Donnerstag, 03. Mai 2018, 21:50 Uhr

Kritik "Eleanor & Colette": Drama mit Helena Bonham Carter & Hilary Swank

Nach wahren Begebenheiten erzählt „Eleanor & Colette“ von zwei Frauen, die in den USA gegen die medikamentöse Zwangsbehandlung von Patienten kämpfen. Es ist eine deutsch-belgische Produktion mit Hollywood-Stars, die zum Teil in Köln gedreht wurde.

Kritik "Eleanor & Colette": Drama mit Helena Bonham Carter & Hilary Swank
Foto: Bernd Spauke

Mehrere Männer in Weiß halten Eleanor Riese fest. Sie wehrt sich nach Kräften und schreit: „Bitte tut mir nicht weh!“ Doch das Pflegepersonal des Krankenhauses ist stärker. Gegen ihren Willen bekommt Eleanor Medikamente verabreicht. Ruhiggestellt liegt sie in einem Isolationszimmer, das für sie eine Gefängniszelle ist. So oder so ähnlich soll sich die Anfangsszene von „Eleanor & Colette“ im Jahr 1985 zugetragen haben – das Drama des dänischen Regisseurs Bille August („Les Misérables“) beruht auf einer wahren Geschichte.

Beste Freundinnen?

Die britische Schauspielerin Helena Bonham Carter („Fight Club“) spielt Eleanor Riese, die seit einer Hirnhautentzündung an paranoider Schizophrenie leidet. Sie hat sich freiwillig in die Klinik begeben. Doch als bei ihr starke Nebenwirkungen auftreten, bekommt Eleanor die Zwangsbehandlung. Daraufhin schaltet sie die Anwältin Colette Hughes ein, die von Oscar-Gewinnerin Hilary Swank („Million Dollar Baby“) gespielt wird.

Gemeinsam mit Mort Cohen (Jeffrey Tambor) legen sich die Frauen mit dem US-Gesundheitswesen an und werden nebenbei zu Freundinnen.

Die Geschichte spielt zwar im kalifornischen San Francisco, das in mehreren Außenaufnahmen zu sehen ist. Der Film wurde aber zu großen Teilen in den Kölner MMC Studios gedreht. „Eleanor & Colette“ ist eine deutsch-belgische Ko-Produktion, die von der Filmförderung Nordrhein-Westfalen unterstützt wurde. Seine Weltpremiere feierte das Drama im September vergangenen Jahres beim Toronto Filmfestival.

Bonham Carter machmal zu schräg

Swank hat als Anwältin und ehemalige Krankenschwester Colette die einfachere Rolle. Die zweimal Oscar-nominierte Bonham Carter hingegen müht sich redlich, die psychisch kranke Eleanor darzustellen. Manchmal wirkt sie dabei jedoch wie eine der skurrilen Figuren, die sie in „Dark Shadows“, „Harry Potter“ oder „Sweeney Todd“ gespielt hat, was wohl auch an ihrer schrägen Frisur liegt. In ihren besten Momenten ist es allerdings im positiven Sinne anstrengend ihr zuzusehen, weil man als Zuschauer zugleich Mitleid empfindet.

Kritik "Eleanor & Colette": Drama mit Helena Bonham Carter & Hilary Swank
Foto: Bernd Spauke

Der Film hat ein paar ergreifende Momente – zum Beispiel, wenn Eleanor sich im Gerichtssaal zu beherrschen versucht, als die erste Verhandlung am obersten Gerichtshof scheitert. Oder als sie mitten in der Nacht einen Zusammenbruch erleidet. Daneben gibt es einige lustige Szenen, die den Film etwas auflockern. „Weißt du, Eleanor“, sagt Colette nach einem unbedeutenden Streit, „du bist nicht schwer behindert. Du bist nur schwer zu ertragen.“

Grauenhafte Klischees

Leider bedient „Eleanor & Colette“ aber auch diverse Klischees des Kinos. So sind rührselige Szenen mit bedächtiger, kitschiger Klaviermusik unterlegt. Und wenn man gerade das Gefühl bekommt, dass es gut für die Frauen läuft, muss natürlich noch mal eine schlechte Nachricht kommen, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Doch wirkliche Spannung will bei all dem gar nicht aufkommen. Dramaturgisch kann Bille Augusts Film, in dem die Gerichtsverhandlungen zu kurz kommen, nicht überzeugen. Er plätschert zu sehr dahin und lässt gegen Ende noch deutlich nach.

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Foto: Bernd Spauke

Eleanor sorgt zwar auch dafür, dass ihre Anwältin ihr Privatleben mit ihrem Freund Robert nicht vernachlässigt. Ob es aber wirklich so war? Im Film wirkt es eher aufgesetzt. Die Geschichte und vor allem die dabei involvierten Personen hätten ein mitreißenderes Werk verdient. Wie das geht, hat zum Beispiel Steven Soderbergh mit der kämpferischen Julia Roberts in „Erin Brockovich“ (2000) gezeigt. Bille August dagegen inszenierte sein biografisches Drama zu standardmäßig. Linear erzählt er die Geschichte und lässt überwiegend die Dramatik vermissen. Das ist dröge – und zu wenig für die große Leinwand. (Philip Dethlefs, dpa)