Samstag, 03. März 2018, 21:44 Uhr

Cher bei der weltgrößten Schwulenparade

Vor 40 Jahren wurden die Teilnehmer noch von der Polizei verprügelt. Jetzt ist die Mardi-Gras-Parade in Sydney ein riesiges Volksfest. Auch ein Mega-Promi aus Amerika feierte mit.

Cher bei der weltgrößten Schwulenparade
Auch Cher nahm an der 40. Mardi Gras Parade teil. Foto: Joel Carret/AAP

Tausende Schwule und Lesben sind in Sydney zur jährlichen Mardi-Gras-Parade auf die Straße gegangen. Sie erinnerten am Samstag zugleich an den ersten derartigen Marsch vor 40 Jahren, der von der Polizei brutal niedergeschlagen wurde. Rund 300.000 Zuschauer säumten die Straßen der australischen Metropole. Als Stargast nahm US-Sängerin und Schauspielerin Cher (Teile von ihr sind 71) teil. Die Diva performte dann auch via Vollplayback…

Angeführt wurde die Parade mit rund 12 500 Teilnehmern von einem Festwagen der Ureinwohner, auf dem sich der Aborigine Chris Bonney als britischer Entdecker James Cook (1728-1779) verkleidet hatte. „Dieser Mardi Gras spiegelt unser neues Australien wider“, sagte er. Es gebe „einen großen, positiven Wandel“ im Land.

Über 200 Festwagen

Die Aktivistin Betty Hounslow (66) erinnerte an den ersten Marsch 1978, als die Polizei auf die Teilnehmer eindrosch und 53 von ihnen festnahm. „Jetzt marschiert die Polizei mit uns in der Mardi-Gras-Parade. Das ist echt unglaublich“, sagte die „78erin“. Bis vor rund 20 Jahren war Homosexualität in Teilen Australiens noch strafbar. Ende vergangenen Jahres wurden gleichgeschlechtliche Ehen ermöglicht. Am Donnerstag heirateten in Sydney zwei Männer auf dem höchsten Punkt der weltberühmten Hafenbrücke.

Cher bei der weltgrößten Schwulenparade
Rund 300 000 Zuschauer säumten die Straßen von Sydney. Foto: Erik Anderson/AAP

Mehr als 200 extravagante Festwagen rollten durch die Oxford Street, während Teilnehmer in Leder und Federn zum Applaus des Publikums sangen und tanzten. Kurz bevor Cher auftauchte ließ man eine lastwagengroße Sektflasche knallen, die hunderte Marschierer und Schaulustige auf dem Taylor Square mit Glitter aus biologisch abbaubarem Papier überschüttete. Auf dem „Wagen des Gedenkens“ waren 60 große Schmetterlingsfiguren festgemacht. Sie sollten an die Aids-Toten aus Sydneys Schwulenszene erinnern.

 „Dykes on Bikes“

Mit „Dykes on Bikes“ (Lesben auf Fahrrädern) präsentierte sich eine von Australiens ältesten Lesbengruppen. Auf einem Wagen, der einer riesigen rollenden Hochzeitstorte glich, heirateten zwei Männer. „Ich wollte immer eine Riesenhochzeit, 200 000 Leute sind gerade genug“, sagte James Brechney, der Stuart Henshal das Jawort gab.

Cher bei der weltgrößten Schwulenparade
Der Mardi Gras in Sydney ist ein dreiwöchiges Schwulen- und Lesbenfestival. Foto: Joel Carret/AAP/

Auch Australiens Premierminister Malcolm Turnbull (63), der in Sydney den Wahlkreis hat, ließ sich kurz bei den Schwulen und Lesben sehen. Er wurde von seiner Frau Lucy begleitet und zog eine Parallele zwischen Mardi-Gras-Parade und eigener Lebensgeschichte. „Sie ist 40 Jahre alt, und vor 40 Jahren hatten Lucy und ich unser erstes Date. So ist unsere Liebesaffäre ein Ergebnis von Mardi Gras.“ (dpa/KT)