema in einer WDR-Reportage auf den Grund. Ein Fazit: Angststörungen sind in Deutschland zur Volkskrankheit geworden.

Anke Engelke probiert es hier mit der Angst
Anke Engelke auf der Suche nach Angst. Foto: WDR,

Anke Engelke – Typ unerschrocken – geht dem in Deutschland weit verbreiteten Angstgefühl auf den Grund, spricht mit Kindern, Künstlern, Kampfsporttrainern, Forschern. Sie begleitet „Prepper“ in den Wald, die auf verheerende Krisenlagen vorbereitet sein wollen (to be prepared) und dafür das Überleben trainieren. Und die Kölner Schauspielerin testet sich auch selbst in der WDR-Reportage „Sowas wie Angst“, die an diesem Donnerstag (22.40 Uhr) gezeigt wird – oder schon heute komplett unten im Video!

„Angst ist zu einer echten Volkskrankheit geworden“, bilanziert Engelke. Die Menschen sehen Leib und Leben vor allem durch Terror und Kriminalität bedroht, wie die 75-Minuten-Doku zeigt. Zugleich stellt Risikoforscher Ortwin Renn darin aber klar: Die echten Killer hierzulande heißen Feinstaub und Krankenhauskeime, reale Gefahren sind Alkohol, Nikotin, ungesunde Ernähung, mangelnde Bewegung.

Angst wird auch gerne ausgeblendet

„Es gibt eine große Diskrepanz zwischen den Ängsten der Menschen, die sie verbalisieren – oft die Angst, ihr Leben zu verlieren aufgrund von … Und im Kontrast dazu die tatsächlichen Todesursachen in diesem Land, die ganz anders aussehen“, sagte Engelke (51) der dpa.

Sie fügte hinzu: „Es gibt auch Ängste, die so nah dran sind an den Leuten, dass sie sie gerne ausblenden, weil sie im eigenen Verantwortungsbereich liegen und mit den eigenen Verhaltensweisen zu tun haben.“

Anke Engelke probiert es hier mit der Angst
Anke Engelke zur Angstvermessung an der Ruhr-Universität Bochum. Foto: WDR

Engelke reist durchs Land, fragt, hört zu. Forscherin Elisabeth Wehling erklärt ihr, wie Politiker mit Sprache Ängste schüren – und Rechtspopulisten damit gezielt arbeiten. Und Engelke hört sich in einer Grundschule um: „Da war schon das ganze Team überrascht, wie konkret die Ängste dieser kleinen Menschen sind, wie treffend sie diese beschreiben.“ Über Weltuntergang oder Naturkatastrophen machen sie sich ebenso Gedanken wie über die Sorgen ihrer Eltern, ihre Arbeit zu verlieren.

Selbstverteidigungskurs & Co.

Die 51-Jährige einstige Komikerin macht bei einem Selbstverteidigungskurs mit oder bei einer Prepper-Runde samt Übernachtung am Lagerfeuer. Sie stellt sich ihrer leichten Höhenangst und nimmt dafür eine fiese Kirchturmwendeltreppe in Angriff. „In den Begegnungen habe ich Ansätze gefunden, dass Angst auch etwas Positives haben kann, dass man Angst kontrollieren kann“, betont Engelke. „Wenn man das richtige Handwerkszeug kennt, kann man der Angst begegnen.“

Anke Engelke probiert es hier mit der Angst
Engelke mit Künstler Roland Brus auf dem Berliner Platz in Wuppertal – einem soziologischen Angst-Ort. Foto: WDR,

Engelke stuft sich selbst als ziemlich furchtlos ein. Lampenfieber, panische Momente vor der Kamera oder auf der Bühne kennt die Komikerin und Moderatorin nicht, wie sie sagt: „Ich würde es richtig balla finden, wenn ich mir die Freude des Moments nehmen würde, indem ich eine Überdeckung durch Angst zuließe.“ (Yuriko Wahl-Immel, dpa)