Dienstag, 17. April 2018, 16:32 Uhr

Marius Müller-Westernhagen gibt seine 7 Echos zurück

Marius Müller-Westernhagen will nach den Antisemitismus-Schlagzeilen um den Musikpreis Echo alle seine Trophäen zurückgeben. Das kündigte der Musiker heute auf Facebook an.

Marius Müller-Westernhagen gibt seine 7 Echos zurück
Foto: AEDT/WENN.com

„Die Verherrlichung von Erfolg und Popularität um jeden Preis demotiviert die Kreativen und nimmt dem künstlerischen Anspruch die Luft zum Atmen. Eine neue Stufe der Verrohung ist erreicht“, erklärte er. Zuvor hatte „Bild.de“ berichtet.

„Ich bin nicht der Meinung, dass die mit dem Echo ausgezeichneten Rapper Antisemiten sind. Sie sind einfach erschreckend ignorant. Money makes the world go round“, schrieb der 69-jährige Musiker. „Aufgrund seiner inhaltlichen Fehlkonstruktion war der Echo in der kulturellen Welt nie relevant. Aber hier geht es nicht um das Kalkül der profitmaximierenden Musikindustrie und ihrer Mechanismen. Es geht im Kern um den Zerfall einer kultivierten Gesellschaft, der zunehmend der innere moralische Kompass abhanden kommt, und dem sehen wir schon viel zu lange zu, ohne genügend Widerstand zu bieten. Ich schließe mich meinem geschätzten Freund und Kollegen Klaus Voormann an und werde alle meine Echos zurückgeben. Das schafft Platz bei mir zu Hause und in meinem Herzen.“ Westernhagen hatte seinen letzten Echo 2017 für sein Lebenswerk erhalten.

Am vergangenen Donnerstag waren die Rapper Kollegah und Farid Bang für ihr Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ ausgezeichnet worden. Es enthält Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm‘ an mit dem Molotow“. Dass diese Musik beim Echo preiswürdig ist, hatte heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst. (dpa/KT)