Donnerstag, 05. April 2018, 23:03 Uhr

Filmkritik "Gringo": Warum nette Menschen auch mal ganz böse sein dürfen

Immer nett sein – kommt man so weiter im Leben? Eher nicht, wie auch die Action-Komödie „Gringo“ nahelegt. Warum das so ist, machen Charlize Theron und David Oyelowo deutlich.

Filmkritik "Gringo": Warum nette Menschen auch mal ganz böse sein dürfen
Foto: Tobis

Seine Chefs sind in unsaubere Geschäfte verwickelt, seine Karriere ist in Gefahr und seine Frau betrügt ihn. Was hat Harold da noch zu verlieren? Auf einer Geschäftsreise nach Mexiko inszeniert er deshalb seine eigene Entführung, ohne zu ahnen, dass er sich damit in allergrößte Schwierigkeiten bringt. Rauschgiftfahnder sind ihm bald ebenso auf den Fersen wie ein skrupelloser Drogenboss.

David Oyelowo gibt in der Action-Komödie „Gringo“ den Geschäftsmann Harold, der ziemlich bald feststellt, dass er mit Höflichkeit und Nettsein nicht weiterkommt.

In weiteren Rollen spielen Charlize Theron („Fast & Furious 8“) und Joel Edgerton („Der große Gatsby“), die als eiskalte Pharmabosse nur auf ihren Vorteil bedacht sind. Ebenfalls sehr prominent: Paris Jackson, Tochter des 2009 gestorbenen King of Pop, Michael Jackson. Für die Schauspielerin, die am 3. April ihren 20. Geburtstag feiert, ist es ihr Spielfilm-Debüt, wenngleich nur ein Kurzauftritt. Als laszive Nelly will sie den Gitarrenverkäufer Miles als Drogenkurier anheuern und lockt ihn mit einer lukrativen Bezahlung.

Filmkritik "Gringo": Warum nette Menschen auch mal ganz böse sein dürfen
Foto: Amazon Studios

Geschichte mit Potenzial, aber…

Die Geschichte von „Gringo“ hat einiges an Potenzial – für Komik und Spannung. Allerdings löst Regisseur Nash Edgerton dieses Versprechen nicht so ein, wie erhofft. Der Film des Australiers besitzt trotz mancher unterhaltsamer Szenen insgesamt nicht die Komplexität, wie sie für so eine verwickelte Handlung notwendig wäre.

Dabei gibt es vielversprechende Ansätze. Eine gute Leistung liefert allen voran Oyelowo: Einfühlsam und humorvoll gibt er den Geschäftsmann, der es allen immer nur recht machen will und sich dafür regelmäßig selbst verleugnet, bis er schließlich merkt, dass er nur ausgenutzt wird. Theron spielt überzeugend die berechnende Chefin, die mit ihren Verführungskünsten auch härteste Verhandlungspartner ausschaltet und sie in armselige, lustgesteuerte Wesen verwandelt.

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Foto: Gunther Campine / Amazon Studios

Dass sie dabei nichts von sich preisgibt, versteht sich von selbst. Ganz anders als Sunny. Amanda Seyfried spielt die dauerlächelnde Freundin eines Kleinkriminellen, die vor allem eines ist: nett. Ihre Naivität und Unschuldigkeit wirken fast schon erschreckend und auf jeden Fall ziemlich farblos.

Jede Menge Klischees

Ebenfalls nicht wirklich geglückt: Die vielen Klischees, auf denen der Film herumreitet. Die Bosse sind selbstverständlich eiskalt. Und die Mexikaner sind allesamt in Drogengeschäfte verwickelt, als mächtige Patrone im Drogenkartell oder als fremdbestimmte Killer, die in ihrer Grausamkeit vor nichts zurückschrecken. So ist „Gringo“ ein Zeitvertreib für fast zwei Stunden, wenn auch ohne großen Nachhall. (Cordula Dieckmann, dpa)

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Foto: Courtesy of Amazon Studios