Warum Madonna, Cher und Co nicht abtreten können

Mareile MorawietzMareile Morawietz | 16.11.2021, 20:00 Uhr
Warum Madonna, Cher und Co nicht abtreten können
Warum Madonna, Cher und Co nicht abtreten können

Foto: IMAGO/ ZUMA Wire

Sie sind schon etwas älter und brauchen das Geld nicht mehr: Trotzdem finden die Diven der Pop-Musik nicht den sicheren Absprung von der Bühne.

Die einen haben das Kinn schon auf Augenhöhe getackert, die anderen stehen zumindest rein oberflächlich zum Älterwerden, doch so richtig aufhören will keine von den großen Sängerinnen. Doch was treibt die Diven Ü60 an, sich immer wieder ins knallharte Rampenlicht zu begeben? Den Zeitpunkt, in Würde abzutreten, haben sie verstreichen lassen. Jetzt fahren sie auf Sicht.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Ganz ehrlich, so richtig vermisst hat niemand ein neues Album von Diana Ross, trotzdem kommt es nun raus. „Thank you“ heißt es, ist aber kein Abschied von der Bühne, im Gegenteil. Die 77-Jährige nimmt es als Anlass, 2022 auf dem Glastonbury Festival aufzutreten. Nur leider könnte diese News größer sein als ihr Auftritt selbst. Doch Ross ist eine Ikone, die von der Liebe der Fans getragen wird. Hoffentlich auch im nächsten Jahr noch.

Die nur wenig ältere Cher mag sich mit einem geschätzten Vermögen von 360 Millionen auch noch nicht zur Ruhe setzen. Die Kostüme passen heute so perfekt wie früher und die Kombi aus großen Perücken mit noch größerem Make-Up funktioniert tadellos. „Ich gebe erst auf, wenn etwas aussichtslos ist. Sonst hätte ich in diesem Geschäft nicht so lange überlebt“, sagte Cher in einem Interview mit der „Zeit“.

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Sucht oder Suche

Cher meint auch, dass Leute wie sie einfach weitermachen müssen. Mit Auftritten, die selbst mit altersbedingten Schmerzen einfach nur Spaß machen, und natürlich mit viel Wasser und Sport. So ähnlichen gehen das auch Kolleginnen an wie Dionne Warwick, die mit 80 Jahren noch tourt, Kim Wilde, die sich mit ihren 60 Jahren ja fast als Küken in diesem Kreis fühlen kann, und Bonnie Tyler (70), die mit 19 Jahren schon älter klang als sie heute ist. Mal davon ganz abgesehen, treten die Stones, die Scorpions und andere Altherrenformationen auch noch auf.

Was bei den Frauen jedoch im Fokus steht, ist gar nicht ihre Bühnenpräsenz, sondern ihr Aussehen. Da ist es egal, ob sie Teenagerinnern sind oder Fast-Rentnerinnen. Und die Damen: Spielen das Spiel zum Großteil mit. Das stimmt manchmal traurig. Madonna zum Beispiel war immer unangepasst und nun macht sie einen riesigen Aufriss, um die Fotos zu kontrollieren, die von ihr um die Welt gehen. Das Licht muss stimmen, die Ernährung auch und Beauty-Eingriffe gibt es offiziell keine. Ihre Hits erreichen nicht mehr das Niveau von früher, aber aufhören möchte sie erst, wenn ihr die Ideen ausgehen, nicht nur weil sie schlechter werden.

Von wegen kein Stress

In Deutschland ist der Beauty-Wahn nicht ganz so groß und so vergisst man bei Nena (61) und Marianne Rosenberg (66) auf die Lebensuhr zu schielen. Allerdings: Wie lange noch? Diese Frage drängt sich irgendwie auf, wenn die Fans im Enkelalter sind und man von der Pop-Queen schleichend zum Faktotum der Showbranche wird. Mary Roos hat das erkannt und mit 70 Jahren aufgehört.

Neulich fragte die 56-jährige Schauspielerin Sarah Jessica Parker nach einer Hetze im Netz, ob sie sich verstecken solle, nur weil sie alt werde. Nein, auf keinen Fall! Und auch die musikalischen Grandes Dames dürfen gern öffentlich bleiben. Aber was spricht gegen ein wenig mehr Kleidung, Cher? Oder was ist an ein paar Falten schlimm, liebe Madonna? Und wieso lasst ihr euch von dem Jugendwahn zu Sachen antreiben, die ihr nicht nötig habt? Das Alter hat seine Vorteile, die man aber nur sieht, wenn man sich darauf einlässt. Mit der Zeit zu gehen, heißt nicht, ewig jung bleiben zu müssen.

Alternativen zur großen Show

Kleine Konzerte mit nur 50 Gästen sind charmant, ein Gastauftritt kann auch ohne Gesang Glamour versprühen und ein Album ohne Konzert ist möglich, fragt Barbra Streisand (79). Vielfach sagen die Diven ja auch, dass sie gern auftreten, so lange ihr Publikum sie noch sehen will. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass beim letzten Konzert vielleicht nur noch eine Handvoll Fans in einer Halle für 5000 Menschen stehen werden. Das ist ein trauriges Bild. Sollte man nicht dann doch lieber gehen, wenn es am schönsten ist? Das ist im besten Fall genau jetzt in diesem Augenblick, für den Faust seine Seele verkaufen würde.