Mittwoch, 02. Mai 2018, 21:18 Uhr

Filmkritik "Herrliche Zeiten": Sklavenmarkt mit Katja Riemann

Premiere von „Herrliche Zeiten“ war auf der Berlinale 2018. Jetzt startet das putzige Sadomaso-Kammerspiel in den deutschen Kinos!

Filmkritik "Herrliche Zeiten": Sklavenmarkt mit Katja Riemann
Foto: Concorde Filmverleih GmbH

„Herrliche Zeiten“ spielt in den Kreisen der Besserverdienenden. Claus (Oliver Masucci, „Er ist wieder da“) ist Schönheitschirurg und Evi (Katja Riemann) ist Gartenarchitektin. Beide haben eine fette Villa in Berlin Grunewald und jeder für sich einen kapitalen Dachschaden. Die Probleme sind spleenig nobel, wie z. B. das Nichterscheinen der Putzperle.

Claus ist außer sich und schaltet eine Annonce, in der er eine Sklaven sucht. In politisch korrekten Zeiten natürlich Sklave oder Sklavin.

Gummi und Latex im heimischen Garten

Claus war etwas angesäuselt, als er den Anzeigentext aufgegeben hat und traut seinen Augen nicht, als am nächsten – helllichten Tag, eine Traube von Menschen aus der Fetischszene geduldig vor seiner Tür – die, nicht zu vergessen in einer etepetete Wohngegend steht – wartet, weil sie gern den Job als Putzsklave hätten. Gekleidet in Gummi oder Latex, geführt an einer Kette oder auf Knien haben sie die Zeitungsanzeige als ernstgemeintes Angebot verstanden.

Filmkritik "Herrliche Zeiten": Sklavenmarkt mit Katja Riemann
Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Manche der Sklaven haben aber auch ihr Herrchen dabei. Auf jeden Fall ist diese Szene eine der komischen. Claus, der Choleriker will sowas nicht. Aber eigentlich doch. Nach dem ersten Schock tauchen noch zwei Bewerber auf, ein Ehepaar, Bartos (Samuel Finzi) und Lana (Lize Feryn). Ohne Lack und Leder, dafür ausgesucht höflich, gebildet und unterwürfig. Was für ein Treffer! Die beiden haben den Job. Ab jetzt wehrt Bartos alle Unbill und Unerquicklichkeiten von Claus und Evi ab und nach einiger Zeit fragen sie sich, wie sie je ohne Bartos haben leben können.

Filmkritik "Herrliche Zeiten": Sklavenmarkt mit Katja Riemann
Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Bartos hat sich als leibeigener Knecht unentbehrlich gemacht, aber man engagiert natürlich nicht großartigen Schauspieler Samuel Finzi, wenn da nicht eine Perfidie vom Feinsten im Hintergrund gesponnen wird. Bartos übernimmt für seinen Meister alles und Claus, der inzwischen arbeitslose Schönheitschnippler, gerät vollends in einen sadistischen Machtrausch, der allen Beteiligten das Äußerste abverlangt. Bis zwingend die Frage aufkommt: Wer ist hier bei wem angestellt?

Filmkritik "Herrliche Zeiten": Sklavenmarkt mit Katja Riemann
Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Fazit: Der Titel „Herrliche Zeiten“ ist eine Mogelpackung, die sofort auffliegt, wenn der Romantitel genannt wird: „Subs“. Der Autor ist der politisch rechts außen verankerte Thor Kunkel. Regisseur Oscar Roehler und Thor Kunkel waren befreundet, haben sich aber bei der Arbeit an „Herrliche Zeiten“ entzweit. (Katrin Wessel)