Samstag, 30. Dezember 2017, 20:13 Uhr

Mit dem Fernsehen geht's abwärts - Quotenermittlung ist von gestern

Hauptsächlich jüngere Zuschauer wenden sich vom klassischen Fernsehen mit seinen Programmangeboten ab. Das belegen die neuen Nutzungsdaten. Das TV-Jahr 2017 beendete das ZDF zum sechsten Mal in Folge als „Sieger“. Doch das alles ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Zahlen der Online-Nutzung bleiben einfach außen vor. Weil es sie nicht gibt.

Mit dem Fernsehen geht's abwärts - Quotenermittlung ist von gestern
Foto: Fotolia/ Antonioguillem

Das klassische Fernsehen bekommt immer deutlicher die Konkurrenz aus dem Netz zu spüren. Das ergab eine Auswertung der Marktforschungsfirma Media Control in Baden-Baden mit den Jahres-Nutzungsdaten bis zum 28. Dezember. Bemerkenswert sind besonders die Verluste beim jüngeren Publikum zwischen 14 und 49 Jahren, das nur noch 160 Minuten pro Tag fernsah – 2016 waren es noch 171 Minuten gewesen. Beim Gesamtpublikum ab drei Jahren hielt sich der Rückgang von 223 auf 221 Minuten in Grenzen.

Jüngere haben keinen Bock mehr

Eine Erklärung liegt darin, dass sich Jüngere vermehrt anderen Medien zuwenden oder den immer stärker werdenden Streamingdiensten, die von der Quotenmessung GfK-Fernsehforschung in Nürnberg überhaupt nicht erfasst werden und ihre Nutzungsdaten streng unter Verschluss halten. Dies zeigt doch deutlich wie altbacken und verfälscht somit die täglichen Fernsehquoten-Ermittlung ist, weil sie die Streaming-Nutzung überhaupt nicht berücksichtigen.

Bei den linearen (also mit festen Zeiten ausgestrahlten) Anbietern werden zwar die Mediatheken zunehmend stärker in Anspruch genommen – vollständige Daten fehlen aber auch hier, da eben der mobile Gebrauch nicht ausgewertet wird. Deshalb fragt man sich wann denn die deutsche Quotenforschung endlich im 21. Jahrhundert ankommt!

ZDF Marktführer im klassischen TV

Marktführer im linearen TV blieb zum sechsten Mal in Folge das ZDF, das auf einen Marktanteil von 13,1 Prozent (nach 13,0 Prozent im Vorjahr) kam. Das Erste büßte von 12,1 auf 11,3 Prozent ein. Auch die großen Privat-TV-Anbieter hatten Mühe – sie verloren viel Publikum an kleinere Sender. RTL büßte von 9,7 auf 9,2 Prozent ein. Sat.1 gab von 7,3 auf 6,7 Prozent und ProSieben von 5,0 auf 4,5 Prozent nach. Bei Vox hielt sich der Rückgang von 5,2 auf 5,1 Prozent in Grenzen. Dahinter bröckelte Kabel eins von 3,8 auf 3,4 Prozent, RTL II von 3,5 auf 3,2 Prozent.

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Horst Lichter bei „Bares für Rares“. Foto: ZDF/Frank W. Hempel

Dagegen ist der Spartensender ZDFneo weiter auf der Überholspur. Er legte deutlich von 2,1 auf 2,9 Prozent zu. ZDFneo besticht vor allem mit Horst Lichters Dauerprogramm „Bares für Rares“ und den Krimis am Hauptabend. In der zweiten Reihe stark sind vor allem Sender wie RTL Nitro (1,6 nach 1,3 Prozent), und RTLplus (1,1 nach 0,4 Prozent). Gut geht es nach wie vor Sat.1 Gold (1,5 nach 1,4 Prozent). 3sat lag bei 1,3 nach 1,2 Prozent, Arte bei 1,1 nach 1,0 Prozent sowie ZDFinfo und Phoenix konstant bei jeweils 1,1 Prozent. Die Nachrichtensender n-tv (1,1 Prozent) und N24 (1,2 Prozent) blieben unverändert.

NDR führt in den dritten Programmen

Unter den dritten ARD-Programmen hatte das NDR Fernsehen 2017 bundesweit mit 2,5 Prozent (2,4 Prozent) die besten Karten beim Publikum, danach folgten das WDR Fernsehen mit 2,3 Prozent (2,1 Prozent), das SWR Fernsehen mit 1,9 Prozent (1,8 Prozent), das MDR Fernsehen mit 2,0 Prozent (1,9 Prozent), das Bayerische Fernsehen mit 1,8 Prozent (1,6 Prozent), das RBB Fernsehen mit 1,2 Prozent (1,1 Prozent) und das hr Fernsehen mit 1,1 Prozent (1,2 Prozent). Zusammen verbesserten sich die „Dritten“ auf 12,8 Prozent – nach 12,1 Prozent im Vorjahr.

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NDR Talk Show mit Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Foto: NDR/Uwe Ernst

Die Rivalität unter den Kindersendern entschied Super RTL wieder für sich. In der für sie relevanten Zielgruppe der 3- bis 13-jährigen Zuschauer machte Super RTL mit 21,5 Prozent (20,6 Prozent) das Rennen – eingerechnet sind die Marktanteile des Schwesterkanals Toggo plus. Der KiKA kam auf 19,2 Prozent (19,7 Prozent). Der Disney Channel erreichte 9,1 Prozent (9,5 Prozent).

ZDF und ARD belegten auch im Jahr 2017 die ersten Ränge, obwohl die ganz großen Sportereignisse fehlten. Einen kleinen Schub brachte der Fußball-Confed-Cup, der dem ZDF zum Beispiel beim Finale gegen Chile (1:0) Anfang Juni an die 15 Millionen Zuschauer bescherte. Das ZDF profitierte von besonders auch von den vielen Krimis, unter anderem holte der Film „Die Toten vom Bodensee – Die Braut“ 8,11 Millionen Zuschauer. Die ARD darf trotz einiger Schwächen immer noch auf den „Tatort“ setzen, besonders die Ermittler aus Münster punkten. (dpa/KT)