20.02.2019 19:10 Uhr

Abschied von Lagerfeld: „Möchte verschwinden wie die Tiere des Urwalds“

Karl Lagerfeld vor dem Chanel-Flagship-Store im Mai 2018. Foto: WENN.com

Frankreich huldigt dem verstorbenen Modeschöpfer Karl Lagerfeld. Der Abschied von dem gebürtigen Hamburger dürfte jedoch entgegen seinem Œuv­re ohne großen Pomp geschehen.

Abschied von Lagerfeld: "Möchte verschwinden wie die Tiere des Urwalds"

Karl Lagerfeld vor dem Chanel-Flagship-Store im Mai 2018. Foto: WENN.com

Für den gestorbenen Modeschöpfer Karl Lagerfeld soll es keine öffentliche Zeremonie oder Würdigung geben. „Wir respektieren den Wunsch von Karl Lagerfeld“, sagte ein Sprecher von Lagerfelds Modehaus der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Paris. Zur Beisetzung gebe es bisher keine Entscheidungen.

Die Tageszeitung „Le Monde“ berichtete, Lagerfeld habe sogar selbst eine Einäscherung geplant. „Ich möchte nur verschwinden wie die Tiere des Urwalds“, zitierte das angesehene Blatt den Stardesigner. Seine Asche solle mit der seiner Mutter und der eines vor 30 Jahren gestorbenen Freundes vermischt werden, habe Lagerfeld festgelegt. Eine Bestätigung war dafür zunächst nicht zu erhalten. Der letzte Pariser Modezar war den Angaben zufolge am Dienstag in Neuilly bei Paris gestorben. Das Modehaus Chanel, wo Lagerfeld jahrzehntelang als Kreativdirektor wirkte, hatte sich nicht zu Einzelheiten geäußert.

Abschied von Lagerfeld: "Möchte verschwinden wie die Tiere des Urwalds"

Chanel-Flagship Store in Paris am 20. Februar 2019. Foto: WENN.com

Neuanfang bei Chanel

In seiner Wahlheimat Frankreich wurde der gebürtige Hamburger gehuldigt. „Er war der Kaiser, der Kaiser der Mode(…)“, schrieb die Tageszeitung „Le Figaro“. Das Amt von Staatschef Emmanuel Macron teilte mit: „Die Haute-Couture, die Mode, der französische und europäische Stil verlieren (…) eines ihres größten Talente und ihren berühmtesten Botschafter.“ Frankreich habe Lagerfeld viel zu verdanken.

Der Abschied von Lagerfeld läutet auch einen Neuanfang bei traditionsreichen Modehaus Chanel ein, bisher „rechte Hand“ von Lagerfeld, übernimmt die Aufgaben des Modeschöpfers. Chanel ist einer der ganz großen Namen in der internationalen Modewelt und konkurriert mit Weltmarken wie Louis Vuitton oder Gucci.

Abschied von Lagerfeld: "Möchte verschwinden wie die Tiere des Urwalds"

Vor einem seiner Läden in Berlin hängt jetzt ein Trauerplakat an der Scheibe. Foto: Kay Nietfeld

Lagerfeld bestimmte mit eiserner Disziplin mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mit und stand dabei für Pariser Chic und Eleganz. Über Lagerfelds Alter war immer wieder gerätselt worden. Er kam als Sohn eines Dosenmilch-Fabrikanten in Hamburg zur Welt – nach eigenen Angaben im September 1935, womit er 83 Jahre alt geworden wäre. Als Geburtsjahre kursieren aber auch 1933 und 1938.

Der letzte „Weiße Elefant“ im Modebusiness

Lagerfeld verwandelte im Lauf der Zeit seine eigene Person zu einer Art Gesamtkunstwerk. Mit Sonnenbrille, weißgepudertem Zopf, dunkler Krawatte und dem hohen Hemdkragen war er überall erkennbar. Welcher Mensch sich hinter dieser geschickt inszenierten Fassade verbarg, blieb gelegentlich unklar.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an It is with deep sadness that the House of CHANEL announces the passing of Karl Lagerfeld, the Creative Director for the CHANEL Fashion House since 1983. An extraordinary creative individual, Karl Lagerfeld reinvented the brand’s codes created by Gabrielle Chanel: the CHANEL jacket and suit, the little black dress, the precious tweeds, the two-tone shoes, the quilted handbags, the pearls and costume jewelry. Regarding Gabrielle Chanel, he said, “My job is not to do what she did, but what she would have done. The good thing about Chanel is it is an idea you can adapt to many things.” A prolific creative mind with endless imagination, Karl Lagerfeld explored many artistic horizons, including photography and short films. The House of CHANEL benefited from his talent for all the branding campaigns related to Fashion since 1987. Finally, one cannot refer to Karl Lagerfeld without mentioning his innate sense of repartee and self-mockery. Alain Wertheimer, CEO of CHANEL, said: “Thanks to his creative genius, generosity and exceptional intuition, Karl Lagerfeld was ahead of his time, which widely contributed to the House of CHANEL’s success throughout the world. Today, not only have I lost a friend, but we have all lost an extraordinary creative mind to whom I gave carte blanche in the early 1980s to reinvent the brand.” Bruno Pavlovsky, President of Fashion at CHANEL, said: “Fashion show after fashion show, collection after collection, Karl Lagerfeld left his mark on the legend of Gabrielle Chanel and the history of the House of CHANEL. He steadfastly promoted the talent and expertise of CHANEL’s ateliers and Métiers d’Art, allowing this exceptional know-how to shine throughout the world. The greatest tribute we can pay today is to continue to follow the path he traced by – to quote Karl – ‘continuing to embrace the present and invent the future’.” Virginie Viard, Director of CHANEL’s Fashion Creation Studio and Karl Lagerfeld’s closest collaborator for more than 30 years, has been entrusted by Alain Wertheimer with the creative work for the collections, so that the legacy of Gabrielle Chanel and Karl Lagerfeld can live on.Ein Beitrag geteilt von CHANEL (@chanelofficial) am Feb 19, 2019 um 5:59 PST

Lagerfeld war Künstler, doch er nahm bei politischen Debatten kein Blatt vor den Mund. So löste seine Kritik an der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel 2017 großen Wirbel aus.

Die frühere „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich würde sagen, er war autark und niemandem zu irgendwas verpflichtet. Er wusste, was er konnte, das hat ihm eine innere, beneidenswerte Unabhängigkeit geschenkt. Er hat immer genau das gesagt, was er dachte – man könnte sagen: ohne Rücksicht auf Verluste. (…) Er war der letzte „Weiße Elefant“ im Modebusiness.“

Der Direktor der Uffizien in Florenz erklärte, er würde Lagerfeld gern eine Ausstellung in der Gemäldegalerie widmen. Lagerfeld sei ein „wahrer Gentleman“ gewesen, sagte der deutsche Direktor Eike Schmidt laut Nachrichtenagentur Ansa. „Er hat es Leuten, Freunden, Kollegen nie erlaubt, vom Tod zu sprechen, nicht mal über Krankheiten.“ (dpa/KT)