Samstag, 03. März 2018, 21:20 Uhr

Gerd Nefzer hofft auf einen Oscar: Der Herr über die Special Effects

Blade Runner 2049″ oder „Planet der Affen: Survival“? – diesen Filmen werden die Top-Chancen für den Oscar in der Sparte „Visuelle Effekte“ eingeräumt. Der Deutsche Gerd Nefzer hofft auf seine erste Trophäe.

Gerd Nefzer hofft auf einen Oscar: Der Herr über die Special Effects
Gerd Nefzer ist mit „Blade Runner 2049“ für einen Oscar in der Kategorie „Visuelle Effekte“ nominiert. Foto: Barbara Munker

Künstlicher Regen ist einer von Gerd Nefzers Tricks – und prompt schüttet es bei seinem Besuch in Los Angeles. „Das kann ich nicht ändern“, grinst der Spezial-Effekte-Experte kurz vor der Oscar-Verleihung. „Wir können Regen machen, aber nicht ausschalten.“ Nebel, Regen, Schnee und Sturm waren seine Spezialaufgaben auf dem Set des Films „Blade Runner 2049“. Und für diese Spezial-Effekte könnte der 52-jährige gebürtige Schwabe einen Oscar gewinnen.

„Stress mache ich mir nicht. Das ist einfach ein super tolles Erlebnis“, schwärmt er mit schwäbischem Akzent. Am Mittwoch ist der zweifache Vater mit seiner Ehefrau eingeflogen. Gewöhnlich pendelt er zwischen dem Firmensitz in Schwäbisch Hall, der Dependance in Babelsberg und Filmsets in aller Welt. Vor zwei Wochen stand er mit seinen US-Kollegen Richard R. Hoover, John Nelson und Paul Lambert in London auf der Bühne, wo das Team den begehrten Bafta-Filmpreis für visuelle Effekte holte. (Welche Naturgewalten Nefzer ohne Computertricks so drauf hat, zeigt das folgende Video eindrucksvoll).

„Ich wäre der erste Deutsche“

„Jetzt hoffen wir, wieder etwas mit nach Hause zu nehmen“, sagt Nefzer mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich hat vor ihm schon ein Deutscher in dieser Kategorie gewonnen: 1997 holte Volker Engel für seine visuellen Effekte in dem Science-Fiction-Hit „Independence Day“ des deutschen Regisseurs Roland Emmerich den Preis.

„Ich wäre aber der erste Deutsche, der für Spezialeffekte gewinnt“, erklärt Nefzer. „Das sind zwei Paar Schuhe. Ich werde immer gefragt, was ich am Computer gemacht habe, und ich sage dann ‚Rechnungen geschrieben‘, denn meine Effekte baue ich nicht im Computer, sie entstehen real am Drehort.“

Seit über 30 Jahren ist der gelernte Agrartechniker im Filmgeschäft. Gegründet wurde die Firma von seinem Schwiegervater Karl Nefzer 1968 als Verleih von Filmautos und -waffen. In den 1980er Jahren kamen Special Effects dazu, nach vielen Fernsehserien dann Aufträge für Filme wie „Inglourious Basterds„, „Die Tribute von Panem“, „Grand Budapest Hotel“, „Bridge of Spies: Der Unterhändler“ und „The First Avenger: Civil War“.

Darstellerin fliegt aus schwebendem Sack

Den düsteren, futuristischen Film „Blade Runner 2049“ unter der Regie von Dennis Villeneuve sieht der erklärte „Star Wars“-Fan als ein Highlight seiner Karriere an, nicht nur wegen der Zusammenarbeit mit Han-Solo-Darsteller Harrison Ford. „Die waren menschlich super in Ordnung, einfach ganz normale Typen“, sagt er über die Hauptdarsteller Ford und Ryan Gosling. Auch mit Regisseur Villeneuve und dem Kameramann Roger Deakins habe das ganze Team auch in schwierigen Szenen toll zusammengearbeitet.

Zu den „stressigsten“ Effekten zählt er eine Szene, in der eine Replikantin aus einem schwebenden Plastiksack „geboren“ wird. Die Schauspielerin sei „wie ein Würstchen“ in der Hülle vakuumiert worden. 20 Sekunden habe sie die Luft anhalten müssen, bevor sie aus dem Sack zu Boden fallen konnte. „Das sieht im Film harmlos aus, aber sie musste uns blind vertrauen, da durfte nichts schief gehen.“

Auf dem roten Teppich wartet eine andere Herausforderung: „Kleidungstechnisch bin ich nicht jemand, der einen Smoking im Schrank hängen hat.“ Das glaubt man dem bodenständigen Schwaben in Jeans und Sweatshirt aufs Wort. Doch nun hat er das passende Outfit, nur die Dankesrede fehlt noch. „Ich werde keine große Rede vorbereiten, man hat ja eh nur 45 Sekunden Zeit“, meint Nefzer. „Jetzt schauen wir erst mal, wie es läuft und ob uns die Affen den Oscar wegschnappen“, fügt er grinsend hinzu.

Scott verlor gegen Spielberg

Mit den „Affen“ ist der schärfste Konkurrent gemeint, dem Hollywood-Insider ebenfalls beste Chancen einräumen. Um den Effekte-Oscar ringen mit „Blade Runner 2049“ die Filme „Planet der Affen: Survival„, „Guardians of the Galaxy Vol. 2„, „Kong: Skull Island“ und „Star Wars: Die Letzten Jedi„.

„Blade Runner 2049“ hat insgesamt fünf Gewinnchancen, auch für beste Kamera, Szenenbild, Ton und Tonschnitt. Ridley Scotts Original-Film „Blade Runner“ war 1983 ebenfalls in der Sparte Special Effects im Oscar-Rennen, verlor aber gegen Steven Spielbergs „E.T. – Der Außerirdische“.

Mit oder ohne Oscar – gleich nach der Trophäengala muss Gerd Nefzer wieder die Koffer packen. „Am Montag geht’s gleich zurück, denn am Dienstag wird schon wieder in Babelsberg gedreht.“ (Barbara Munker, dpa)