8 Fragen an Désirée Nick zum Queer-Skandal

8 Fragen an Désirée Nick zum Queer-Skandal

@ imago images / eventfoto54

16.01.2021 20:00 Uhr

Kabarettistin, Autorin, Berufs-Provokateurin und selbsternannte Beleidigungskünstlerin Desirée Nick zählt am Samstagabend zu den Studiogästen der zweiten Ausgabe von "Ich bin ein Star - Die große Dschungelshow".

Die 64-jährige Berliner Vortrags-Künstlerin hatte maßgeblichen, wenn nicht den entscheidenden Anteil an, dass Kandidatin Nina Queer aus der Show flog, bevor diese überhaupt anfing. An die Adresse von RTL gewandt, denunzierte Désirée Nick nach Bekanntwerden der Dschungelshow-Personalie Queer auf ihren Social-Media-Seiten nicht nur als eine Rassistin, sondern stellte sie gleichzeitig auf eine Stufe mit „Aluhut-Xavier“, „Holocaust-Verharmloser Michael Wendler“ und Attila Hildmann.

Queer musste sich 2017 der Diskussion stellen

Nachdem RTL, derzeit extrem dünnhäutig nach dem Wendler-DSDS-Skandal, Queer nach dem Nick-Post Anfang der Woche von der Besetzungsliste strich, feierte Nick die Entscheidung mit „Don‘t mess with Desi!“ Die Siegerin in diesem Drama triumphierte lautstark. Doch es bleiben offene Fragen.

Queer hatte sich nicht nur 2017 und 2020 für ihre Reaktion entschuldigt, die auf einem Zwischenfall mit einem schwules Pärchen in Berlin basierten, das von fünf Jugendlichen – offenbar mit Migrations-Hintergrund – beschimpft und geschlagen wurde. Queer musste sich schon im Sommer 2017 einem Shitstorm und der Kritik aus der homosexuellen Community stellen – vollkommen berechtigt.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Nina Queer (@ninaqueer)

Wir erinnern uns: Nick gegen Obert

Doch das Nick-Prinzip ist nicht neu: Unvergessen die unflätigen, hasserfüllten Angriffe gegen Claudia Obert bei „Promis unter Palmen“ 2020, die ihresgleichen  suchten in der deutschen TV-Geschichte. Auch da kramte sie – offenbar in Ermangelung aktueller Angriffsflächen – Jahre alte Anekdoten heraus, um die unliebsame Konkurrentin wenigstens zu entwerten und in den Augen vieler Zuschauer öffentlich zu mobben. Einer der Nickschen Kommentare aus der SAT.1-Show damals: “Die Alte muss weg. Aber sowas von! Und wenn das nicht von selber geht, dann gehe ich mit der Schere durch die Sachen.”

Schon im Frühjahr 2020 hat sie Claudia Obert, die genauso wenig auf den Mund gefallen ist wie die Nick, in der Show auf jenen Platz verwiesen, den sie ihr zugeteilt hat. Schließlich habe die Obert ja auch Lügen verbreitet: “Deshalb hat das ganze Verhältnis keene Chance – und dann kann man es auch gegen die Wand fahren. Dann bin ich aber so: Wenn ich Kleinholz mache, dann bleibt kein Stein mehr auf’m anderen!“

Und doch entlarvt sich die Nick mit ihrer Haudrauf-Methode dummerweise oft selbst: „Es ist ohne Charme, ohne Esprit, ohne Hirn, ohne Geist. Es ist einfach nur verbittert und hässlich anzusehen.“ (Desirée Nick in „Promis unter Palmen“ über den Krach mit Obert, siehe Video unten)

Warum hat Nick geschwiegen zu den Vorwürfen gegen Queer?

Dieselbe Haudrauf-Taktik durfte nun auch Nina Queer erfahren. Obwohl lange Zeit schwer befreundet hatte Nick die oben genannte Fehltritte plus „Hitler-Transe“ und mehr aus der Karriere von Frauspielerin Nina Queer gekramt. Letztere hatte der Kabarettistin nach über 17 Jahren Ende 2020 öffentlich die Freundschaft gekündigt. Daher überraschte vor allem auch der Zeitpunkt, an dem Nick – die sich bekanntlich oft weit unterhalb von zivilisierten Umgangsformen wie Respekt und Anstand als moralische Instanz über andere erhebt – ihre einstige Freundin öffentlich zur Sau machte.

Auf den Social-Media-Seiten wurde Nicks Queer-Pranger nicht nur gefeiert. Denn auch die Bühnenkünstlerin wurde für ihre durchaus hinterhältige Art und Weise und ihr langes Schweigen verurteilt.

Mehr zum Thema: Desirée Nick und die verhängnisvollen 5 E’s

Ein schaler Beigeschmack

Unsere Interviewanfrage vom 13. Januar hat Frau Nick sehr einsilbig von ihrer Presseagentin absagen lassen. Somit nutzt sie die Chance leider nicht, sich zu erklären, zu rechtfertigen, Stellung zu beziehen. Oder schlichtweg: den von ihr so geliebten Klartext zu reden.

Somit bleibt irgendwie ein schaler Beigeschmack. Die ganze Aktion riecht mehr nach medialem Rachefeldzug aus gekränkter Eitelkeit, als nach politisch nicht nur korrekter, sondern auch mehr als angebrachter Intervention. Und so muss die Frage erlaubt sein, ob die Nicksche Aktion einen Mehrwert für’s Allgemeinwohl hat – oder eben doch nur die aufgeblasene Version eines entgleisten Streites unter Ex-Freundinnen ist… Dann haben wir es hier nicht mit einer mutigen Heldentat zu tun, sondern mit ganz banalem Hass – neudeutsch Cancel-Culture genannt… (PV)

8 unbeantwortete Fragen

Diese Fragen an Desirée Nick bleiben leider bis heute unbeantwortet:

1. Stimmt es, dass Sie fast 17 Jahre mit Nina Queer befreundet waren?
2. Warum ist ihre langjährige Freundschaft Ende 2020 in die Brüche gegangen?
3. Haben Sie Nina Queer während ihrer Freundschaft auf ihre heutigen Vorwürfe angesprochen?
4. Warum haben Sie Nina Queer erst vier Jahre bzw. einhalb Jahre nach deren Aussagen öffentlich an den Pranger gestellt?
5. Spielt es keine Rolle für Sie, dass Nina Queer sich entschuldigt hat?
6. Was meinen Sie mit ihrem Post „Don‘t mess with Desi!“, nachdem RTL Nina Queer von der Liste des „Dschungelshow“-Casts strich?
7. Wie beurteilen Sie die heftige Diskussion über „Cancel Culture“?
8. Sind sie eine Denunziantin, wie Ihnen im Netz vorgeworfen wird?