Sonntag, 17. Dezember 2017, 13:35 Uhr

"Tatort": Ben Braun über seine Rolle als skrupelloses Intrigantenschwein

Ben Braun ist heute um 20.15 Uhr in einer politisch hoch aktuellen NDR-Tatort Folge „Dunkle Zeit“, neben Wotan Wilke Möhring und Anja Kling, in der Rolle eines skrupellosen Politikers zu sehen. Im neuen Jahr dürfen wir uns auf die Verfilmung des Flowtex-Skandals mit Braun in einer der Hauptrollen freuen. Wir haben mit ihm gesprochen.

"Tatort": Ben Braun über seine Rolle als skrupelloses Intrigantenschwein
Reinders (Benjamin Braun), Fraktionsvorsitzende Schramm (Anja Kling) . Foto: NDR/Christine Schroeder

Wie war es in die Rolle eines Generalsekretärs zu schlüpfen, der solch amoralische Gesellschaftsvorstellungen hat?
Das war schon sehr unheimlich. Das Thema ist brandaktuell und man hat das Gefühl, die Inhalte dieser Partei schon genauestens aus der Wirklichkeit zu kennen. Die Rolle, die ich in diesem Film spiele, lügt und intrigiert und das mit absoluter Konsequenz und Skrupellosigkeit. Interessant fand ich dabei die damit einhergehende Selbstgerechtigkeit, die viele Politiker für sich beanspruchen und die ich auch versucht habe in meiner Rolle auszureizen. Ich fand es sehr aufregend, ein Teil von einem Film zu sein, dessen komplexes Thema mich persönlich auch beschäftigt.

Anja Kling spielt im Tatort „Dunkle Zeit“ an Ihrer Seite. Wie waren die Dreharbeiten mit ihr?
Ich mochte Anja auf Anhieb sehr gerne. Und nicht nur, weil wir zusammen eine Affäre in dem Film spielen (lacht) – sowas kann ja auch zusammenschweißen – sondern weil ich ihre Art einfach sehr schätze. Sie ist wahnsinnig professionell und freundlich zu allen und spielt mit einem natürlichen Selbstbewusstsein, ist dabei aber immer integrierend und verbindend am Set.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre doch sehr unterschiedlichen Rollen vor?
Nach dem Sie dieses Jahr im ARD-Film „Die Konfirmation“ bereits einen alternativen Hippie-Vater gespielt haben muss der Spagat zur jetzigen Rolle doch sehr groß gewesen sein. Erst mal ist es toll, dass ich so unterschiedliche Rollen spielen darf. Für den Hippie-Vater in „Die Konfirmation“ musste ich allerdings nicht so viel spielen. Das hat sich ziemlich natürlich angefühlt (lacht).

Die Rolle als Rechtspopulist war eine Herausforderung

Den Generalsekretär einer rechtspopulistischen Partei, Benjamin Reinders zu verkörpern, war dagegen schon eine größere Herausforderung. Die Rolle vertritt ein völlig anderes Weltbild als das meine hat und trägt fast immer eine perfekt gesetzte Maske, hinter der sich ganz andere Absichten verbergen. Aber ich versuche auch so eine Figur erst einmal nicht moralisch zu beurteilen, sondern neugierig an sie heranzugehen und versuchen herauszufinden, was für ein Mensch das ist und wo sein Problem liegt. Bei vielen Menschen mit so einem ausgeprägten Trieb nach Macht und Anerkennung liegt ja ein großes emotionales Defizit zugrunde.

Für die vielen Szenen, in denen öffentliche Statements gebe, oder auch für das TV Duell im Film, habe ich Politiker natürlich noch viel genauer als sonst beobachtet. Mit dem sehr klugen und erfahrenen Niki Stein als Regisseur habe ich mich aber gerade bei diesem brisanten politischen Thema in sehr guten Händen gefühlt.

"Tatort": Ben Braun über seine Rolle als skrupelloses Intrigantenschwein
Foto: NDR/Christine Schroeder

Privat sind Sie passionierter Bowler und Segler. Wo fühlen Sie sich wohler. Zu Land oder auf dem Wasser?
Beim Bowlen bin ich noch blutiger Anfänger. Es war so, einige meiner Freunde sind ziemliche „The Big Lebowski“ Fans, mich mit inbegriffen, und wir hatten schon lange darüber gewitzelt mal eine eigene Bowling-Mannschaft zu gründen. Letztes Jahr bekam ich zum Geburtstag eine eigenen Bowlingball geschenkt und kurz darauf haben wir uns in einer Hobby-Liga in Berlin-Neukölln angemeldet. Dort belegten wir nach der ersten Saison souverän den letzten Platz.

Auf dem Wasser fühle ich mich aber fast noch wohler. Segeln ist für mich weniger Sport, sondern eher ein Lebensgefühl. Im Einklang mit den Elementen und zusammen mit guten Freunden über das Meer zu gleiten hat für mich etwas tief beruhigendes. Ich habe gerade meine Skipper-Prüfung bestanden, für die ich eine Weile echt büffeln musste und darf jetzt endlich große Schiffe auf dem Meer chartern. Nächstes Jahr geht’s los!

Auf welche spannenden Projekte dürfen wir uns im neuen Jahr freuen?
Nächstes Jahres wird der Film „Big Manni“ in der ARD ausgestrahlt. Auf diesen Film freue ich mich total. Ich spiele an der Seite von Hans Jochen Wagner den nicht aller Hellsten, aber dafür umso eitleren Provinz-Casanova und Bruder von Big Manni (lacht). Es ist die Verfilmung der Flowtex-Story, des größten Wirtschaftsskandals der Bundesrepublik. Am Ende haben die beiden Brüder die Banken um über 4 Milliarden DM geprellt. Niki Stein hat daraus einen großartigen, sehr unterhaltsamen Film gemacht.