Donnerstag, 29. März 2018, 18:50 Uhr

Filmkritik "Verpiss dich, Schneewittchen!": Bülent Ceylan ganz anders

Bühnenkomiker Bülent Ceylan legt mit „Verpiss dich, Schneewittchen!“ sein Spielfilmdebüt vor – nur eben nicht als Komiker – was schon mal extrem schade ist.

Filmkritik "Verpiss dich, Schneewittchen!": Bülent Ceylan ganz anders
Foto: Constantin Film Verleih GmbH / Bernd Spauke

Bülent Ceylan ist Sammy, die Putzkraft im Hamam seines Bruders Momo (Kida Khodr Ramadan), der davon träumt, ein Rockstar zu sein. Wie originell! Nur mit einer E-Gitarre umhängt versucht sich Sammy im Seniorenstift und im Kindergarten als Musiker – ein toller Plot, noch dazu, wenn man permanent daran erinnert wird, dass Bülent Ceylan nicht komisch sein möchte, was dem Film zu 110 Prozent auch gelingt. Ziel übererfüllt, ein „Bravo!“ dafür. Erstmal.

Mit offenem Haar, aufgerissenen Augen und O-Mund als Zeichen großer Schauspielkunst stolpert Sammy auf seinem Weg zum Rockstar in eine Castingshow, die von Thomaschewsky (schön hochmütig: Sabrina Setlur) geleitet wird. Eine Frau, die über Leichen geht, dafür aber mit einen Milchreisbubi als Chef in spe geschlagen ist: Grossmann (macht seine Sache gut: Comedian Chris Tall).

Prominente Sidekicks

Das Castingvideo, was Sammy sich mit Hilfe seiner Schwester Jessi (ein Sonnenschein wie immer: Josefine Preuß) zusammenstückelt, kommt bei der Casterin gut an – fehlt nur die Band dazu und schon ist die Teilnahme geritzt. Eine Woche hat Sammy Zeit, sich Personal zu suchen und einen Bandnamen zu finden. Das geht ganz fix: seine Schwester muss mitmachen wegen bestehender Schulden und der Rest findet sich im Stammpublikum und Personal des Hamam. Damit ist dann auch der Bandname gefunden: „Hamam Hardrock“. Und in dem Tenor geht es weiter bis Sammy sein Ziel erreicht hat.

Filmkritik "Verpiss dich, Schneewittchen!": Bülent Ceylan ganz anders
Foto: Constantin Film Verleih GmbH / Bernd Spauke

Es kreuzen seine Wege: Nazis in der Kneipe mit Verfolgung und Schlägerei und eine Nazi-Band auf der Bühne mit dem schönen Namen „Freiland“, aber ohne Eier, geschweige denn Rückgrat. Mit dabei sind auch Comedy-Kollegen wie Hausmeister Krause (Tom Gerhardt) und Olaf Schubert, die sich für nichts zu schade sind, es sicher gut gemeint haben und doch nicht retten können, wo es nichts zu retten gibt.

Fazit: Bülent Ceylan soll ja komisch sein – warum er in „Verpiss dich, Schneewittchen!“ so konsequent darauf verzichtet, bleibt ein Rätsel. Der Film ist eine einzige Enttäuschung und macht höchstens Lust, es mit Ceylans Bühnenprogramm zu versuchen. (Katrin Wessel)

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Foto: Constantin Film Verleih GmbH / Bernd Spauke