Dienstag, 06. März 2018, 20:40 Uhr

Filmkritik "Death Wish": Bruce Willis sieht rot

Ein Mann mutiert vom friedlichen Familienvater zur Kampfmaschine. Ohne Waffen läuft im knallharten Thriller „Death Wish“ gar nichts. Bruce Willis gibt schauspielerisch eine gute Figur ab.

Filmkritik "Death Wish": Bruce Willis sieht rot
Vergangene glückliche Zeiten: Frank Kersey (Bruce Willis), seine Frau Lucy (Elisabeth Shue) und seine Tochter Jordan (Camila Morrone). Foto: Universum Film

Seltsam ist das schon: Die USA diskutieren seit dem Massaker von Parkland über schärfere Waffengesetze, ein Ruck scheint durch das Land zu gehen. Genau zu diesem Zeitpunkt kommt ein Film in die Kinos, der behauptet, dass ein Mann ohne Waffe schutzlos der Gewalt um ihn herum ausgeliefert ist. Dies ist die blutige Prämisse von „Death Wish“, der seit langem geplanten Neuauflage des Klassikers „Ein Mann sieht rot“ (1974).

Nun ist ein Rachethriller kein pazifistisches Manifest, aber ein mulmiges Gefühl hinterlässt dieser bleihaltige, mitunter sehr brutale Genrefilm auf jeden Fall.

Bruce Willis auf Rachefeldzug

Der gut gealterte Action-Profi Bruce Willis („Stirb langsam“) spielt die Rolle des Mediziners Paul Kersey, die damals Charles Bronson innehatte. Der Familienvater muss als Chirurg in der Notaufnahme in Chicago die zahlreichen Schusswaffenopfer behandeln, die der grassierenden Gewalt auf den Straßen zum Opfer gefallen sind.

Als eines Tages Kerseys Ehefrau Lucy (Elisabeth Sue) bei einem Raubüberfall zuhause ermordet und die fast erwachsene Tochter Jordan (Camila Morrone) schwer verletzt wird, mutiert Kersey zum Rachenengel. Er deckt sich mit reichlich Schusswaffen ein – kein Problem bei den laxen Bestimmungen – bringt sich selbst das Schießen bei und macht dann nachts Jagd auf die Kriminellen, die seine Frau auf dem Gewissen haben.

Filmkritik "Death Wish": Bruce Willis sieht rot
Paul Kersey (Bruce Willis) und sein Bruder Frank. Foto: Universum Film

Eli Roth, der König des Gemetzels, hat inszeniert

Horror-Spezialist Eli Roth („Hostel“, „Cabin Fever“) hat diesen mitunter nervenaufreibenden Rachefeldzug nach einer simplen Auge-um-Auge-Logik inszeniert. Weil die Staatsgewalt in Gestalt der Beamten Detective Jackson (Kimberly Elise) und Detective Raines (Dean Norris, „Breaking Bad“) nicht in der Lage ist, die Kriminellen zu fassen, muss ein friedliebender Mann zur Selbstjustiz greifen. Hinterfragt wird diese typisch amerikanische Logik, auf der auch die meisten Western beruhen, immer nur am Rande – in den sozialen Medien und Radioshows wird Kersey im Film sogar zum Helden stilisiert, der endlich aufräumt und die Gewalt wirksam bekämpft.

Filmkritik "Death Wish": Bruce Willis sieht rot
Kersey (Bruce Willis) nach der Beerdigung seiner Frau. Foto: Universum Film

Und diesen Job erledigt Hollywoodstar Bruce Willis (62) immer noch sehr unterkühlt, effizient und gewohnt überzeugend.

Anders als sein Schauspielkollege Robert De Niro, der sich seit Jahren für keine noch so dumme Komödie zu schade ist, hat sich Willis trotz einiger Ausreißer seine schauspielerische Kernkompetenz als harter Hund bewahrt. Er ist der coole, liebevolle Familienvater, und zugleich der gnadenlose Killer. Da liegt zwischen Güte und Groll, zwischen Frühstückstisch und Schlachtbank, manchmal nur ein Augenzucken. Am Ende kommt dem bedächtigen Mediziner sein mit etlichen Toten und expliziten Gewaltszenen gespickter Rachefeldzug selbst wie ein böser Alptraum vor, aus dem er auch dank seines Bruders Jordan (Vincent D’Onofrio) endlich erwacht ist.

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Ein Mann sieht rot: Dr. Paul Kersey. Foto: Universum Film

So bleibt beim Zuschauer nach diesem Thriller auch die Ahnung hängen, wie schnell ein unbescholtener Bürger mit einer Waffe in der Hand zum Monster werden kann. Und diese Erkenntnis ist ja für einen Genrefilm auch schon wieder eine ganze Menge. (Johannes von der Gathen, dpa)