„Alles dicht machen“: Aktion gegen Corona-Politik erntet viel Kritik

Heike Makatsch und Jan Josef Liefers sind zwei der prominentesten Akteur*innen von "Alles dicht machen". (stk/spot)
Heike Makatsch und Jan Josef Liefers sind zwei der prominentesten Akteur*innen von "Alles dicht machen". (stk/spot)

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23.04.2021 13:43 Uhr

Wie man ein Debakel definiert? Heftige Kritik von der einen Seite und viel Zuspruch von Menschen, mit denen man nichts zu tun haben will - so geschehen bei den Protagonist*innen von "Alles dicht machen".

Eines ist den rund 50 Schauspieler*innen, die hinter der „Alles dicht machen“-Aktion stehen, definitiv gelungen. Mit ihrer Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung haben sie für Aufsehen gesorgt, dazu kann es keine zwei Meinungen geben. Ganz im Gegensatz zu der tatsächlichen Güte ihrer Protestaktion, an der sich seither im Netz die Geister scheiden. Was wiederum exakt einer der teils vernichtenden Kritikpunkte an „Alles dicht machen“ ist.

Die zahlreichen Kritiker

Was Jan Josef Liefers (56), Heike Makatsch (49) und Co. mit ihren kurzen Videos da betreiben, sei kein cleverer Protest gegen vermeintlich unverhältnismäßige Lockdown-Maßnahmen, findet Pianist Igor Levit (34). Es sei „schlechter, bornierter Schrumpfsarkasmus, der letztendlich bloß fader Zynismus ist, der niemandem hilft. Nur spaltet.“ In seinen Augen sei dies die „stumpfste Waffe gegen die Pandemie, gegen eine noch immer viel zu hohe Anzahl von Menschen, die sterben, gegen schlechte Politik, ausbleibende Hilfen, etc.“

Der ehemalige Moderator Tobias Schlegl (43) kehrte dem Showbusiness vor vielen Jahren den Rücken, ist inzwischen Notfallsanitäter. Er empfiehlt allen teilnehmenden Stars: „Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben.“ Und Schauspieler Marcus Mittermeier (51) ist einfach nur froh, dass ihn niemand gefragt hat, bei der Aktion mitmachen zu wollen.

Micky Beisenherz (43) befand in seinem Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“: „Für mich ist es inhaltlich absoluter Unsinn, aber dafür wenigstens herrlich prätentiös umgesetzt.“ Sein Gast, Psychologe und „WWM“-Gewinner Leon Windscheid, wies auf die Dringlichkeit hin, den Menschen das Recht auf andere Meinungen zu lassen. Aber genau da liege für ihn das Problem – „die Verwechslung von Meinung und Ahnung“, die von den teilnehmenden Stars betrieben werde.

Kurz und knapp fasst es Christian Ulmen (45) mit „Heute bisschen für Kollegen schämen“ in einer Instagram-Story zusammen und verweist wie viele anderen auf die Doku über die Intensivstation der Charité.

Die vereinzelten Fürsprecher

Lobende Worte für die Aktion finden sich ebenfalls von prominenten Namen. Etwa Hans-Georg Maaßen (58), früherer Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. „Großartig“ sei die Aktion der „Künstler gegen Coronapolitik“, schreibt er auf Twitter. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit (42) bezeichnet dort „Alles dicht machen“ gar als „Meisterwerk“.

Viel Zuspruch gibt es für die Videos aber auch von Menschen, der den Protagonist*innen in den Videos offenbar gar nicht recht ist. Liefers etwa sah sich kurz nach der Aktion zu einer Richtigstellung veranlasst, sich von Querdenkern, die ihn und die anderen für ihre Aktion loben, zu distanzieren. Selbiges gelte für „Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte“ und überhaupt gebe es „keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD.“

Das verhinderte aber auch nicht, dass AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar (48) ihn für seinen „intelligenten Protest“ wortwörtlich „feiert“. Liefers hatte in seinen Clip unter anderem den Medien vorgeworfen, blind der Regierung zu gehorchen. Auch Makatsch meldete sich bereits zu Wort: „Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst.“ Beide müssen sich – so wie die anderen teilnehmenden Stars – nun die Frage gefallen lassen, wen sie dachten mit dieser Aktion anzusprechen.

Auf dem YouTube-Kanal sind inzwischen einige der Beiträge gelöscht worden, auch der von Makatsch. Bei Twitter trendet neben #allesdichtmachen auf Platz eins #allenichtganzdicht direkt auf Platz zwei. Und das Land scheint nach der Kampagne noch ein kleines bisschen weiter gespalten zu sein als ohnehin schon. Ganz unironisch.