Donnerstag, 01. Februar 2018, 20:22 Uhr

Filmkritik "Der seidene Faden": Daniel Day-Lewis als Kontrollfreak

Der dreifache Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis will nicht mehr: „Der seidene Faden“ ist sein letzter Film vor dem Ruhestand. Ab heute ist er im Kino zu sehen.

Filmkritik "Der seidene Faden": Daniel Day-Lewis als Kontrollfreak
Foto: Universal Pictures

Reynold Woodcock (Daniel Day-Lewis, 60, „Mein linker Fuß“, „Im Namen des Vaters“) ist von Beruf Schneider, was natürlich untertrieben ist. Woodcock ist ein begnadeter Courturier – ein Mode-Zampano, nach dessen Wutausbrüchen ein ganzes Haus zu tanzen hat. Woodcock pflegt seine Schrulligkeiten bis zum Exzess – und der Erfolg gibt ihm Recht. Was er da so entwirft, entspricht wohl dem Geschmack der frühen 1950er: sein Erfolg als Schneider gilt im „Seidenen Faden“ als gesetzt. Über Geschmack und Tragbarkeit lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Daniel Day-Lewis agiert als Kontrollfreak, der die Erde beben lässt, wenn es ihm beliebt. Ihm zu Seite steht seine Schwester Cyril (wie immer hinreißend: Lesley Ann Manville, 61, „North and South“, „Another Year“), welche die Geschäfte im Hintergrund abwickelt. Cyril ist auch die einzige, die dem Berserker Paroli bieten kann – Geschwister eben.

Immer neue Affären

Das Schneiderlein wechselt seine Affären regelmäßig – ein Augenrollen genügt (und das kann Daniel Day Lewis perfekt in allen Stimmungsnuancen) und ebenso routiniert serviert Cyril die Geliebten mit Geschenken und anderen Abfindungen ab. Ex und hopp. Wenn man sich dann nich erfolgreich einredet, dass man eben kein Glück in der Liebe hat, muss man sich auch nicht weiter befragen, was nicht stimmt.

Aber dann taucht eine ziemlich ungeschickte Kellnerin auf. Alma Elson (die Luxemburgerin Vicky Krieps, 34, „Der junge Karl Marx“) fehlt der Esprit der feinen Welt, dafür ist sie ein Dickschädel, wie der Maestro selbst. Der Schneider ist irritiert und inspiriert zugleich. Alma zieht in sein Haus und will auch noch Gleichberechtigung – eine Beziehung auf Augenhöhe und selbstverständlich in der ersten Reihe mit den Kundinnen der Society im „House of Woodcock“. Dem Modetyrann stehen große Veränderungen hervor, seine heißgeliebten Alltagsroutinen interessieren Alma nicht.

Filmkritik "Der seidene Faden": Daniel Day-Lewis als Kontrollfreak
Foto: Laurie Sparham / Focus Features

Eine seltsame Romanze

In „Der seidene Faden“ wird detailversessen und akribisch eine eigene Welt gezeigt und dann biegt der Film in eine gänzlich andere Richtung ab.

Fazit: Der Film ist eine seltsame Romanze. Es ist die Geschichte von einem ungenießbaren Kontrollfreak, dem die Kontrolle abhanden kommt. Irritierend sind die Richtungen, in die der Film sehr ausufernd erzählt und welch pathologische Geschichte sich dahinter entwickelt. Sehr eigenwillig mit irre viel Liebe zum Detail – Daniel Day-Lewis in seiner letzten Rolle vor dem Ruhestand. (Katrin Wessel)

Filmkritik "Der seidene Faden": Daniel Day-Lewis als Kontrollfreak
Foto: Universal Pictures