Freitag, 05. Januar 2018, 12:59 Uhr

Schauspielverband rechnet mit mehr Belästigungs-Vorwürfen

Nach den schweren Anschuldigungen gegen den Regisseur Dieter Wedel will der Berufsverband Schauspiel an einem „notwendigen Kulturwandel“ mitwirken – nicht nur in der Film- und Fernsehbranche.

Nach den Anschuldigungen gegen den Regisseur Dieter Wedel (75) rechnet der Bundesverband Schauspiel in Zukunft mit weiteren Vorwürfen über sexuelle Belästigung und sexuellen Missbrauch in der Film- und Fernsehbranche. „Der Bundesverband Schauspiel wird die einzelnen konkret in den Medien diskutierten Fälle nicht kommentieren“, teilte der Verband in einer Stellungnahme heute in Berlin mit. Das verbiete der Respekt gegenüber den betroffenen Personen. Außerdem wolle der Verband Vorverurteilungen vermeiden.

„Als Berufsverband Schauspiel ist es vielmehr unsere Aufgabe, an einem notwendigen Kulturwandel mitzuwirken, damit künftig diese diskutierten existenten Missstände (…) gesamtgesellschaftlich und damit auch in der Film- und Fernsehbranche abgestellt werden“, heißt es in der Stellungnahme des Verbands, zu dessen Vorstand die Schauspieler Hans-Werner Meyer und Heinrich Schafmeister gehören.

Beschwerdestelle soll eingerichtet werden

Es bestehe branchenübergreifend Konsens, dass eine überbetriebliche Beschwerdestelle gegründet werden müsse. Auch die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hatte sich bereits am Donnerstag für diese Idee stark gemacht.

In einem Bericht des aktuellen „Zeit-Magazins“ kommen mehrere Schauspielerinnen zu Wort, die schwere Anschuldigungen gegen Wedel erheben, bis hin zu erzwungenem Sex. Wedel, der unter anderem mit TV-Mehrteilern wie „Der Schattenmann“, „Der große Bellheim“ und „Der König von St. Pauli“ Bekanntheit erlangte, wies die Vorwürfe per eidesstattlicher Erklärung als unzutreffend zurück.

Gisela Friedrichsen, renommierte Gerichtsreporterin, nennt den Fall in einem Beitrag für ‚Die Welt‘ eine „medialen Hinrichtung“ Mit dem 75-jährigen Star-Regisseur stünde „der erste deutsche Regisseur am Medienpranger“. Weiter heißt es in dem Artikel, den ‚Meedia.de‚ zitiert: „Die Vorwürfe gegen Wedel, sollten sie tatsächlich zutreffend sein, dürften verjährt sein.“ (dpa/KT)