Samstag, 03. Februar 2018, 19:05 Uhr

"Heilstätten": Nazi Mythos, Geister und Youtuber im deutschen Wald

Am 22. Februar startet in den deutschen Kinos das Gruselspektakel „Heilstätten“. Dahinter verbirgt sich ein Mystery-Horrorfilm der in den düsteren Ruinen des real existierenden verwitterten, einstigen Kurortes Beelitz-Heilstätten in der Nähe von Berlin spielt. Der Film lässt den vermeintlich harmlosen Ausflug der Gruppe zu einem blutigen Albtraum geraten, nur um Klicks auf den social media-Plattformen zu generieren.

"Heilstätten": Nazi Mythos, Geister und Youtuber im deutschen Wald
Emilio Sakraya (Charly), Timmi Trinks (Finn), Lisa-Marie Koroll (Emma), Tim Oliver Schultz (Theo). Foto: Twentieth Century Fox

Trotz vieler Absagen deutscher Verleiher und nach zwei Jahren Drehbuchentwicklung konnte Produzent Schmerbeck die Low-Budget-Finanzierung schließlich mit Koproduzent Fox International Productions (Germany) und dem Major-Verleih 20th Century Fox unterstützt von den Förderanstalten Medienboard Berlin-Brandenburg, FFA und DFFF Ende 2016 endlich auf die Beine stellen.

Das Casting von Schmerbeck zeigt eine starke junge Schauspielergeneration, die auch mit den sozialen Medien gut vernetzt ist. Tim Oliver Schultz („Club der roten Bänder“), Sonja Gerhardt („Kudamm 56“) und Lisa-Marie Koroll (Bibi und Tina) haben bereits viele Kino- und TV-Hauptrollen gespielt und führen das Ensemble erfahren an.

Mit Nilam Farooq („SOKO Leipzig“), Sahneschnittchen Emilio Sakraya (Rock My Heart, Winnetou) und Timmi Trinks (Allein gegen die Zeit) kommen aufstrebende selbstbewusste Schauspieler dazu, die ebenfalls schon in erfolgreichen Kino- und TV-Formaten aufgefallen sind.

"Heilstätten": Nazi Mythos, Geister und Youtuber im deutschen Wald
Foto: Twentieth Century Fox

Auch Freshtorge dabei

Zu den Gästen im Film aus den Hitparaden der YouTube-Kanäle zählen Leon Machére und Freshtorge (Torge Oelrich), die jeweils über zwei Millionen Abonnenten haben.

In den Heilstätten Grabowsee fanden sich perfekte und vor allem ungestörte Bedingungen für einen konzentrierten Dreh. Vor den nur 18 (!) Drehtagen nahm sich der Hauptcast mehrere Tage Zeit den Handlungsablauf on location mit dem Regie- und Kameradepartment zu proben. Erschwert wurden die Dreharbeiten nur durch die Kälte in den unbeheizten Gebäuden. Die Erzählform Found Footage ist ja ziemlich nah dran an der Generation YouTube. Die subjektiven Kameras ziehen den Zuschauer stärker in die Geschichte. Bestenfalls glauben sie live mit dabei zu sein.

"Heilstätten": Nazi Mythos, Geister und Youtuber im deutschen Wald
Foto: Twentieth Century Fox

Keine ausgeleuchteten Filmsets

Es ist ein interessantes Experiment, welches über den „Blair-Witch-Project“-Effekt hinausgeht, da mit vielen verschiedenen Kameras gearbeitet und somit eine visuelle Vielfalt gestaltet wurde. Erstaunlich bei dem Prozess ist die Tatsache, dass inzwischen Consumer-Kameras wie die Panasonic Lumix GH 5 (bei den Dreharbeiten noch GH 4) Bilder herstellen, die Kinoqualität besitzen. Auch die Entscheidung nur mit „practical lights“ zu drehen war für die Atmosphäre des Films entscheidend, keine ausgeleuchteten Sets, sondern pure Lichtgestaltung mit einfachsten Mitteln wie Taschenlampen und Kerzen.

"Heilstätten": Nazi Mythos, Geister und Youtuber im deutschen Wald
Betty mit kaputtem Fuss. Foto: Twentieth Century Fox

Den Titelsong „Heilstätten“ zum gleichnamigen Film komponierte der erfolgreiche Musikproduzent Peter Plate (ehemals Rosenstolz), der inzwischen durch die erfolgreichen Soundtracks von“Bibi und Tina“ fest im Filmgeschäft verankert ist – zusammen mit seinem neuen Act Maxine Kazis. Die Sängerin aus der Schweiz spielt auch eine Nebenrolle im Spielfilm.

Der deutsche Horrorfilm ist tot

„Der deutsche Horrorfilm ist tot“, erklärte Produzent Tim Schmerbeck. Tatsächlich sind sämtliche Versuche, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie „Anatomie“ hierzulande gescheitert. „Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich keine deutsche Erzähltradition für dieses durchaus beliebte Genre entwickelt. Meine Firma möchte das ändern. Mystery und Horror sind die angesagten Erzählarten in den beliebten Online-Streaming-Portalen der jungen Zielgruppe. ‚Stranger Things‘, ‚American Horror Story‘ und ‚The Walking Dead‘ sind nur einige der erfolgreichsten Serien unserer Zeit. Sie alle erzählen von übernatürlichen Phänomenen und Horrorgeschichten.“

"Heilstätten": Nazi Mythos, Geister und Youtuber im deutschen Wald
Foto: Twentieth Century Fox

Nun komme ein Film mit dem Thema „Geistersuche und dem ewigen Spuk des Nationalsozialismus in die Kinos und wird gewiss Anklang unter der klaren Zielgruppe der Mystery- und Horrorfans finden“, so der Produzent weiter. „Dabei bauen wir bei unserer Geschichte auf historisches Material. Welche Experimente sind in den heute leerstehenden Heilstätten während des Nazi-Regimes tatsächlich gemacht worden? Wir kombinieren recherchierte Historie mit paranormalen Phänomenen.“

Marnie, die Hauptfigur des Films, bildet sich ein, eine ehemalige Patientin der Heilstätten, die zur Zeit des Nationalsozialismus dort umgebracht wurde, als Erscheinung gesehen zu haben.

Schmerbeck sagte dazu: „Gibt es eine paranormale Energie? Fragen müssen bleiben, auch nach dem Ende des Films, damit der Zuschauer selbst neugierig wird, sich weiter damit zu beschäftigen. Somit ist der Horror des Films die Kombination des realen Ortes, die geschickt eingebauten und bösen historischen Fakten, der Nazi-Mythos und die paranormale Ebene, die mit dem Look des Found Footage realer wird als so manch anderer Geister-Film. Das, kombiniert mit dem Social-Media-Verhalten der jungen Generation, ergibt einen aktuellen und spannenden Unterhaltungsfilm.“