Mittwoch, 24. Januar 2018, 22:50 Uhr

Filmkritik "Wunder" mit Julia Roberts: Besorgte Mama und entstelltes Kind

Basierend auf R.J. Palacios hochgelobtem und preisgekröntem Debütroman, der in 45 Sprachen übersetzt wurde, erzählt „Wunder“ eine Geschichte über Freundschaft, Mut und Selbstvertrauen.

Filmkritik "Wunder" mit Julia Roberts: Besorgte Mama und entstelltes Kind
Foto: Studiocanal GmbH / Dale Robinette

Unter der Regie von Stephen Chbosky (Drehbuch zu „Die Schöne und das Biest“) ist ein Film entstanden, der mit der Oscar-Gewinnerin Julia Roberts („Erin Brockovich“, „Eat Pray Love“), Owen Wilson („Grand Budapest Hotel“, „Midnight in Paris“) und dem grandiosen kanadischen Nachwuchsstar Jacob Tremblay („Raum – Liebe kennt keine Grenzen“) ein einzigartiges Ensemble vor der Kamera vereint.

August Pullman (Jacob Tremblay), ist ein Junge, um den sich die ganze Familie Pullmann wie um einen Fixstern dreht. Kein Mensch nennt den Kleinen August, sondern Auggie. Auggie ist innerlich wie alle anderen Kinder, nur nach Außen wird es hakelig. Auggie hat ein Gendefekt und sieht anders aus. Es ist alles da, was zu einem Gesicht gehört, aber es eben nicht die Norm. Dieses schiefe Gesicht macht ihm zum Außenseiter und seine Familie will ihn vor Gehässigkeiten aller Art beschützen und zwar rund um die Uhr. Sie schirmen ihn ab.

Owen Wilson und Julia Roberts als etwas seltsames Paar

Auggie wird zu Hause von seiner Mutter Isabel (Julia Roberts) unterrichtet und so lernt er natürlich auch niemanden kennen, mit dem er spielen oder toben kann. Auggie ist bereits 10 Jahre alt, als sein Vater (Owen Wilson) sich durchsetzt und ihn zur Schule gehen lassen will. 10 Jahre lange haben sich die Eltern und seine Schwester Via (Izabela Vidovic) vorrangig um Auggie gekümmert, die vielen Operationen, das ganze Familienleben hat sich angepasst und was das tolle ist, niemand ist verbittert. Das die Mutter ihre Arbeit aufgegeben hat: kein Problem.

Statt Doktorarbeit und intellektueller Herausforderung stemmt Isabel den Unterricht zu Hause und ist ganz Mama. Owen Wilson und Julia Roberts als Ehepaar sind schon schräg, sie leben eine Mischung aus Hanni und Nanni und „Unsere kleine Farm“.

Filmkritik "Wunder" mit Julia Roberts: Besorgte Mama und entstelltes Kind
Foto: Studiocanal GmbH / Dale Robinette

Aber zurück zu Auggie. Schule heißt, rausgehen müssen und Schule heißt auch Schulhof. Und was im Klassenzimmer noch von Lehrern oder tatsächlich netten Mitschülern reglementiert werden kann, wird auf dem Schulhof in den Pausen natürlich komplett unterlaufen. Schulhof heißt Krieg und ziemlich schnell wird Auggie angestarrt und gemobbt. Aber was 1985 in „Die Maske“, ebenfalls einem Film über einen Jungen mit entstelltem Gesicht (mit Cher als Mutter), noch thematisiert wird, greift in „Wunder“ nicht mehr. Es geht um Kinder aus sogenannten besseren Familien, die meinen, Schikane und Mobbing sei ein ererbtes Grundrecht. Auggie wird sich stellen müssen: der Schule und den Kindern, den netten und den Satansbraten.

Filmkritik "Wunder" mit Julia Roberts: Besorgte Mama und entstelltes Kind
Foto: Dale Robinette.

Und mit seinen Fortschritten und Rückschlägen erwacht auch die gesamte Familie Pullmann aus ihrem Dornröschenschlaf. Ein sehr amerikanischer Film nach dem Jugendbuch „Wunder“ von R. J. Palacio von 2012.

Fazit: Zur Pressevorführung wurden stapelweise Taschentuchpackungen angeboten – mit diesem Hinweis seien Sie vorgewarnt oder wild entschlossen sich „Wunder“ zu sehen.