Dienstag, 20. Februar 2018, 18:57 Uhr

Marie Bäumer als Romy Schneider: Drei bewegende Tage in Quiberon

Regisseurin Emily Atef präsentiert gestern mit einer Weltpremiere ihren neuen Film „3 Tage in Quiberon“ über die deutsch-französische Filmlegende Romy Schneider im Wettbewerb der Berlinale.

Marie Bäumer als Romy Schneider: Drei bewegende Tage in Quiberon
Marie Bäumer mit ihrem Sohn Shawn bei der Berlinale. Foto: AEDT/WENN.com

Quiberon, März 1981: Der Journalist Michael Jürgs und der Fotograf Robert Lebeck bekommen die Chance, den Weltstar Romy Schneider in dem kleinen bretonischen Ort für das Hamburger Magazin Stern zu interviewen. Aus dem geplanten Gespräch werden drei emotional herausfordernde Tage für alle Beteiligten…

„Nicht in Bestform“

An drei Tagen des Jahres 1981 war Romy Schneider laut Stern „nicht in Bestform“: Während ihres Aufenthaltes in einem Luxushotel in der Bretagne empfing sie ein Team von Journalisten, um, so das Magazin, erstmals über das zu sprechen, „was sie bedrückt, krank macht und voller Hilflosigkeit zur Flasche greifen lässt.“ ( Stern, 23.4.1981).

In der Tat verdichteten sich zu diesem Zeitpunkt einige Themen ihres Lebens: 1979 hatte Schneiders Ex-Ehemann Harry Meyen Selbstmord begangen, um den gemeinsamen Sohn David war ein Sorgerechtsstreit entbrannt, die Scheidung von Ehemann Daniel Biasini stand ins Haus. Hinzu kamen eine komplizierte Nierenoperation und finanzielle Sorgen, die Romy zum ständigen Filmedrehen zwangen – und zwar nicht nur aus einer künstlerischen Motivation heraus.

Marie Bäumer als Romy Schneider: Drei bewegende Tage in Quiberon
Peter Hartwig/ Rohfilm Factory/ Prokino

Wie in den rund 30 Jahren zuvor interessierte sich die deutsche Öffentlichkeit auch zu diesem Zeitpunkt brennend für das Privatleben des Weltstars. Dabei unterschieden die Medien nicht immer zwischen Mensch und Schauspielerin: War Romy Schneider in den 1950er „Sissi“-Jahren der Inbegriff der reinen Unschuld, wandelte sie sich später wahlweise zur Landesverräterin (Umzug nach Frankreich zu Alain Delon), Frau der vielen Affären oder Opfer vieler Männer und Drogen. Egal, welchen Part sie aktuell in den Medien verkörperte – sie lieferte zuverlässig die gewünschten Skandale.

Das letzte große Interview

Inspiriert von den beeindruckenden, sehr persönlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die Robert Lebeck 1981 von Romy Schneider in Quiberon gelangen, erzählt die Regisseurin Emily Atef („Das Fremde in mir“, „Töte mich“) in „3 Tage in Quiberon“ von einem entscheidenden Ereignis in der letzten Lebensphase einer der berühmtesten deutschen und europäischen Schauspielerinnen. Atefs in schwarz-weiß gedrehtes Leinwandepos über ihr letztes großes Interview ist nicht nur das Porträt einer hochbegabten, sensiblen Frau in all ihrer Widersprüchlichkeit, sondern stellt ganz allgemein die Frage nach dem Spannungsverhältnis zwischen öffentlicher und privater Person.

Marie Bäumer als Romy Schneider: Drei bewegende Tage in Quiberon
Foto: Peter Hartwig/ Rohfilm Factory/ Prokino

Mit einer herausragenden Marie Bäumer („Der Geschmack von Apfelkernen“, „Zum Geburtstag“) in der Hauptrolle gelingt es Atef, weniger den Star als vielmehr den Menschen Romy Schneider in den Vordergrund zu rücken. In den Nebenrollen brillieren Birgit Minichmayr („Alle Anderen“, „Nur Gott kann mich richten“) als Romys Freundin Hilde, Robert Gwisdek („Das Wochenende“, „Schoßgebete“) als Michael Jürgs und Charly Hübner („Vor der Morgenröte“, „Magical Mystery“) als Robert Lebeck.

Drei Monate nach dem Interview verstarb 5. Juli 1981 ihr vierzehnjähriger Sohn bei dem Versuch, über einen Zaun seiner Großeltern zu gelangen. Romy Schneider starb am 29. Mai 1982 an gebrochenem Herzen.

Der Film kommt am 12. April in die deutschen Kinos.

Marie Bäumer als Romy Schneider: Drei bewegende Tage in Quiberon
Foto: Peter Hartwig/ Rohfilm Factory/ Prokino