Mittwoch, 03. Januar 2018, 21:45 Uhr

"Get the F*ck out of my House": Kindergarten mit 100 Leuten auf 116qm

So manches TV-Spektakel wird ja immer wieder als „einzigartig“ gepriesen und verschwindet hernach für immer in der Versenkung. Oder erinnert sich noch jemand an „Newtopia“? Mal sehen, wie es dieser neuen Show bei ProSieben ergeht.

"Get the F*ck out of my House": Kindergarten mit 100 Leuten auf 116qm
Foto: ProSieben

100 Menschen für einen Monat in einem Haus, das eine Grundfläche von 116 qm hat – kann das gut gehen? Die TV-Show „Get the F*ck out of my House“ macht genau das zu ihrer Grundlage und winkt mit 100 000 Euro für denjenigen, der als Letzter das Haus verlässt. Zu sehen ist das Ganze mit geplanten fünf Folgen von diesem Donnerstag (20.15 Uhr) an auf ProSieben.

Das Einfamilienhaus steht in Satzvey in der Eifel und bietet normalerweise Platz für vier Personen. Entsprechend klein oder groß sind die vier Wohnräume, die Küche ist winzig, und das Bad (mit nur einer Toilette) ist noch kleiner. Da kann es in der Schlange schon mal zu Wartezeiten von einer Viertelstunde kommen.

Zwar umzingelt ein ganz hübscher Garten samt Teich das Häuschen, doch bis auf die Terrasse (9 qm) haben die Bewohner nichts davon. Sobald einer durch die stets unverschlossene Haustür hinaustritt, ist er raus aus dem Spiel – um das ganz klar zu machen, ist ein rotes Band ums Haus gewickelt.

Bewohner von Castingagentur ausgesucht

Die Bewohner sind einander wildfremd und wurden von einer Castingagentur ausgesucht – nahezu alle verfügen wohl über eine ordentliche Portion an Selbstdarstellungsbedürfnis. Der jüngste Kandidat ist 19 Jahre alt und schläft unterm Tisch, der älteste ist Schweizer, feiert im Haus seinen 82. Geburtstag und muss auch auf dem Fußboden schlafen.

"Get the F*ck out of my House": Kindergarten mit 100 Leuten auf 116qm
Foto: ProSieben

Lediglich 16 Menschen sind über 40 Jahre alt, und die 45 Frauen und 55 Männer kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, 38 von ihnen leben in Nordrhein-Westfalen. Jeder darf nur eine Kiste mit ein paar Klamotten und Waschzeug mitbringen, Elektroartikel sind tabu.

Der 82-jährige Kurt hat sich zum Beispiel ein provisorisches Bett im Flur gebastelt – ohne Matratze. Für Kandidat Henri (29) ist das allerdings ein unzumutbarer Zustand: „Für mich ist das selbstverständlich, dass ein 82-jähriger Mann in einem Bett schläft und nicht irgendwo auf dem Fußboden liegt“, schimpft der LKW-Fahrer aus Sachsen. Da fragt sich nun, wer zum Teamplayer wird, und wer zum Stratege…

Foto: ProSieben
Foto: ProSieben

Damit sich diese ungewöhnliche Gemeinschaft – ein Kandidat spricht gar von „Kindergarten“ – nicht zusehends zerfleischt und regelmäßig etwas zu essen bekommt, wird jede Woche aus ihrer Mitte ein sogenannter „Hausboss“ gewählt. Er kann unter anderem das in diversen Spielen erzielte Haushaltsgeld einsammeln, damit Lebensmittel bestellen und über die Vorräte im Keller wachen – und natürlich bewohnt er eigene Räumlichkeiten mit sagenhaften 33 Quadratmetern.

Hausboss Nr. 1 ist ein 56-jähriger Rentner aus Schleswig, und seine erste Amtshandlung beweist Teamgeist: Die nur für ihn reservierte Toilette räumt er für die Frauen im Haus. Er kann aber auch eigenmächtig Bewohner rausschmeißen.

"Get the F*ck out of my House": Kindergarten mit 100 Leuten auf 116qm
Privat auch ein Paar: Jana Julie Kilka und Thore Schölermann moderieren. Foto: ProSieben

Moderatorenpaar auch privat zusammen

Die beiden Moderatoren Thore Schölermann (33, „The Voice Kids“, Sat.1) und Jana Julie Kilka (30, „Verbotene Liebe“) sind auch privat ein Paar und wohnen sicher deutlich komfortabler. „Zu zweit wären wir hier aber eingezogen“, versichern sie keck in der Show und führen teils betont freundlich, teils recht ironisch durch das Geschehen, das von 34 Kameras überwacht wird. Hinlänglich bekannte Shows aus dem Container („Big Brother“) oder dem Urwald („Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“) lassen grüßen, nur dass es hier noch deutlich klaustrophobischer zugeht.

"Get the F*ck out of my House": Kindergarten mit 100 Leuten auf 116qm
Foto: ProSieben

Alle Folgen wurden – auch aus Kostengründen – aufgezeichnet. Aus dem Herkunftsland Niederlande stammen deutlich bessere Entertainer und Formate – und im Grunde sollte die Zeit für solch voyeuristische Sendungen hierzulande endlich vorbei sein. (Klaus Braeuer, dpa)