Sonntag, 16. Juni 2019 20:49 Uhr

30 Jahre Loveparade: So feiert Erfinder Dr. Motte das Jubiläum

Die Loveparade galt in den 90ern weltweit als DAS Event für Techno und andere elektronische Musikarten. Im Sommer 1989 wurde die erste Parade von DJ-Legende Dr Motte (58) ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ zog man ravend als politische Demonstration durch Berlin.

30 Jahre Loveparade: So feiert Erfinder Dr. Motte das Jubiläum

Foto: Petrov Ahner

Von Jahr zu Jahr wuchs die Parade so stark, dass immer mehr Medien auf den Berliner Rave aufmerksam wurden und sogar Sender wie VIVA oder RTL II den Umzug live im Programm übertrugen. So konnten sich auch in der Provinz die Menschen hippe Raver in Lack- und Plastik-Klamotten, in bunten Pelzen und reichlich Sonnenblumen im Haar – mit einer Armlänge Abstand – begutachten, um beim nächsten Mal dann selber nach Berlin zu reisen.

1999 gab es schließlich den Allzeit-Rekord mit 1,5 Millionen Besuchern!

Legendäre Rede

Bis heute ist für viele Loveparade-Zuschauer – vor Ort oder vor Zuhause an den Bildschirmen – die Rede von Dr. Motte 1998 unvergessen:  „Wir haben uns alle für die Loveparade entschieden, weil wir uns hier alle so bewegen können, wie wir es wollen. Diesen Platz wollen wir uns, unseren Kindern und allen anderen, die nach uns auf diesem Planeten sein werden, erhalten und diese Entscheidung wird unser zukünftiges Leben bestimmen.“

Doch mit welchen Emotionen schaut Loveparade-Erfinder Dr. Motte  auf den Geburtstag „seines Party-Babys“? Wie er dieses Jubiläum feiert, hat er im Gespräch mit klatsch-tratsch.de verraten.

Dazu sagte er: „Unfassbar, dass das jetzt schon 30 Jahre her ist. Wir werden am 1. Juli bei ’nineties berlin‘, der multimedialen Ausstellung über die Neunziger in Berlin, eine Sonderausstellung mit dem Titel ‚Dr. Mottes Loveparade‘ eröffnen. Also genau am Geburtstag der Parade, wenn man so will. Da kommen abends sehr viele Freunde und Wegbegleiter zusammen und wir werden das Jubiläum gebührend feiern.“

30 Jahre Loveparade: So feiert Erfinder Dr. Motte

Foto: WENN.com

Auf die Ausstellung freut sich der 58-Jährige schon jetzt wie Bolle: „Wir haben sehr spannende, seltene Exponate dafür zusammengetragen und sammeln auch noch weiter, um die außergewöhnliche Geschichte der Loveparade so detailreich wie möglich darzustellen. Wer noch etwas beisteuern möchte, kann das gerne auch weiterhin tun.“

„Wir haben etwas Gutes bewegt“

An seine Lieblingsmomente bei der berühmten Parade denkt der Berliner noch heute gerne zurück: „Immer dann, wenn ab 18 Uhr das Soundsystem um die Siegessäule, mit denen der Floats der Loveparade zusammen geschaltet wurden, ging wie eine Welle der Euphorie durch die Massen. Diesen besonderen Vibe haben alle Menschen gespürt, nicht nur hier in Berlin, sondern überall, wo man die Loveparade übers Radio oder auch im Fernsehen empfangen konnte. Wir haben mit unserer friedlichen und respektvollen Musikkultur wirklich etwas Gutes bewegt und das spüren und leben viele bis heute.“

Weiter erklärt  er: „Doch die Parade existiert mittlerweile seit fast  neun Jahren nicht mehr, vor 15 Jahren fand die letzte, echte Loveparade in Berlin statt. Ich bin sehr traurig, wie sich der Umgang mit Kultur und Kulturen in dieser Zeit verändert hat und heute z. B. mit dem Karneval der Kulturen in Berlin und dem Fusion Festival von Seiten der Behörden und Polizei umgegangen wird. Das kann doch so nicht weitergehen. Das können wir uns nicht gefallen lassen. Hoch lebe die Freiheit der Kunst und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.“

„Wir hatten  nicht nur Freunde“

Auch wenn es die Loveparade nach der schrecklichen Katastrophe 2010 in Duisburg – bei der 21 Menschen starben und weitere 541 verletzt wurden – nicht mehr gibt, trägt Dr. Motte die Parade für immer im Herzen: „Die Parade hat die Herzen der Menschen berührt und es geschafft, in nur wenigen Jahren das Image der Stadt Berlin und ganz Deutschlands um 180 Grad zu drehen. Auf der Loveparade haben die Völker tanzenderweise Freundschaften geschlossen. (…)“

„Klar hatten wir damals nicht nur Freunde. Eine handvoll Gegner der Loveparade haben den Stein ins rollen gebracht, durch den die Loveparade den Demonstrationsstatus verloren hat und somit letztlich auch ihren Niedergang eingeleitet. Doch verglichen mit dem internationalen, positiven Effekt auf  Generationen aller Völker der Erde, was sind da ein paar, die es nicht verstehen oder nicht gut finden? Demokratie stellt das Wohl vieler über das Wohl von Wenigen. Vielleicht wäre es wirklich an der Zeit, wieder etwas neues zu starten. Hmmm… Wollen wir doch einfach Vorleben, wie ein Zusammenleben in Vielfalt in Harmonie aussehen kann.“

Die multimediale „Loveparade“ -Ausstellung ist vom 02. Juli 2019 bis 31. Januar 2020 am Molkenmarkt 2 in 10179 Berlin zu sehen. Weitere Infos dazu gibt es hier.

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