Dienstag, 19. Dezember 2017, 13:55 Uhr

Lona Rietschel: Die Königin des Ost-Comics ist tot

Mit der Geschichte „Das Geheimnis der Grotte“ begann vor über 40 Jahren die Ära der Abrafaxe. Geschaffen hat sie die Zeichnerin Lona Rietschel, die jetzt im Alter von 84 Jahren gestorben ist.

Lona Rietschel: Die Königin des Ost-Comics ist tot
Comic-Zeichnerin Lona Rietschel malt Bilder für das Heft „Abrax und die 40 Räuber“ (1996). Foto: Hubert Link

Die Berliner Comic-Zeichnerin, Schöpferin der beliebten Figuren Abrafaxe, ist tot. Sie starb am Dienstag im Alter von 84 Jahren, wie der Mosaik-Verlag mitteilte. Die im heutigen Polen geborene Rietschel wollte ursprünglich Modezeichnerin werden, wechselte aber später zum Fach Zeichentrick.

1960 fing sie als Comic-Zeichnerin beim DDR-Mosaik-Verlag an, dessen Hefte Millionenauflagen erreichten.

Lona Rietschel: Die Königin des Ost-Comics ist tot
Lona Rietschel 1990. Foto: MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

In einem Nachruf des Verlags heißt es: „Lonas Strich war eben ein besonderer, stets schwungvoll und mit Leichtigkeit und selbst bei Bösewichten liebevoll. So verwundert es auch nicht, als 1975 neue Protagonisten für das Mosaik erfunden werden sollten, dass ihre Entwürfe am besten ankamen. Während Lothar Dräger die Konzeption für die Abrafaxe entwickelte, gab sie ihnen ihre Gestalt, ihre Gesichter und Califax gleich noch ein gemütliches Bäuchlein dazu. Wie eine Mutter hat sie Abrax, Brabax und Califax seitdem begleitet – hingebungsvoll, mit sicherer Hand, einem unglaublichen Einfühlungsvermögen, der nötigen Strenge, aber vor allem immer mit ganz viel Liebe.“

Über 40 Jahre gibt es die Abrafaxe schon

Ab Mitte der 1970er Jahre gab Rietschel den Abrafaxen „Abrax, Brabax und Califax“ Gestalt und ein freundliches Wesen. 2016 feierten die drei Kobolde mit den Knollennasen ihren 40. Geburtstag. Die drei erlebten gemeinsam viele Abenteuer zu unterschiedlichen Zeiten.

Abrax zeichnete Rietschel als Draufgänger, der aber nicht immer an die Konsequenzen dachte. Barabax war dank ihres Zeichenstrichs ein kluges Wesen, das der bunten Truppe immer aus der Patsche half. Und der gemütliche Califax, der gern auch faulenzte, hatte dank ihres Talents eine gute Eigenschaft: Er bekochte mit Leidenschaft seine Freunde.

1990 beendete Rietschel nach Verlagsangaben die Arbeit an den Heften. Im Laufe der Jahre zeichnete sie aber immer wieder Titelbilder für Sammelausgaben. Bis heute erscheinen die beliebten Mosaik-Comics monatlich. Zu DDR-Zeiten waren sie nur schwer zu bekommen. Die Abrafaxe waren die Nachfolger der legendären Digedags von Hannes Hegen. (dpa/KT)