Samstag, 06. Januar 2018, 14:52 Uhr

Rose McGowan: "Dann wurde ich in ein winziges Zimmer gebracht..."

US-Schauspielerin Rose McGowan hat jetzt noch detailierter über die sexuellen Übergriffe von US-Filmmogul Harvey Weinstein gesprochen, den sie inzwischen einfach nur noch als „Monster“ bezeichnet. Die 44-Jährige, die vor einigen Monaten die #MeToo-Bewegung erst so richtig ins Rollen brachte und damit einen Skandal auf höchster Hollywood-Ebene lostrat, verrät jetzt in einem langen Artikel des „Elle“-Magazins, was damals wirklich geschehen ist und berichtet ausführlich über den schrecklichen Morgen im Winter 1997.

Rose McGowan: "Dann wurde ich in ein winziges Zimmer gebracht..."
Foto: Jonzen Cousart/WENN.com

McGowan erinnert sich noch daran, dass sie das Sundance Film-Festival besuchte um den Film „Scream“ zu promoten. Ein MTV-Kamerateam begleitete sie damals, anlässlich eines Specials „Ein Tag im Leben von…“. Um 10 Uhr morgens traf sie dann bei Weinstein im Hotelzimmer ein, um Berufliches zu besprechen. „Ich habe mich zur Kamera umgedregt und gesagt: ‚Ich denke mein Leben wird jetzt endlich einfacher!'“.

In dem Artikel schildert der „Charmed“-Star, wie schlecht sie sich im Nachhinhein wegen dieses Gedankens fühlt. „Ich war so wütend auf mich selbst – als hätte ich mich mit diesem Satz selbst verflucht. Als wäre ich diejenige, die sich ihr Leben selbst verhext hat.“

McGowan schildert in ihren Erzählungen, dass damals alle Anwesenden wussten, was passieren würde. „Selbst die Assistenten, die aus dem Raum gingen, bevor ich reinkam. Alle.“ Sobald sie allein mit Weinstein gewesen wäre, sei sie in ein „winziges Zimmer“ gebracht worden – dort sei sie plötzlich wie „erstarrt“ gewesen. „Er ist ja ein Riese“, so McGowan. „Er ist ungefähr 1,98 Meter. Im Schulunterricht haben sie nie mit Jungs über Vergewaltigung gesprochen, aber den Mädchen haben sie gesagt, dass der beste Weg, um zu überleben, darin besteht, sich einfach zu unterwerfen. Hingabe – oder du wirst getötet. Aber die Sache wird dich ohnehin wahrscheinlich umbringen“.

Hat Weinstein 10.000 Dollar gezahlt?

Nach der Vergewaltigung soll Weinstein der damals noch jungen Schauspielerin 10.000 Dollar gezahlt haben. Die spendete sie damals an eine Wohltätigkeitsorganisation, die sich für häusliche Gewalt einsetzte. Sie wollte nichts von dem Geld auf ihrem Konto sehen. „Es war die einzige Art zu sagen ‚Nein, das wollte ich nicht‘.“

Doch Rose McGowan wusste nicht, dass diese Art Vergleich, den sie mit Harvey Weinstein damals verhandelte, keine Geheimhaltungsklausel beinhaltete und schwieg bis vor einem halben Jahr über die schrecklichen Geschehnisse. Zunächst deutete die Schauspielerin die Vorwürfe gegen Weinstein nur an. Im Oktober 2016 rief sie bereits schon mal eine Twitter-Aktion ins Leben mit dem Namen #WhyWomanDontReport.

Weinsteins Vertreter sollen ihr später eine Million Dollar angeboten haben, damit sie den Mund hält. In diesem Jahr entdeckte Rose McGowan dann, dass es die Geheimhaltungsklausel, von der sie dachte, sie hätte sie mit unterschrieben, gar nicht existierte.

Auch den Ex beschuldigt

Die Schauspielerin hat diese Woche auch noch einmal ihren Ex-Verlobten Robert Rodriguez beschuldigt, mit beteiligt gewesen zu sein an den Vorfällen. Der „Vanity Fair“-Zeitschrift erzählte sie vor einigen Tagen, dass ihr damaliger Partner und Regisseur („Planet Terror“) ihre Situation ausnutzte. Sie beschreibt ihn als einen „sehr mächtigen Mann, der viele Leute einwickelte“ – einschließlich sie selbst. Vermutlich täuschte er sie über Jahre und überredete sie dazu, besser zu schweigen.

Während eines Cover-Shootings für das „Rolling Stone“-Magazin im Jahr 2007 mit dem Thema „Grindhouse“ (Rodriguez Film nach „Planet Terror“) brachte McGowan wohl endlich dazu, aufzuwachen. „Für das Shooting gab es nichts außer zwei Gürteln mit Pistolen-Kugeln“, beschrieb sie die Arbeit am Set. Die Gürtel hätten nur halbherzig den Po bedeckt – auch von Filmpartnerin Rosario Daswon. „Ich hab mir nur gedacht ‚Wo sind denn die Klamotten?‘ Ich sollte wohl verkörpern, dass die anderen nicht gut genug seien. Dass ich diejenige bin, die einer anderen den Mann wegschnappt. Ich war diejenige, die Gerüchte streut über andere Mädchen. Dafür habe ich gestanden. Das war ich. Und es macht mich wütend.“

Inzwischen würde Rose McGowan mehr Filmangebote bekommen, als jemals zuvor – einschließlich von Rodriguez, der angeblich vorschlug, einen Film mit ihm gemeinsam zu machen und auch Regie zu führen. „Es ist wirklich lustig, dass solche Leute glauben, ich würde in einem ihrer Filme mitspielen“. Rodriguez hatte ihr auch vorgeschlagen, dass sie quasi ihre eigene „Furiosa“ bekommen könnte – eine Anspielung auf die Heldin der „Mad Max“-Filme.

McGowan hat dazu nur eines zu sagen: „Bitch, ich bin Furiosa! Ich muss sie nicht einem Film spielen. Ich zerschmetterte Dinge im wirklichen Leben.“ (SV)