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Sonntag, 11. November 2018 22:19 Uhr

100 Filme, die man gesehen haben muss: „Der Krieger und die Kaiserin“

Foto: X-Verleih

Tom Tykwer war gerade in aller Munde mit seiner ganz formidablen, am Donnerstag zu Ende gegangenen Serie „Berlin Babylon“, die den gewaltigen Umbruch in der deutschen Hauptstadt um 1928 widerspiegelte. In unserer losen Reihe „100 Filme, die man gesehen haben muss“ nun ein Film von Tykwer: „Der Krieger und die Kaiserin“ ist ein Liebesfilm, der ohne einen einzigen Kuss auskommt.

100 Filme, die man gesehen haben muss: "Der Krieger und die Kaiserin"

Foto: X-Verleih

Tykwer ist ein Regisseur, der sich von Momenten oder einzelnen Situationen, die er wahrgenommen oder geträumt hat, leiten lässt. Eine dieser Situationen, die ihn hartnäckig verfolgt hat, war, dass zwei Menschen sich in einer Rettungsaktion kennenlernen. Die Rettung selbst ist ein Luftröhrenschnitt. Bis hierher klingt doch schon alles sehr nach Liebesfilm, oder?

Auftritt des Paares in spe

Der, der den Schnitt mit Jagdmesser und Trinkhalm durchführt ist Bodo (Benno Fürmann, 46, „die Bubi-Scholz-Story“, „Babylon Berlin“) und die, die den Schnitt verpasst kriegt ist Sissy (Franka Potente, 44, „25 km/h“). Sissy wird von einem fetten Tanklaster angefahren und kommt unter dem Gefährt wieder zu sich. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der Sissy über schöne Stille und unangenehme Stille nachdenkt, taucht Bodo über ihr auf, macht den Schnitt, saugt immer wieder Blut aus dem Trinkhalm und verschwindet, als Sissy endlich von Rettungskräften versorgt wird.

Alles, was von ihm bleibt, ist ein Knopf vom Jackenärmel. Benno Fürmann als Bodo hat seinen Aschenputtel-Moment, denn mit dem Knopf in der Hand, macht sich wieder gesunde Sissy auf die Suche nach ihrem Prinzen. Sissy überlegt sich: „Ich dachte, wenn man nicht allein ist, kann man draußen auch glücklich werden – wenn so einer dabei ist.“

Sissy lebt auf Station 5

Denn Sissy lebt „drinnen“, in einer geschlossenen Welt, genauer auf der Station 5 einer geschlossenen Anstalt – als Pflegekraft mit Unterkunft direkt in der Klinik.

100 Filme, die man gesehen haben muss: "Der Krieger und die Kaiserin"

Foto: X-Verleih

Wie in allen Tykwer-Filmen gibt es auch in „Der Krieger und die Kaiserin“ sehr viele Bedeutungsebenen mit jeweils eigener Bildsprache. Alles Charaktere sind behutsam ausformuliert, bis in die kleinste Nebenrolle, etwa die Patienten auf Sissys Station.

Spätestens nach ihrer Rückkehr in die ´Klapse´ weiß sie, dass ihr Leben dort vorbei ist. Sissy ist auf den ersten Blick ein schlichtes, grundgütiges Gemüt, ihre Bewegungen sind etwas ungelenk und steif und sprachlich immer etwas verzögert und immer in einfachen Sätzen. Diese sind dann aber immer klar.

100 Filme, die man gesehen haben muss: "Der Krieger und die Kaiserin"

Foto: X-Verleih

Ein Banküberfall soll es richten

Der Dialog mit Bodo, nach einem fast traumwandlerischen Aufstieg über die Dächer von Wuppertal (Wer hätte gedacht, dass Wuppertal cineastische Qualitäten hat? Die Erklärung dazu ist, dass Tom Tykwer hier aufgewachsen ist.) ist kurz: „Ich wollte dich wiedersehen.“ Bodo: „Ich dich nicht.“ Diese kindliche Unmittelbarkeit behält Sissy bei, welche aber bitte nicht verwechseln ist mit Blödheit. Bodos schroffe Abweisung hat Gründe: er schleppt ein Trauma mit sich herum.

100 Filme, die man gesehen haben muss: "Der Krieger und die Kaiserin"

Foto: X-Verleih

Bodos Bruder Walter (Joachim Król) will ihm helfen. Er hat einen Überfall auf eine Sparkasse geplant und mit dem Geld soll ein neuer Anfang in Australien gemacht werden. Das ist sicher gut gemeint, aber natürlich kommt alles anders. Walter ist der große tragische Dritte in „Der Krieger und die Kaiserin“. Der Überfall geht schief, ohne Kohle, dafür aber mit Sissy verlassen die zwei Brüder die Bank.

Rein in die Klapse

So eine geschlossene Abteilung ist eigentlich ein ganz gutes Versteck. Aber der Ex-Soldat Bodo ist so im Eimer, beim Schlafwandeln umarmt er einen Ofen und bei jeder Gelegenheit weint er. Von Affektkontrolle ist er weit entfernt, er wirkt selbstmordgefährdet, aber im Sissy-Wegschubsen ist er ganz große Klasse. Beide müssen was wagen und bis Bodo soweit ist, darf er weiter rätseln, von welchem Stern Sissy ist.

100 Filme, die man gesehen haben muss: "Der Krieger und die Kaiserin"

Foto: X-Verleih

Fazit: „Der Krieger und die Kaiserin“ hat den unverwechselbaren „Tykwer-Touch“. Nach seinem Welthit „Lola rennt“ hat er sofort weiter seine Film-Ideen weiterentwickelt und herausgekommen ist ein Liebesfilm, der das Gegenteil von rosarot ist. (Kinotante Katrin)

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