Mittwoch, 07. März 2018, 22:40 Uhr

Filmkritik "Operation 12 Strong": Chris Hemsworth in Afghanistan

Zwölf US-Soldaten gegen eine Armee: Unter der Ägide von Action-Produzent Jerry Bruckheimer inszeniert der Däne Nicolai Fuglsig eine spektakuläre, dazu reale Episode des Afghanistankrieges.

Filmkritik "Operation 12 Strong": Chris Hemsworth in Afghanistan
Foto: Concorde Filmverleih

Ein starker Satz, gleich zu Beginn des Films: „19 Männer haben unser Land angegriffen. Ihr zwölf seid die Ersten, die zurückschlagen.“ Gemeint sind die Terroranschläge des 11. September 2001, ausgeführt von 19 Flugzeugentführern. Der Fokus aber dieses Kriegsdramas liegt nicht auf den Terroristen, sondern auf einer kleinen, nur zwölf Mann starken Eliteeinheit von US-Soldaten: Den ersten Kämpfern, die unmittelbar nach 9/11 nach Afghanistan geschickt wurden, um gegen die Taliban vorzugehen. Der von dem Actionexperten Jerry Bruckheimer („Armageddon“) produzierte Film beruht dabei auf den Berichten amerikanischer Soldaten, veröffentlicht 2009 von US-Autor Doug Stanton unter dem Titel „Horse Soldiers“. In den Hauptrollen sind Chris Hemsworth, Michael Shannon und Michael Peña zu sehen.

Einsatz am Hindukusch

Kaum haben sich die hier porträtierten, amerikanischen Kriegsheroen von ihren Familien verabschiedet, da werden sie schon in Afghanistan abgesetzt: 40 Meilen nördlich der strategisch wichtigen Stadt Masar-e Scharif. Das Team unter Führung von Captain Mitch Nelson (Chris Hemsworth) soll sich zusammentun mit einem lokalen Warlord (Navid Negahban; bekannt aus der Serie „Homeland“), um mit diesem sukzessive auf das, von den Taliban kontrollierte Masar-e Scharif vorzurücken.

Die erste Begegnung aber zwischen dem, der afghanischen Nordallianz zugehörigen Warlord und den amerikanischen Kämpfern droht in einem Desaster zu enden: Erst eine Flasche Alkohol sorgt für Entspannung.

Filmkritik "Operation 12 Strong": Chris Hemsworth in Afghanistan
Captain Mitch Nelson (Hemsworth) und seine Frau (Elsa Pataky, auch Hemsworths Gattin im realen Leben). Foto: Concorde

Langsam dämmert es den Amerikanern zudem, dass sie sich im Angesicht der speziellen geografischen Gegebenheiten am Hindukusch kaum auf bewährte Strategien und Techniken verlassen können: zu steil, zu gefährlich sind die Bergpässe. Und so kommt es, dass sich erstmals seit vielen Dekaden US-Soldaten wieder im Kampf auf Pferderücken bewähren müssen.

Pferde treffen auf Hubschrauber

„Operation: 12 Strong“ versteht es auf recht eindrucksvolle Weise, das Besondere an diesem Kriegskapitel zu bebildern: So etwa in der Einstellung, die die amerikanischen Protagonisten auf Pferden zeigt, während über ihnen ein hochmoderner Hubschrauber kreist. In solchen und ähnlichen Momenten hat man das Gefühl, dass sich hier Kombattanten aus völlig verschiedenen Zeitepochen auf dem Schlachtfeld begegnen.

Filmkritik "Operation 12 Strong": Chris Hemsworth in Afghanistan
Foto: Concorde Filmverleih

Auch staunt man, mit wie altmodischen Mitteln Krieg auch im 21. Jahrhundert funktionieren kann. So, wenn die US-Krieger sich zusammen mit verbündeten Afghanen über eine alte, völlig zerknitterte Landkarte beugen, um den nächsten Schritt zu planen.

Weniger Patriotismus

Positiv fällt dabei auf, dass sich der Film, bei dem der dänische Fotoreporter Nicolai Fuglsig erstmals Regie führte, weitestgehend zurückhält mit patriotischen Beifallsbekundungen und Symbolen, mit allzu kitschigen Sentimentalitäten. Kaum, dass man mal eine amerikanische Flagge oder andere US-Embleme ausmachen kann. Selbst das bündige Finale des Films, die Rückkehr in die Staaten, kommt angenehm nüchtern daher.

Filmkritik "Operation 12 Strong": Chris Hemsworth in Afghanistan
Foto: Concorde Filmverleih

Bei allem Lob aber, das diesem Film durchaus gebührt, soll man sich nicht täuschen. Nicht täuschen darüber, dass es sich bei „Operation: 12 Strong“ immer noch ganz eindeutig um eine auf breite Massen schielende Mainstream-Inszenierung handelt.

130 Minuten pure Unterhaltung

Ein derart populärer, ein derart attraktiver Darsteller wie Chris Hemsworth etwa, der unter anderem schon als Hammer schwingender „Thor“ auf großer Leinwand reüssieren konnte, wird sicher dafür sorgen, dass viele jüngere Zuschauer diesen Film vor allem als immens laute (die mächtige musikalische Flankierung von Lorne Balfe kommt zum markerschütternden Kriegssound noch dazu) und durchaus spannende, 130 Minuten währende Unterhaltung goutieren werden – als eines unter vielen Action-Werken eben.

Filmkritik "Operation 12 Strong": Chris Hemsworth in Afghanistan
Chris Hemsworth (l.) und Regisseur Nicolai Fuglsig (r.) am Set. Foto: Concorde

Das schließt aber freilich nicht aus, dass sich auch der ein oder andere Teenager (der Film hat eine Freigabe ab 16) nach Sichtung dazu veranlasst fühlt, sich eingehender mit dem Thema Afghanistan auseinanderzusetzen. Den genauen Blick in die Geschichtsbücher schließlich, den wird auch ein noch so viele Dollar-Millionen schweres Kinoprojekt aus Hollywood nie voll und ganz ersetzen können. (Matthias von Viereck, dpa)