Dienstag, 02. Januar 2018, 21:20 Uhr

Filmkritik "Das Leuchten der Erinnerung": Lovestory mit Star-Power!

Paraderollen für zwei echte Weltstars: Helen Mirren und Donald Sutherland spielen in „Das Leuchten der Erinnerung“ vom italienischen Regie-Star Paolo Virzi („Die süße Gier“) voller Würde und Grandezza ein altes Ehepaar auf den Spuren des eigenen Lebens.

Filmkritik "Das Leuchten der Erinnerung": Lovestory mit Star-Power!
Foto: Concorde Filmverleih

Noch einmal ein Abenteuer erleben, noch einmal die Grenzen des Alltags durchbrechen, noch einmal dem Alter trotzen! Ella (Helen Mirren) und John (Donald Sutherland), ein hochbetagtes Ehepaar aus Boston, wagt, wovon viele nur träumen.

Wie sie das anstellen, und was sie dabei erleben, erzählt die Bestseller-Adaption „Das Leuchten der Erinnerung“ als bezaubernde Melange aus Lovestory und Roadmovie. Die leise Erzählung fesselt von Anfang an, weil sie einen ernsten Hintergrund hat: Seit einem halben Jahrhundert sind Ella und John miteinander verheiratet. Doch das bisher so dauerhafte Glück ist Ängsten und Unsicherheit gewichen. Denn sie hat Krebs, und er leidet zunehmend an Alzheimer. Beide wissen, dass sie nicht mehr viel Zeit haben. Aber haben sie überhaupt noch die Kraft, mit Volldampf durchzustarten?

Eine zarte Geschichte wird zum Ereignis

Entgegen allen Vorbehalten ihres Sohnes Will (Christian McKay) besteigen die Zwei kurzentschlossen einen ebenfalls schon recht in die Jahre gekommenen Wohnwagen. Die Fahrt geht Richtung Key West in Florida. Sie möchten das dortige Wohnhaus des Schriftstellers Ernest Hemingway besuchen. Der Trip führt sie entlang der US-amerikanischen Ostküste. Unwägbarkeiten und Überraschungen sorgen für kleinere Zwischenfälle. Das Wesentliche für die Beiden aber ist, dass sie noch einmal die unerschütterliche Kraft ihrer Liebe spüren.

Die zwei Oscar-Preisträger machen die zarte Geschichte um die Unfassbarkeit des Glücks zum Ereignis. Helen Mirren zeigt in ihrem faszinierend zurückhaltenden Mienenspiel, wie die körperlich geschwächte Ella mit Wachheit im Denken auftrumpft. Äußerliche Schönheit spielt für sie keine Rolle. Wegen Ellas Krankheit hat sie sich sogar eine Glatze scheren lassen. Zu Recht wurde die britische Star-Schauspielerin für ihren künstlerischen Wagemut mit einer Nominierung für die Golden Globes 2018 als beste Hauptdarstellerin geehrt.

Filmkritik "Das Leuchten der Erinnerung": Lovestory mit Star-Power!
Foto: Concorde Filmverleih

Donald Sutherland steht seiner Partnerin in schauspielerischer Intensität nicht nach. Bezwingend gelingt es ihm, dem Verlöschen des Geistes von John voller Würde Ausdruck zu geben. Rührseligkeit hat keine Chance. Das große Können der beiden Akteure adelt die gelegentlich doch etwas vorhersehbare Story mit Momenten großer Schauspielkunst. Höhepunkte sind jene Szenen, in denen sie das Paar zeigen, wie es des Nachts unterm Sternenzelt in Erinnerungen an bessere Tage schwelgt. Da dürfte manche Träne im Kino fließen.

Nach 26 Jahren wieder vor der Kamera vereint

26 Jahre nachdem sie zuletzt für den Film „Bethune – Arzt und Held“ gemeinsam vor einer Filmkamera agierten, haben Helen Mirren und Donald Sutherland nun erstmals wieder zusammen gearbeitet. Es hat sich gelohnt. Denn vor allem ihrem feinnervigen Schauspiel ist es zu danken, dass die Geschichte um eine Liebe in späten Jahren ungemein fesselt.

Filmkritik "Das Leuchten der Erinnerung": Lovestory mit Star-Power!
Regisseur Paolo Virzì mit den Hauptdarstellern Donald Sutherland und Helen Mirren. Foto: Concorde Filmverleih

Der bekannte italienische Regisseur Paolo Virzi („Die süße Gier“) setzt in seinem ersten in Englisch gedrehten Spielfilm vor allem auf leise Töne. Das gibt der Geschichte eine glaubhafte Authentizität. Dies auch, weil Virzi durchweg nicht den Blick für die soziale Realität aus den Augen verliert. Der große Trumpf jedoch sind seine zwei Hauptdarsteller. Wohl jeder Zuschauer dürfte Helen Mirren und Donald Sutherland in sein Herz schließen. (Peter Claus, dpa)