Freitag, 27. April 2018, 17:48 Uhr

ABBA mit neuen Songs: Was wirklich dahinter steckt

Die Auflösung von Abba 1982 war ein „Waterloo“ für die Fans, doch jetzt heißt es überglücklich „Head over heels“: Die legendäre schwedische Band hat zwei neue Songs aufgenommen – eine Art Mini-Comeback.

ABBA mit neuen Songs: Was wirklich dahinter steckt
Abba hatten großen Spaß bei den Aufnahmen. Foto: Pressensbild/EPA

„Dancing Queen“, „Mamma Mia“ oder „The Winner Takes It All“: Fast jeder hat bei diesen Titeln sofort Melodien im Kopf. Und bald könnten neue Ohrwürmer dazu kommen. Denn die schwedische Kult-Band Abba hat am Freitag zwei neue Songs angekündigt. Ein Mini-Comeback nach dreieinhalb Jahrzehnten, auf das Fans weltweit lange gehofft hatten.

„Wir alle vier hatten das Gefühl, dass es nach gut 35 Jahren Spaß machen könnte, wieder zusammenzufinden und ins Aufnahmestudio zu gehen“, teilte die Band auf ihrem Instagram-Profil mit. „Also haben wir es gemacht.“ Dabei seien zwei neue Lieder entstanden, eines davon mit dem Titel „I Still Have FaithIin You“. Abba-Managerin Görel Hanser (69) hat die Neuigkeiten bestätigt.

Allein die Ankündigung versetzte die Abba-Fans in Ekstase. Tausende kommentierten sofort den Beitrag auf Instagram – obwohl sie die neuen Songs noch gar nicht gehört haben. Der erste Song soll nämlich erstmals im Dezember bei einer gemeinsamen Fernsehproduktion der Sender BBC und NBC zu hören sein. Das Veröffentlichungsdatum der zweiten Single nannte die Band noch gar nicht.

Kultige Gute-Laune-Songs

Natürlich versprühte die Band der Gute-Laune-Songs auch gute Laune in ihrer Mitteilung: Die Aufnahmen hätten großen Spaß gemacht, verkündeten Agnetha Fältskog (68), Benny Andersson (71), Björn Ulvaeus (73) und Anni-Frid „Frida“ Lyngstad (72). „Es war so, als ob die Zeit stillgestanden habe, und wir waren nur für einen kurzen Urlaub weg.“ Und das nach über 35 Jahren.

ABBA mit neuen Songs: Was wirklich dahinter steckt
Nach dem Eurovisions-Sieg 1974: Benny Andersson, Anni-Frid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus (v.l.) feiern die Sensation. Foto: UPI

Abba sind bis heute Kult – nicht nur bei der Generation Ü50. Selbst wer den Abba-Hype der 70er Jahre nicht miterlebt hat und sie nie live in Glitzermontur auf der Bühne erleben durfte, weil er schlicht zu jung oder noch gar nicht geboren war, kennt höchstwahrscheinlich die zahlreichen Hits des Quartetts. Ob nun aus dem Abba-Musical „Mamma Mia“ oder dem Film zum Musical (in der Hauptrolle: Meryl Streep) oder von einschlägigen Schlager-Partys. Übrigens kommt passend zur jetzt neu entfachten Abba-Manie der Film „Mamma Mia 2“ im Juli in die deutschen Kinos.

So hat mit ziemlicher Sicherheit jeder Mittzwanziger mindestens einmal auf einer Party die Hüften zu einem Abba-Hit geschwungen. Vielleicht zu „Waterloo“, mit dem die Band 1974 den Eurovision Song Contest gewann. Zu „Dancing Queen“, das über 247 Millionen Klicks auf YouTube hat. Oder zu „Mamma Mia“ – mehr als 132 Millionen Klicks.

Zeitloser Sound

Ein bisschen Disco, ein bisschen Schmalz, ein bisschen Rock. Vor allem aber ein untrügliches Gespür für eingängige Melodien. Das war das Erfolgsrezept von Agnetha, Frida, Benny und Björn. Rund 380 Millionen Alben hat die Band nach Angaben des Abba Museums weltweit verkauft. Und das kommt auch noch hinzu: Die Band hat in Stockholm ein eigenes Museum – das haben auch nur wenige Bands geschafft, beispielsweise die übergroßen Beatles.

Über ein Comeback der Band ist immer wieder spekuliert worden, allerdings sagt das Statement vom Freitag nichts zu möglichen weiteren Aktivitäten der Band in der Zukunft und schon gar nicht zu gemeinsamen Auftritten! Ulvaeus – der Nachlassverwalter der Band – hatte ein Comeback in den vergangenen Jahren immer wieder störrisch abgewehrt.

Und noch im vergangenen Herbst sagte sein Bandkollege Benny Andersson der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Die Leute haben ein Bild von uns im Kopf (…) Sie haben die Videos und die Filme gesehen, sie wissen, wie wir aussahen und geklungen haben. Es wäre nichts Neues an einem Comeback – nur vier siebzigjährige Typen auf der Bühne, die etwas abzuliefern versuchen, das sie besser nicht täten.“ Gleichzeitig hielt Ulvaeus die PR-Maschine erfolgreich am Laufen: Abba-Museum, Abba-Musical, Abba-Show., Abba-Restaurant. Na und dann sind ja da noch die „Mamma-Mia“-Filme

Erster Anzeichen für Reunion

Abba war während ihrer zehnjährigen Bandphase nicht nur eine Musikgruppe, es war auch eine Art Groß-Familie. Fältskog und Ulvaeus waren ebenso verheiratet wie Lyngstad und Andersson. Doch die Ehen gingen in die Brüche, 1982 dann auch die Band.

Vor zwei Jahren gab es dann Anzeichen, dass die Band sich wieder angenähert hat. Ulvaeus kündigte damals ein gemeinsames Projekt an, aus dem nun laut Mitteilung die neuen Songs entstanden sind: Eine „Avatar Tour“, auf der eine Art neuartiger digitaler Hologramme der Ex-Bandmitglieder auf der Bühne zu sehen sein sollen. Die Tour soll 2019 starten – die Musiker sind dann allerdings nur virtuell zu erleben. Auftakt soll nun also die große TV-Show von NBC und BBC im Dezember 2018 sein, bei der die ABBA-Avatare im Look der 70er-Jahre – Ulvaeus nannte sie jüngst „Abbatare“ – zumindest einen neuen Song „live“ performen. Für die Tribute-Show werden zudem viele internationale Stars erwartet. Und um die Einschaltquoten hochzutreiben – dafür sind nigelneue Songs natürlich die PR-Idee überhaupt! Ulvaeus war gerade in Europa unterwegs um noch mehr Sender für die gigantische TV-Show zu finden. ARD und ZDF zeigen wohl Interesse…

Dass die Vier jemals wieder in Fleisch und Blut auf der Bühne stehen werden, ist trotz des Mini-Comebacks wohl so wahrscheinlich wie ein schwedischer Weltmeister-Titel im Fußball. Sicher werden alle Abba-Mitglieder in der Show zusammen auf einer Couch sitzen, aber gemeinsam singen? Zusammen sind sie 284 Jahre alt. Es wäre lächerlich. (Lisa Forster, dpa mit KT)