Dienstag, 02. Januar 2018, 17:34 Uhr

Das Berliner Eisbärchen ist tot

Die Freude war groß, als der kleine Eisbär im Dezember in der deutschen Hauptstadt zur Welt kam, doch sie währte nicht lang. Das Tier wurde nur 26 Tage alt.

Das Berliner Eisbärchen ist tot
Foto: Tierpark Berlin

Das Eisbärenjunge im Tierpark Berlin ist knapp einen Monat nach seiner Geburt gestorben. Damit verliert die Eisbärenmutter Tonja bereits zum zweiten Mal hintereinander ihren Nachwuchs. Im vergangenen Jahr war der kleine Eisbär Fritz als erster Wurf im Alter von vier Monaten plötzlich gestorben. Die Ursache ist bis heute nicht geklärt. Auch das zweite Jungtier, das nur 26 Tage alt wurde, wird nun im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung obduziert.

Die Begeisterung nach der Geburt war groß, fast zehn Jahre nach der Euphorie um den Eisbären Knut aus dem Zoo in West-Berlin. Noch am Neujahrstag waren Pfleger erfreut, das Eisbären-Junge wohlbehalten nach der Silvesternacht zu entdecken und bei der achtjährigen Eisbärenmutter Tonja trinken zu sehen. Jede Störung und auch Lärm gelten als potenzielle Gefahren für die Eisbären-Aufzucht, und anders als bei Knut sollte das Junge auch nicht mit der Flasche aufgezogen werden. Zuletzt ging alles gut. Doch beim Blick auf die Überwachungskamera am Morgen des 2. Januar sahen die Pfleger nur noch einen leblosen Körper in der Box. Schon bei Fritz galt der Tod des Jungen nicht als Schuld der Eisbärin.

Eisbären kommen sehr unreif auf die Welt

„Wir wussten, dass die Jungtiersterblichkeit in den ersten Wochen sehr hoch ist, dennoch sind wir deprimiert und es macht uns traurig“, sagte der Eisbären-Kurator Florian Sicks. Bereits der Tod von Fritz im vergangenen März war ein herber Schlag für den Tierpark. Denn die achtjährige Tonja und ihr sechsjähriger Partner Wolodja sind im besten Eltern-Alter, auch wenn sich der Eisbären-Vater wie in freier Natur nicht um den Nachwuchs kümmert. Tonjas Wurfbox war für diesen Winter renoviert worden, um Hygienemängel auszuschließen.

Eisbären kommen sehr unreif auf die Welt, auch das macht das Sterblichkeits-Risiko so hoch. Sie sind nicht größer als Meerschweinchen, können nicht laufen und haben kein Fell.

Tonja brauchte auch kein Futter, weil sie sich genug Winterreserven angefressen hatte. Die Beobachtung erfolgte allein über nagelneue Kameras. Per Livestream und Chat gab Kurator Sicks Auskunft über die Lebensweise von Eisbären – das Interesse war riesig. Der im Vergleich zum Zoo weniger bekannte Tierpark im Osten der Stadt bekam mehr als 10 000 Follower in sozialen Netzwerken.

Für den Tierpark ist der neue Todesfall auch ein finanzieller Verlust. Die Eintrittsgelder zum Mini-Eisbär-Gucken hätten ab Frühjahr helfen können, die Sanierung von Gehegen mitzufinanzieren. Und Eisbär-Junge sind für Zoos immer auch Botschafter für den Artenschutz im Zeitalter des Klimawandels. (Ulrike von Leszczynski, dpa)