Donnerstag, 15. März 2018, 21:55 Uhr

Filmkritik "Rückenwind von vorn": Sponsored by Oma

Unsere Stammleserschaft weiß, dass wir uns auch gerne kleineren Filmen widmen, abseits vom Blockbuster-Mainstream. „Rückenwind von vorn“ hatte Premiere auf der diesjährigen Berlinale in der „Perspektive deutsches Kino“. Seit heute ist er im Kino tu sehen.

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Foto: Darling Berlin

Zwei Freundinnen trennen sich: die eine (Amelie Kiefer) macht sich auf, die Welt zu erkunden, die andere, Charlie (Victoria Schulz, 27, „Von jetzt an kein Zurück“), bleibt in Berlin. Charlie würde gern mitfahren, ist aber an ihren Job und an ihren Freund Marco (Aleksandar Radenkovic) gebunden. Charlie ist Lehrerin, die Arbeit mit den Kleinen macht ihr Spaß. Mit ihrem Freund ist sie seit fünf Jahren zusammen, er will ein Kind und Charlie tut so, als wollte sie auch. Insgeheim nimmt sie weiter die Pille. Es passt nicht zwischen ihnen, nur an dem Punkt, dass anzusprechen und zu handeln, ist Charlie nicht. Davon erzählt „Rückenwind von vorn“.

Zwischen dem Wunsch, der Freundin doch noch nach Asien zu folgen und dem klärenden Gespräch mit Marco zerrt auch noch der immer schlechter werdene Zustand ihrer heißgeliebten Oma (die Schauspiel-Ikone Angelika Waller, „Ein April hat 30 Tage“). Irgendwie bleibt da kein Platz mehr für Charlie, sie fühlt sich eingeengt und zu Dingen verpflichtet, die ihr nicht guttun. Und obwohl sie so jung ist, scheint ihr Leben festgefahren und verzwickt. Es ist Zeit, mal ein paar Sachen anders zu machen und sich auszuprobieren. Andere ziehen doch auch ihr Ding durch! Da ist z.B. ihr Lehrerkollege Gerry (Daniel Zillmann, 37, „Sommer in Orange“), der immer randvoll mit spontanen knallbescheuerten Ideen ist. Gerry lädt Charlie und ihre Großmutter zu einem Gulaschessen ein.

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Foto: Darling Berlin

Ein Film übers Erwachsenwerden

Dass das Restaurant nicht eben um die Ecke ist und sie dafür Deutschland verlassen müssen, erfahren die zwei aber erst, nachdem sie bereits im Wagen sitzen. Der kulinarische Tripp der etwas anderen Art zeigt Charlie, dass sie ihre Grenzen vielleicht enger gesteckt hat, als es überhaupt nötig war. Die Zeit, die sie mit ihrer eigenwiligen Oma verbringen darf, ist so kostbar, wie sich herausstellen wird. Und so nach und nach entwickelt sich aus Charlies Einstellungsänderung auch ein Weg, ihre eigenen Interessen anzusprechen und somit aus der Existenzkrise herauszufinden…

Fazit: Regisseur Philipp Eichholtz Produktionsfirma heißt „Von Oma gefördert“. Und Oma hat ihr Geld sehr gut angelegt. „Rückenwind von vorn“ ist ein Film übers Erwachsenwerden und über die alterlose Frage „Was will ich eigentlich?“ (Katrin Wessel)