Montag, 14. Mai 2018, 21:50 Uhr

Filmkritik: Roman Polanskis "Nach einer wahren Geschichte"

In seinem neuen Film „Nach einer wahren Geschichte“ erzählt Roman Polanski von der kontraproduktiven Beziehung zweier Frauen. Das ist im Anbetracht allzu bekannter Versatzstücke ziemlich beliebig.

Filmkritik: Roman Polanskis "Nach einer wahren Geschichte"
Foto: Carole Bethuel / Studiocanal GmbH

Es ist ein spannender, aber auch bekannter Stoff, den Roman Polanski für seinen Film „Nach einer wahren Geschichte“ nutzt. Der Regisseur erzählt die Geschichte der Schriftstellerin Delphine (Emmanuelle Seigner), die am Ende ihrer Kräfte ist. Obwohl ihr letztes Buch zum Bestseller avancierte, leidet sie unter einer schlimmen Schreibblockade. Ein Umstand, der auch mit dem Inhalt dieses Romans zusammenhängt. Darin geht es um das schwierige Verhältnis zu ihrer Familie, das ihr seit Kindheitstagen all ihre Kraft abverlangt.

Eines Tages lernt sie zwischen Autogrammstunden und Interviews eine charmante Frau namens Elle (Eva Green) kennen. Für Delphine wird sie zu einer Art Muse, die sie zu immer neuen Gedankengängen inspiriert. Auch sonst steht Elle Delphine in allen Lebenslagen zur Seite, bis sie sich eines Tages sogar für sie ausgibt, um Delphine den Druck der Öffentlichkeit zu ersparen.

Ansammlung von Klischees

Schließlich beginnt die Autorin, über Elle zu schreiben und scheint darin endlich das Thema für ihren nächsten Bestseller gefunden zu haben. Doch Elle hat ganz andere Pläne, die Delphine zu spät durchschaut….

Roman Polanski greift in der Verfilmung des Romans „Nach einer wahren Geschichte“ von Delphine du Vigan ein altbekanntes Thema auf: eine langsam dem Wahnsinn verfallene Schriftstellerin und die Gründe dafür. Seine größte Aufgabe hätte darin bestanden, diesem Konzept neue Perspektiven abzugewinnen, doch der Film käut in erster Linie Klischees wieder.

Filmkritik: Roman Polanskis "Nach einer wahren Geschichte"
Foto: Carole Bethuel / Studiocanal GmbH

Da sich die beiden Hauptfiguren nicht nur frappierend ähnlich sehen und die eine Frau nach und nach die Rolle der anderen übernimmt, kann man sich mit der Zeit denken, wohin die Reise geht. Und wer nun denkt, Polanski hätte noch irgendeine andere Auflösung in petto, als die, die einem nun in den Sinn kommt, der wird leider enttäuscht.

Alles so vorhersehbar

Es kommt tatsächlich alles exakt so, wie man es vorhersieht. Das Einzige, was sich Polanski zugute halten lässt, ist die Tatsache, dass er die spannungsarme Überraschung nicht als eine solche inszeniert. Ganz so, als wüsste er, dass man mit so einer faden Pointe Niemanden mehr schocken kann.

Filmkritik: Roman Polanskis "Nach einer wahren Geschichte"
Foto: Carole Bethuel / Studiocanal GmbH

Auch inszenatorisch ist „Nach einer wahren Geschichte“ eher ein Understatement. Weder visuell noch akustisch kann Polanski ausgleichen, was dem Film erzählerisch an Spannung fehlt. Der Regisseur, der gemeinsam mit Olivier Assayas („Die Wolken von Sils Maria“) auch das Drehbuch schrieb, stellt zwar immer wieder die sich verschiebenden Machtverhältnisse in den Mittelpunkt, doch so ganz ohne Höhepunkte fällt es schwer, dem Geschehen bis zum Schluss zu folgen. Dabei machen die beiden Hauptdarstellerinnen Emmanuelle Seigner („Bitter Moon“) und Eva Green („Die Insel der besonderen Kinder“) einen soliden Job. Dass sich die Frauen voneinander angezogen fühlen, ist jederzeit glaubwürdig. Dass sie das ihrer Figuren innewohnende Potenzial nicht ausspielen, ist vor allem auf die Regie zurückzuführen, die nach und nach all das sprudelnde Leben aus ihnen saugt.

Filmkritik: Roman Polanskis "Nach einer wahren Geschichte"
Roman Polanski am Set. Foto: Carole Bethuel / Studiocanal GmbH

„Nach einer wahren Geschichte“ ist wohl einer der schwächsten Filme von Polanski (84), der als Reaktion auf die Vorwürfe sexueller Übergriffe Anfang Mai von der Oscar-Akademie ausgeschlossen wurde. Die Premiere im vergangenen Jahr beim Festival in Cannes blieb weitgehend unbeachtet. (Antje Wessels, dpa)