Dienstag, 27. Februar 2018, 21:53 Uhr

Oscars: Von der Mini-Party zum Riesen-Event

Fünf Dollar kostete die Eintrittskarte zu den „1st Academy Awards“ im Jahr 1929. Mit der Gala wollte sich die lokale Filmindustrie feiern. Seitdem hat sich einiges verändert – die Oscars sind die wichtigsten Filmpreise der Welt geworden. Ein Rückblick zur 90. Verleihung.

Oscars: Von der Mini-Party zum Riesen-Event
Blick ins Dolby Theatre 2017. Foto: Image Group LA / A.M.P.A.S.

Gerade einmal 15 Minuten dauerte die Preisverleihung. Dann waren die ersten Academy Awards auch schon wieder vorbei. Nur 270 Gäste waren zu dem Bankett in das Roosevelt Hotel am Hollywood Boulevard gekommen. Das war im Jahr 1929. Damals ahnte wohl auch kaum jemand, dass diese Awards in Los Angeles den Grundstein für den wichtigsten Filmpreis der Welt legen würden: die Oscars. In wenigen Tagen ist es wieder soweit.

Am Sonntag (4.3.) werden die Auszeichnungen bereits zum 90. Mal verliehen, weltweit schalten Millionen Menschen die Übertragung von Hollywoods glamourösester Gala ein.

Oscars: Von der Mini-Party zum Riesen-Event
Foto: Image Group L / A.M.P.A.S.

Emil Jannings war der erste Preisträger

Mit dem allerersten Preis wurde 1929 Emil Jannings geehrt. Der Deutsche erhielt die Auszeichnung als bester Schauspieler für die beiden in den USA gedrehten Stummfilme „Sein letzter Befehl“ und „Der Weg allen Fleisches“ – es ist bis heute der einzige Academy Award für einen deutschen Hauptdarsteller. Damals war der Preis für Jannings allerdings keine große Überraschung: Alle Gewinner standen schon Monate vor der Verleihung fest, so auch die Trophäe für den besten Film. Die ging an den Kriegsfilm „Flügel aus Stahl“ von William A. Wellman.

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Jamie Dornan, Dakota Johnson und Gäste. :Matt Petit / A.M.P.A.S.

Seit dieser Feier hat sich einiges verändert. Fand die erste Preisvergabe noch im Mai statt (am 16. Mai 1929), wurde die Gala mittlerweile auf Ende Februar oder Anfang März vorgezogen. Auch der Name wandelte sich. Schon zu Anfang war die Trophäe zwar ein Ritter, der auf einer Filmspule steht und sich auf ein Schwert stützt.

Doch erst 1939 ließ die Akademie den Spitznamen „Oscar“ zu. Angeblich geht er auf eine Bibliothekarin der Akademie zurück, die meinte, dass die Statue ihrem Onkel Oscar ähnlich sehe.

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Jimmy Kimmel onstage. Foto: Scott Diussa/ A.M.P.A.S.

Ab 1941 gab’s verschlossene Kuverts

Außerdem wurden die Medien jahrelang vorab über die Gewinner informiert. Doch als dann eine Zeitung die Preisträger noch vor Gala-Beginn verkündete, änderte man diese Praxis. Deswegen gibt es seit 1941 verschlossene Briefumschläge, die erst zur Verkündung geöffnet werden. Das ging lange gut – bis im vergangenen Jahr ein falscher Umschlag ausgehändigt und zunächst „La La Land“ als bester Film bekanntgegeben wurde, bevor schließlich das Team von „Moonlight“ den Haupt-Oscar überreicht bekam.

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Blick in den Zuschauerraum 2017. Foto: Image Group LA/ A.M.P.A.S.

Viele Zuschauer werden sich auch noch erinnern können, dass früher die Gewinner mit den Worten „And the winner is…“ verkündet wurden. 1989 aber entschied sich die Akademie für eine Formulierung, die weder Gewinner noch Verlierer impliziert – seitdem heißt es neutraler „And the Oscar goes to…“.

Mittlerweile ist die Gala eines der wichtigsten TV-Entertainment-Events geworden, das nach der Ausstrahlung verlässlich für Gesprächsstoff sorgt. Egal, ob es das seltsam abgespreizte Bein von Angelina Jolie auf dem roten Teppich ist, der euphorische Tanz des italienischen „Das Leben ist schön“-Regisseurs Roberto Benigni oder das Selfie von Moderatorin Ellen DeGeneres mit zahlreichen Promis, das innerhalb kürzester Zeit millionenfach bei Twitter verbreitet wurde.

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Halle Berry (Im Hintergrund Scarlett Johansson). Foto: Matt Petit/ A.M.P.A.S.

Doch auch wenn sich Hollywood mit diesem Abend selbst feiern will, so gerieten die Awards auch immer wieder wegen politischer und gesellschaftlicher Konflikte in die Schlagzeilen. 1940 etwa erhielt Hattie McDaniel als erste Schwarze eine Auszeichnung als beste Nebendarstellerin in „Vom Winde verweht“ – wegen der Segregation in den USA wurde Hattie aber von ihren weißen Filmkollegen getrennt an einen Extra-Tisch gesetzt. Und 1973 weigerte sich Marlon Brando aus Protest gegen die Unterdrückung der Indianer, seinen Oscar als bester Hauptdarsteller für „Der Pate“ anzunehmen.

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Snacks fliegen vom Himmel. Foto: Phil McCarten/ A.M.P.A.S.

Immer wieder Proteste

Debatten wie diese halten bis heute an. Noch immer wird die Akademie zum Beispiel dafür kritisiert, dass besonders viele weiße Filmschaffende und verhältnismäßig wenige Vertreter von Minderheiten für Preise nominiert werden. Vor drei Jahren gipfelte das in Protesten, die im Internet unter dem Stichwort #OscarsSoWhite zusammengefasst wurden. Und 2018? Da deutet vieles darauf hin, dass die Oscars nach den Missbrauchsvorwürfen und der MeToo-Debatte kämpferischer als sonst ausfallen – was möglicherweise sogar die Preisträger etwas in den Schatten stellen könnte.

Oscars: Von der Mini-Party zum Riesen-Event
Emma Stone kriegt 2017 ein Bussi von Ryan Gosling. Foto: Scott Diussa / A.M.P.A.S.

Was läuft nun in der Nacht zum Montag? Also: In Deutschland zeigt ProSieben die Verleihung in der Oscar-Nacht wieder live: Am Sonntag (4.3.) um 23.30 Uhr startet der „Oscar-Countdown“, danach (Montag, 5.3.) wird ab 00.45 Uhr vom roten Teppich gesendet.

Ab 2.00 Uhr folgt die Live-Übertragung der Oscar-Verleihung – auch online auf ProSieben.de im Livestream. (Aliki Nassoufis, dpa)

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Justin Timberlake performt 2017 und auch Gattin Jessica Biel ist hin und weg. Foto: Scott Diussa / A.M.P.A.S.