26.03.2020 23:00 Uhr

Alles über die Geschichte des Klopapiers

Laden in Australien. Foto: Zorro Stock Images

Torf, Lumpen, Moos, Blätter, Zeitungspapier, Buchseiten und vor allem die eigene Hand: Das alles benutzen Menschen zur Reinigung ihrer Kehrseite, bevor das Toilettenpapier diese Rolle übernahm. Aktuell ist es das Symbol der Krise. Dabei ist Papier in postmodernen Zeiten längst nicht mehr die erste Wahl für anspruchsvolle Popos. Es könnte daher durchaus sein, dass die Geschichte des Toilettenpapiers mit der Corona-Krise ihren letzten Höhepunkt erlebt. Doch von vorne.

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Wer hat’s erfunden?

Wie auch das Papier, stammt auch das Klopapier aus Fernost. Überliefert seit der chinesischen Antike, kommt es Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA auf den Markt. Nicht als Rolle, sondern als lose Blättchen in einer Schachtel. Die Rolle wurde wohl in Deutschland erfunden – um 1880. Zweilagig wischt man hierzulande seit 1972, dreilagig erst seit ‘84. Allerdings nur in der damaligen BRD. Der gesamte Ostblock war noch bis 1990 einlagig unterwegs.

Klopapier in der Kunst

Über Klopapier wird nicht gesprochen? Von wegen! Nicht nur bei Eminem und Lil Wayne schaffte es das Klopapier in die Liedzeilen, auch R. Kelly und Neil Young besangen es schon. Dass der Schlager “Dreilagiges Klopapier” von Mario Rosenauer derzeit in den Sozialen Medien die Runde macht, ist sicherlich nicht verwunderlich. Eine Art Ode an das Papier für den Allerwertesten haben aber auch die Berliner Hip-Hopper von K.I.Z. vor mehr als zehn Jahren in die Welt gesetzt.

Fast 200 Rollen pro Jahr

Wie viele Rollen Klopapier genau die Deutschen im Jahr verbrauchen, ist nicht ganz klar, aber nach dem Spitzenreiter Nordamerika ist Westeuropa beim Verbrauch von Hygienepapier ganz vorne dabei. Etwa 17 Kilogramm pro Person bescheinigt das European Tissue Symposium jedem Menschen in Deutschland jährlich. Zum Hygienepapier zählen auch Küchenrolle und Taschentücher. Wäre es nur das Klopapier, dann kämen die Deutschen wohl auf stolze 170 Rollen im Jahr – ausgehend von einer Rolle dreilagigem Papier mit 150 Blättern à 100 Gramm.

Noch mehr Toilettenpapier als in Deutschland wird etwa in den USA, in der Schweiz, in Finnland und in Hongkong verwendet. Doch nicht nur die Menge, auch die Art der Nutzung unterscheidet sich. Während in Deutschland gerne gefaltet wird, knüllt man im angloamerikanischen Raum lieber.

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Reich dank Klopapier

Mit Klopapier lässt sich auch privat Geld verdienen. Legal – und illegal, wie im Falle einer tschechischen Klopapier-Bande. Die beging 2014 Mehrwertsteuerbetrug, indem sie das Papier Dutzende Male zwischen Firmen im Inland und der Slowakei hin- und herverkaufte. Auch Bestseller-Autor Karl-Heinz (Henry) Jäger verdankt einen Teil seines Erfolges dem Toilettenpapier. Der Anführer der gefürchteten Jäger-Bande schrieb ab 1957 im Gefängnis heimlich auf das Toilettenpapier seiner Zelle. Mit Hilfe eines Geistlichen gelangten die Seiten nach draußen, und so wurde 1962 sein gefeierter Roman “Die Festung” veröffentlicht.

Kreativ mit Klopapier

Wer sich zu Klopapier-Hamsterkäufen ehat verleiten lassen und nun nicht weiß, wohin mit den ganzen Rollen, kann mit den Blättchen auch seine Kreativität ausleben. Nach der Krise, versteht sich. Origami-Anleitungen etwa gibt es nicht nur für Schmuckpapier, sondern auch für die weniger edlen Vertreter der Gattung. Fortgeschrittene finden eine etwas langwierige Aufgabe: ein Brautkleid aus Klopapier schneidern. Diese skurrile wie aufwendige Beschäftigung hat nicht nur auf Junggesellinnenabschieden Einzug gefunden, sondern auch in eine US-amerikanische Fernsehshow. Und wer beim Thema bleiben möchte, kann natürlich auch die passende Rolle mit der Aufschrift “Will you marry me?” im Internet finden.

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Und sonst so?

In Düsseldorf gibt es ein eigens dem Toilettenpapier gewidmetes Museum. Am 26. August ist internationaler Tag des Toilettenpapiers. In Peking geben Hightech-Automaten das Klopapier mancherorts nur bei Gesichtserkennung aus – im Kampf gegen Papierdiebe, versteht sich. Und im polnischen Torun (Thorn) hat eine Konditorei wegen des aktuellen Hypes um Hygieneprodukt kleine Torten in Form von Klopapierrollen gebacken. (dpa/KT)